Leon Müller
Zum ersten Mal seit der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko konnte der britische Ölmulti BP vor wenigen Tagen eine erste Erfolgsmeldung verkünden: ein meterhoher Zylinder habe die Ölfontäne zum Versiegen gebracht. Die Aktie hat daraufhin in den Rallye-Modus gewechselt. Doch jetzt werden Zweifel laut.
"Bei dem ersten Test einer neuen Abdichtvorrichtung ist es dem Ölkonzern BP gelungen, erstmals seit April den Ölfluss aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko zu stoppen. 'Es ist schön zu sehen, dass kein Öl mehr in den Golf fließt', freute sich BP-Vizepräsident Kent Wells. Jetzt muss die Konstruktion halten und verhindert werden, dass wegen des erhöhten Drucks neue Löcher in der Leitung entstehen." Das berichtete DER AKTIONÄR Freitag vergangener Woche. Es war die erste positive Meldung von BP seit der Explosion und dem anschließenden Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Die Aktie des britischen Ölmultis hatte bereits im Vorfeld dieser Meldung kräftig zugelegt und sich spürbar von ihren Tiefstständen erholt. In der Spitze notierte die BP-Aktie am Freitag 43 Prozent über ihrem Tief vom 25. Juni bei 3,62 Euro. Doch jetzt werden erste Zweifel am erfolgreichen Ausgang der neuesten Aktion laut...
"Unbestimmte Anomalitäten" am Bohrloch
Am Sonntagabend wies die US-Regierung auf ein Leck in der Nähe des Bohrlochs hin. Der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen, sprach von "unbestimmten Anomalitäten" am Bohrloch und forderte die Briten in einem Schreiben auf, umgehend Bericht zu erstatten. Ein Sprecher des Konzerns zeigte sich verblüfft, gab zu verstehen, er wisse nichts von einem Leck. Das zumindest berichtete der Nachrichtensender CNN. Doch BP soll in der Causa Deepwater Horizon bereits des Öfteren Informationen zurückgehalten haben. Die Glaubwürdigkeit des Unternehmens wurde immer wieder belastet.
BP-Manager Doug Suttles schloss jetzt nicht aus, dass es Probleme geben könnte. Sollte sich herausstellen, dass die Steigleitung dem Druck nicht standhalten sollte, werde BP gezwungen sein, die Ventile des aufgebrachten Zylinders wieder zu öffnen. Dann würde wieder Öl ungehindert ins Meer gelangen.
Unsicherheit bleibt
Die aktuelle Nachrichtenlage ist uneindeutig. Anleger beobachten die Entwicklung auch weiterhin von der Seitenlinie aus. Nur sehr risikobewusste Investoren wagen die Spekulation.