Carsten Englert, Alfred Maydorn, Leon Müller, Florian Söllner
Die Chinesen wollen die Solarindustrie massiv fördern und legen damit den Grundstein für eine nachhaltige Rallye im Sektor.
Die Chinesen wollen die Solarindustrie massiv fördern und legen damit den Grundstein für eine nachhaltige Rallye im Sektor.
Nachdem bereits über einen möglichen Subventionsschub für die chinesische Solarindustrie spekuliert wurde, sind Ende vergangener Woche erste Details des Programms in die Öffentlichkeit gedrungen. Fest steht: China macht Ernst. Wie aus einer Mitteilung des Finanzministeriums hervorgeht, erwägt die Regierung offenbar den Bau von Solaranlagen mit einer Mindestgröße von 50 Kilowatt zukünftig mit bis zu 20 Yuan oder 2,93 Dollar je Watt zu fördern. Sollten sich diese Angaben als belastbar herausstellen, wäre die Sensation perfekt. Denn die Summe entspricht in etwa den derzeitigen Produktionskosten, was bedeuten würde, dass Kunden lediglich die Installationskosten tragen müssten. Anders als in Europa würden die Gelder entsprechend nicht pro produziertem, sondern pro installiertem Watt fließen.
Man muss kein Prophet sein, um die Auswirkungen auf die chinesische Solarindustrie vorherzusagen. Folglich haben sich Analysten wie Matthew Page von Atkinson Asset Management begeistert gezeigt: China hat das Potenzial, den Solarmarkt zu verdoppeln, die derzeitigen Überkapazitäten aufzusaugen und die Solarfirmen zurück auf den Wachstumspfad zu bringen. Ardour Research rechnet damit, dass das Programm ab 2010 umgesetzt wird und um eine Überhitzung wie in Spanien zu vermeiden , eine Deckelung eingesetzt werden könnte. Barclays Capital geht davon aus, dass die Solarnachfrage in China von 58 Megawatt (MW) in diesem Jahr auf 232 Megawatt bis 2012 zulegen wird, was einer Vervierfachung gleichkäme.
Kursfeuerwerk entfacht
Obwohl die ersten Details des Subventionsprogramms nur langsam von den Medien aufgegriffen wurden, brannten chinesische Solaraktien ein Kursfeuerwerk ab. Einzelne Titel verteuerten sich binnen weniger Stunden um 50 Prozent. Dennoch dürfte dies erst der Auftakt zu einer Rallye gewesen sein ("Suntech Power, Yingli & Co - Chinas Solaraktien: Strohfeuer oder Trendwende?").
Suntech: Die Nummer 1
Das chinesische Solarunternehmen Suntech Power ist bestens vorbereitet auf eine kräftig anspringende Nachfrage auf dem heimischen Markt. Als weltgrößter Solarmodulhersteller hat Suntech seine Qualität bereits über mehrere Jahre hinweg vor allem in Europa unter Beweis gestellt. Der Marktführer ließ in den letzten Handelstagen auch an der Börse die meisten Wettbewerber hinter sich. Die in Ausgabe 13/2009 zum Kauf empfohlene Aktie von Suntech Power gewann am Donnerstag letzter Woche innerhalb eines Handelstages knapp 50 Prozent. Doch selbst nach diesem Anstieg ist die Aktie mit einem 2010er-KGV von 11 noch attraktiv bewertet und steht vor weiteren Kursgewinnen. Der Stopp sollte auf 5,70 Euro nachgezogen werden.
Trina Solar: Gut und günstig
Auch der Solarmodulhersteller Trina Solar ist bestens für einen Solar-Boom im eigenen Land gerüstet. Bislang verdiente die Solarfirma ihr Geld vor allem in Europa und den USA. Erst am 20. März wurde gemeldet, dass 13.400 Trina-Solarmodule auf der bisher größten Solardachanlage Nordamerikas eingesetzt werden. Neben der Qualität zeichnet Trina auch eine sehr niedrige Kostenstruktur aus. Der vollintegrierte Solarhersteller, der die Wafer-, Zell-, und Modulfertigung abdeckt, gibt die reinen Produktionskosten pro Watt mit rund 1,20 Dollar an. 2009 dürften die Kosten um weitere 20 Prozent nachgeben.
JA Solar: Cash-Chinese
Auch die Aktie von JA Solar hat mit einem grandiosen Kurssprung die charttechnische Trendwende eingeleitet. Der Solarzellenhersteller punktet vor allem mit seiner starken Bilanz. Ende 2008 verfügte JA Solar über 292 Millionen Dollar liquide Mittel, die auch in schwierigen Zeiten das Überleben sichern. Dass die Chinesen längst im Konzert der Großen mitspielen, zeigt die 175 MW umfassende Liefervereinbarung mit BP Solar. Zwar war der Solarzellenhersteller im vierten Quartal in die Verlustzone gerutscht, doch ab dem zweiten Quartal 2009 werden für JA Solar wieder schwarze Zahlen erwartet.
Yingli: Stabil in der Krise
Yingli Green Energy ist als vertikal integrierter Solarkonzern weniger anfällig gegenüber größeren Preisschwankungen. Durch die jüngste Solarkrise kamen die Chinesen im Vergleich zu vielen Konkurrenten ohne Verluste. Anfang März sicherte sich Yingli neue Kreditlinien und ist nun bestens gerüstet, um von der erwarteten Belebung auf dem chinesischen Markt zu profitieren. Die Aktie ist auch nach dem jüngsten Kurssprung mit einem 2009er-KGV von 8 ausgesprochen attraktiv bewertet ("Yingli Green Energy Chinas Solar-Favorit").
Windige Solaralternative
Nach der Solaroffensive der chinesischen Regierung dürfte ein vergleichbares Programm für Windenergie nicht lange auf sich warten lassen. Hiervon würde der Windturbinenhersteller A-Power profitieren. Dabei kann sich A-Power über mangelnde Aufträge nicht beklagen. Einer der größten Kunden ist der US-Konzern General Electric, den A-Power mit Windturbinen beliefert. Gemeinsam will man überdies eine neue Windturbinenproduktion in China aufbauen. Das Potenzial ist groß: Im Riesenreich China ist mit zwölf Gigawatt nur halb so viel Windleistung installiert wie im vergleichsweise winzigen Deutschland. Mit einem 2009er-KGV von 6 bei Wachstumsraten von über 100 Prozent ist die Aktie zudem ein echtes Schnäppchen.
Grundstein für Rallye gelegt
Das Kursfeuerwerk bei chinesischen Solaraktien dürfte der Auftakt zu einer echten Trendwende gewesen sein. Wer breit gestreut von Chinas Solar-Boom profitieren will, greift zum S-BOX China Solar Indexzertifikat (siehe Seite 40/41).
Dieser Artikel ist erschienen in Ausgabe 15/09 von DER AKTIONÄR. Dort finden Sie auf den Seiten 27 bis 29 konkrete Ziel- und Stoppkurse zu den einzelnen Titeln. Das gesamte Heft ist auch online als ePaper zu lesen.