Leon Müller
Nach der Pleite von Lehman, der Verstaatlichung von AIG und dem Zusammenschluss von Merrill Lynch und BoA droht nun Morgan Stanley der Notverkauf. Die britische HBOS hat ihn bereits hinter sich. Llyods TSB hat zugeschlagen. Marktteilnehmer stellen sich die Frage, wo der Pleitegeier als nächstes ansetzt.
Nach der Pleite von Lehman, der Verstaatlichung von AIG und dem Zusammenschluss von Merrill Lynch und BoA droht nun Morgan Stanley der Notverkauf. Die britische HBOS hat ihn bereits hinter sich. Llyods TSB hat zugeschlagen. Marktteilnehmer stellen sich die Frage, wo der Pleitegeier als nächstes ansetzt.
Die Pleitewelle scheint noch nicht vorüber. Und die Kandidaten für den Untergang tragen große Namen. So soll sich Presseberichten zufolge Morgan Stanley in einer prekären Lage befinden. Neben Goldman Sachs ist sie die einzige verbliebene Investmentbank an der Wall Street, nachdem Bear Stearns, Lehman Brothers und schließlich auch Merrill Lynch bereits verschwunden sind oder im Begriff sind dies zu tun. Dabei hatte Morgan Stanley zur Wochenmitte Zahlen zum zurückliegenden Quartal gemeldet, die über den Erwartungen lagen. Dennoch werden ihr nur marginale Überlebenschancen eingeräumt, sofern sie nicht kurzfristig einen Partner findet. Beruhigend, dass mit Wachovia schon ein Aufkäufer bereit stehen soll. Auch andere Institute sollen Interesse bekundet haben. Gar selbst zum Verkauf gestellt hat sich Washington Mutual. Seit Tagen häufen sich die Berichte über einen drohenden Zusammenbruch der größten US-Sparkasse und sorgen für eine zunehmende Verunsicherung der Marktteilnehmer.
Finanzkrise fordert täglich neue Opfer
Die Finanzkrise fordert täglich neue Opfer. Die Verstaatlichung der beiden US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae gerät fast schon in Vergessenheit, nachdem erst in der Nacht von Sonntag auf Montag die US-Investmentbank Lehman Brothers den Gang zum Insolvenzrichter antreten musste. Nicht einmal zum Dumpingpreis von zuletzt weniger als drei Milliarden Dollar fand sich ein Käufer. In einer Nacht- und Nebelaktion folgte der Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America, für immerhin 50 Milliarden Dollar. Anschließend wurde der größte US-Versicherungskonzern American International Group (AIG) in einer dramatischen Rettungsaktion verstaatlicht. Zuvor waren Goldman Sachs und JP Morgan mit der Ausarbeitung eines 75 Milliarden Dollar-Kredites für den Versicherungsgiganten gescheitert. Zur Wochenmitte schwappte die durch die Finanzkrise ausgelöste Fusionswelle schließlich nach Europa über. Die in Schieflage geratene britische Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS) wurde von Llyods TSB übernommen. Der Finanzkonzern zahlt 15,47 Milliarden Euro in Aktien.
Gerüchte bestimmen das Marktgeschehen
Die Lage an den Finanzmärkten ist dermaßen angespannt, dass ein einzelnes Gerücht ausreicht, um die Aktienkurse einbrechen zu lassen. So haben etwa Spekulationen rund um die Situation bei Goldman Sachs – die Investmentbank hatte den niedrigsten Quartalsgewinn seit ihrem Going Public im Jahr 1999 gemeldet – das Papier in den negativen Bereich gedrückt. Entsprechend ist nach wie vor größte Vorsicht geboten. Auch in den nächsten Tagen dürften die Kurse von Finanzwerten im zweistelligen Prozentbereich schwanken.