Chart-Check Nokia: Das tiefste Loch Finnlands

Der Aktienkurs von Nokia, dem ehemaligen Weltmarktführer für Mobiltelefone, stürzt immer schneller immer tiefer abwärts. Das Management muss noch Hoffnung haben, den Konzern wieder zu einem erfolgreich wirtschaftenden Unternehmen zu machen; die Anleger aber nicht. In unsicheren Zeiten sind unsichere Investments doppelt unbeliebt, was auch am Chart abzulesen ist.
Michael Poole ist Manager des Fonds European High Yield Bond von Threadneedle. Er kauft Anleihen von Unternehmen, die kein Investment-Grade mehr haben, also "Ramsch" sind. In einem Interview mit Das Investment stimmt er den Abgesang auf Nokia an: "Zwar hofft der Markt, dass Microsoft den Konzern aus dem finnischen Espoo übernimmt. Das glauben wir aber nicht. Nokia steckt in einer schwierigen Situation, weil es den Trend zum Smartphone verpasst hat. Es verbrennt gerade sehr viel Geld." Wenn die Hoffnung für ein Unternehmen die Übernahme ist, sind in diesem Unternehmen zuvor entscheidende Fehler begangen worden. Diese Fehler sind bei Nokia an den Verkaufs- und Ergebniszahlen festzumachen und am schlimmen Chartbild abzulesen.
Bodenlos
Der Relative-Stärke-Indikator im Chart der Aktie von Nokia ist sehr weit unten, was üblicherweise auf einen demnächst steigenden Aktienkurs hindeutet. Doch das dürften nur kurzfristige, schwache Erholungen werden. Seit Mitte Juni zeigt der Trendfolge-Indikator MACD an, was zu tun ist: Verkaufen. Waagerecht gibt es keine Unterstützungen mehr im Chart und seit November 2007 und einer Notierung von 28,65 Euro geht es immer schneller bergab. Die entsprechende Abwärtstrendlinie verläuft derzeit bei fünf Euro. Diejenige Abwärtstrendlinie, die seit Februar 2011 gültig ist bei 3,55 Euro, die seit Anfang April 2012 bei 1,93 Euro und die seit Mitte Juni intakte bei 1,57 Euro. Solange nicht mindestens die jüngste Abwärtstrendlinie überwunden wird, besteht keine Hoffnung darauf, einen Boden zu bilden. Es geht bodenlos abwärts.

Nur ein Verkaufshammer hilft
Die Analysten haben ihre Ergebnisschätzungen für die Jahre 2012 bis 2014 auf minus 0,22 Euro, auf 0,04 Euro und auf 0,15 Euro je Aktie weiter gesenkt. Das entspräche Kurs-Gewinn-Vielfachen von 35 und von 10. So, wie der Aktenkurs sich in einem Abwärtstrend befindet, so befinden sich auch die Schätzungen der Analysten in einem Abwärtstrend. Nokia braucht einen technisch erstklassigen Verkaufsschlager und solange der nicht in Sicht ist, gibt es weiterhin keinen Grund einzusteigen.
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