Leon Müller
BP sorgt auch zu Beginn der neuen Woche für Schlagzeilen. So soll angeblich auch der neueste Versuch, den Ölfluss zu stoppen, gescheitert sein. Washington spricht von einem Leck am Bohrloch. Zudem machen Spekulationen um einen Verkauf des Tankstellen-Geschäfts die Runde. Währenddessen hält die UBS an ihrer Kaufempfehlung für die Aktie fest. Aber sollte man jetzt wirklich einsteigen?
Knapp 43 Prozent hat die Aktie des britischen Ölmultis BP zuletzt zugelegt und damit die Hoffnung auf eine Trendwende genährt. Doch war das alles vielleicht nur ein kurzes Aufbäumen, eine technische Gegenreaktion auf die herben Verluste, die Anleger seit der Explosion der Plattform Deepwater Horizon im April hinnehmen mussten? Fest steht: Die Aktie verhält sich äußerst volatil, reagiert auf jede neue Meldung aus dem Unglücksgebiet im Golf von Mexiko mit heftigen Auf- und Abschlägen. So hielt die Freude über eine Erfolgsmeldung von Freitag vergangener Woche nur kurz. BP meldete, den Ölfluss mithilfe einer neuen Abdichtvorrichtung gestoppt zu haben. Schon am Sonntagabend kamen Zweifel auf, ob dies tatsächlich vollumfänglich gelungen sei. Die US-Regierung hat den Konzern auf ein Leck hingewiesen und BP ein Ultimatum gestellt. Der Markt reagiert am Montag gewohnt empfindlich. Die Aktie zählt zu den Top-Verlierern. Für Missstimmung unter den Anlegern sorgt noch eine weitere Meldung...
Tankstellen-Verkauf reine Spekulation
Um die Kosten der Ölpest - die größte in der US-amerikanischen Geschichte - stemmen zu können, soll BP erwägen das Tankstellen-Geschäft aufzugeben und zu verkaufen. Dies berichtete die Sunday Times am Wochenende. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge bislang 3,95 Milliarden Dollar für die Bekämpfung der Katastrophe aufgewendet. Ein Verkauf des Tankstellen-Geschäfts sei derzeit allerdings nicht in der Diskussion. "Das sind nur Gerüchte und Spekulationen", sagte ein Sprecher am Montag in London.
UBS und andere Analysten bleiben bullish
Während BP nicht aus den Schlagzeilen rauskommt, sind Analysten unbeirrt optimistisch, was die Kursentwicklung anbelangt. Von zuletzt 13 veröffentlichten Studien beinhalten zehn die Einschätzung "Kaufen". Weitere drei sehen in dem Titel immerhin eine "Halten"-Position. Und - angesichts der jüngsten Entwicklungen überraschend - empfiehlt kein einziger Analyst die Aktie zu verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel beträgt im Übrigen 5,04 Euro und liegt damit rund acht Prozent oberhalb der aktuellen Notiz. Größter Bulle im Lager der Analysten ist im Übrigen die ING mit einem Ziel von 7,12 Euro. Die UBS hat ihre Einschätzung auf "Buy" mit Kursziel 525 Pence am heutigen Montag bestätigt.
Toxisches Gemisch
BP wird am 27. Juli über das zweite Geschäftsquartal berichten. Dann erhalten Marktteilnehmer unter anderem Einblick in die Liquiditätssituation des Unternehmens. Von Investments in den Titel ist aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage abzuraten. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, wie anfällig die BP-Aktie für Negativmeldungen ist. Ein vollständiger Kollaps erscheint zwar unwahrscheinlich. Sollte die Freitag als Erfolg gefeierte Aktion, das Bohrloch zu schließen, doch noch scheitern, ist mit einer heftigen Abwärtsbewegung zu rechnen. Ein Test des Tiefs wäre dann durchaus möglich. Anleger halten sich daher vorerst von der Aktie fern. 