Thorsten Küfner
In Krisenzeiten sollten Anleger vor allem auf Branchengrößen setzen, die im besten Fall auch noch konjunkturunabhängig agieren. Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein genauerer Blick auf die Titel des weltgrößten Mobilfunkanbieters: China Mobile.
Die viel zitierte Börsenweisheit „Sell in May and go away" hätte sich bei einem Großteil der Aktien im laufenden Börsenjahr einmal mehr als hervorragender Tipp bewährt. Bei einer Aktie allerdings definitiv nicht: China Mobile. Denn die Titel des chinesischen Mobilfunkanbieters haben im Mai ihr bisheriges Jahrestief markiert und seitdem trotz der teilweise sehr schlechten Stimmung an den Märkten kräftig zugelegt.
Kein Wunder, schließlich ist die Aktie für konservative Anleger, die nach langfristigen Anlagemöglichkeiten suchen, gerade für Krisenzeiten ein sehr gutes Investment. Mit sagenhaften 622 Millionen Kunden (per 31. Juli) ist China Mobile der weltweite Branchenprimus in einem relativ konjunkturunabhängigen Sektor. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen mit Sitz in Hongkong über eine sehr solide Bilanz - was sehr selten ist in der Telekombranche - und gut laufende Geschäfte in einem attraktiven Wachstumsmarkt.
Es läuft weiterhin rund
So konnte China Mobile im zweiten Quartal des laufenden Jahres erneut überzeugen: Mit einem Gewinnanstieg von sieben Prozent auf 34,4 Milliarden Yuan (5,4 Milliarden Dollar) übertraf der Konzern die Prognosen der Analysten. Der Umsatz kletterte um 9,3 Prozent auf 132 Milliarden Yuan und lag ebenfalls über den Schätzungen der Experten. Auch mit der Entwicklung der Kundenzahl konnte das Unternehmen zufrieden sein: In den ersten sechs Monaten kletterte die Anzahl der Nutzer um fünf Millionen - im Monatsdurchschnitt.
Attraktive Wachstumschancen
Um seine Position als weltgrößter Mobilfunkanbieter zu stärken, setzt China Mobile natürlich auch auf Smartphones. Gerade im Reich der Mitte sehen Experten großes Potenzial. Derzeit besitzen dort von mehr als 900 Millionen Handybesitzern nur 80 Millionen ein Smartphone. Zudem nutzt der Großteil der Chinesen das Handy bislang lediglich zum Telefonieren. Aller Voraussicht nach dürfte der Trend weg von mit weniger Funktionen ausgestatteten 2G-Handys hin zu Smartphones auch in China weiter an Stärke gewinnen. Für China Mobile dürfte sich diese Entwicklung auszahlen. Denn in der Regel liegen die Gewinnmargen bei Kunden mit Smartphones deutlich höher, allein schon da diese wesentlich häufiger das Internet nutzen. Hiermit könnte der Branchenprimus bedingt durch die auch im eigenen Land härter werdende Konkurrenz den zuletzt leicht rückläufigen Durchschnittsumsatz pro Nutzer wieder steigern.
Prall gefüllte Kriegskasse
Neben dem hohen Kundenbestand in einem attraktiven und stetig wachsenden Markt hat China Mobile im Vergleich zur Konkurrenz darüber hinaus noch ein weiteres Ass im Ärmel: eine sehr solide Bilanz. Während Wettbewerber wie die Deutsche Telekom oder Telefónica eine Nettoverschuldung im hohen zweistelligen Milliardenbereich aufweisen, glänzt der Mobilfunkgigant aus China mit einer Nettoliquidität von satten 38 Milliarden US-Dollar. Damit könnte das Unternehmen problemlos auch größere Übernahmen stemmen, ohne sich verschulden zu müssen. Doch dank des konstanten operativen Wachstums hat das Unternehmen derartige Zukäufe aktuell nicht nötig.
China Mobile hat also allerbeste Chancen, seine Stellung als weltgrößter Telekomkonzern nicht nur zu verteidigen, sondern auch seine Führungsrolle weiter zu untermauern.
Richtig verbunden
China Mobile eignet sich als defensives Investment ideal für Krisenzeiten. Die starke Bilanz, das konstante Kundenwachstum und die auch dadurch bedingten guten Aussichten sprechen klar für die Aktie des weltgrößten Mobilfunkanbieters, die zudem derzeit mit einem KGV von 11 und einer Dividendenrendite von knapp vier Prozent sehr attraktiv bewertet ist. Für langfristig orientierte Anleger sind die Anteilscheine daher ein klarer Kauf.