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Die City und das Girl

Andreas Deutsch

Unter dem Pseudonym "Suzana S." veröffentlichte Barbara Stcherbatcheff ihre Geschichte als Investmentbankerin - und sorgte damit für einen Riesenwirbel. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR erzählt Stcherbatcheff ihre Geschichte: über Gier, das wilde Leben der Investmentbanker und der harte Kampf einer Frau in einer Männerwelt.

DER AKTIONÄR: Frau Stcherbatcheff, Helmut Schmidt hat Investmentbanker einmal als ziemlich üble Kriminelle bezeichnet. Hat er Recht?

Barbara Stcherbatcheff: Das halte ich für reichlich übertrieben. Fest steht, dass die Branche ihren guten Ruf verloren hat. Die Banker haben aber nicht kriminell gehandelt. Ihr Vergehen ist vielmehr ethischer Natur. Die Banken haben Kunden dazu verleitet, immer mehr Kredite aufzunehmen. Sie haben den Anlegern miese Finanzprodukte aufgedrängt und selbst damit gehandelt. Aber sie haben keine Gesetze gebrochen. Es liegt nun einmal in der Natur des Menschen, gierig zu sein. Deswegen ist es Unfug, an die Moral der Banker zu appellieren. Solange es keine Gesetze gibt, die die Finanzwelt vernünftig regeln, wird sich das Verhalten der Banker bestimmt nicht ändern.

Ist das die Hauptintention Ihres Buches: ein Umdenken zu fordern?

Mit meinem Buch will ich den Leuten zeigen, wie es für eine Frau ist, in einer von Männern dominierten Welt zu arbeiten. Meine Perspektive ist für die Öffentlichkeit neu. Es gibt zwar etliche Bücher über das Finanzsystem. Aber die sind alle von Männern geschrieben. Die schauen ganz anders auf diese Welt mit ihrer Gier, den Exzessen, der Dekadenz und den hohen Boni.

Verändert sich der Charakter einer Frau in diesem Umfeld?

Fünf Jahre mitten im Herzen der Finanzelite: Barbara Stcherbatcheff  Was die feminine Seite angeht, auf jeden Fall. Manche Frauen nehmen sehr männliche Wesenszüge an. Sie werden dominant, rücksichtslos, auch bissig. Bei Männern wird das positiv bewertet und mit Macht gleichgesetzt. Frauen gelten dann gleich als zickig. Was ich sehr bemerkenswert finde, ist, dass die erfolgreichsten Traderinnen nicht besonders machthungrig waren. Sie gingen beim Traden umsichtiger vor, machten eher kleine, vorsichtige Schritte - und erzielten damit die besten Ergebnisse.

Womit hat sich die Finanzbranche in den letzten Jahren am meisten geschadet?

Die Bonus-Kultur war am verheerendsten. Sie ermunterte die Trader dazu, in kürzester Zeit höchste Risiken einzugehen. Gewannen sie, wurden sie reich belohnt. Wenn sie verloren, war es das Problem der Banken. Die fehlende Kontrolle der Branche hat ebenfalls sehr viel Schaden angerichtet. Diese ganzen riskanten Produkte, die auf den Markt gebracht wurden - da blickte doch keiner mehr durch. So entstand die Immobilienblase. Die Folgen sind bekannt.

Sie denken also, dass die schlimmste Finanzkrise seit Jahrzehnten so kommen musste?

In gewisser Weise schon. Aber wie sagt man so schön: Solange die Musik spielt, muss man danach tanzen. Keiner von uns hat damals erklärt: "Das alles hier ist mir viel zu heiß, da mache ich nicht mehr mit!" Im Nachhinein ist es natürlich einfach zu sagen, das war unverantwortlich, wie wir gehandelt haben. Aber wenn man mittendrin steckt, ist es wirklich sehr schwierig.

In Ihrem Buch sagt eine damalige Kollegin von Ihnen, Männer aus der City seien wie "Höhlenmenschen, die so viel Sex wie möglich haben wollen". Entspricht das auch Ihren Erfahrungen?

Nun, nicht alle Männer sind so. Es gibt sehr nette Banker in der City. Aber es gibt es auch einige Männer, die, nennen wir es so, gewisse Angewohnheiten haben. Zum Beispiel heftige Trinkgelage abzuhalten. Obwohl der Job sehr anstrengend ist, machen einige Banker die Nacht zum Tag und feiern bis früh um 3 Uhr.

Solche Enthüllungen dürften nicht jedem gefallen. Haben Sie eigentlich schon viele unfreundliche Briefe erhalten?

Nein, im Gegenteil. Ich bekomme sehr viele E-Mails von Frauen, die das Buch gelesen haben und die mir schreiben, das Buch habe sie inspiriert, eine Karriere zu starten.

Diese Frauen müssen aber viele Konzessionen machen. Sie schreiben im Buch, dass Sie wenig Zeit für Ihr Privatleben hatten. Auch nicht für Ihren damaligen Mann. Geben Sie der Finanzszene eine Mitschuld daran, dass Ihre Ehe in die Brüche gegangen ist?

Die Vorzeichen für meine Ehe waren nicht gut. Eine Karrierefrau hat es unheimlich schwer, Job und Beziehung perfekt unter einen Hut zu bringen. Zudem sind mein Ex-Mann und ich beide Alphatiere, die an vorderster Front sein wollten. Das konnte nicht gut gehen. Auch hierzu bekomme ich jede Menge E-Mails von Frauen, die schreiben: "Ich bin in der gleichen Situation. Es ist ein Albtraum."

Eine Frage, die unsere Leser ganz besonders interessiert: Was macht einen erfolgreichen Trader aus?

Man braucht eine gute Kontrolle über seine Emotionen und genügend Selbstbewusstsein. Wenn ein Spekulant sich jedesmal schwarz ärgert, wenn er einen Trade versiebt, wird er das nervlich nicht lange durchhalten. Zudem sollte man in der Lage sein, Informationen in sehr kurzer Zeit zu verarbeiten. Und man sollte entschlussfreudig sein und Geduld haben. Manchmal dauert es einen ganzen Monat, bis man einen guten Gewinn macht. Trading ist kein bequemer Job. Es ist eine sehr intensive, anstrengende Arbeit.

Mehr Informationen über den spannenden Enthüllungsbericht "Die City, das Girl, die Geschichte" und eine kostenlose Leseprobe finden Sie hier. 

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