Werner Sperber
Das Zertifikatejournal beschäftigt sich mit Öl und den Gewinn-Chancen mit halbstaatlichen Öl-Konzernen. Fuchs Kapitalanlagen beleuchtet Q-Cells, Conergy, Yingli und Phoenix Solar.
Börsenwelt Presseschau: Die Experten des Zertifikatejournals erinnern daran, dass der Anteil von Erdöl am weltweiten Primärenergie-Verbrauch von 1973 bis 2011 von etwa 46 auf mehr als 30 Prozent gesunken ist. Allerdings ist die tatsächlich verbrauchte Menge an Energie gestiegen. Deshalb erhöhte sich auch die nachgefragte Menge an Erdöl um mehr als 40 Prozent auf 89,5 Millionen barrel Öl pro Tag (bpd). Schätzungen zufolge soll die Nachfrage pro anno um 1,2 Prozent zunehmen und im Jahr 2016 bei 95 Millionen bpd liegen. Dieser Zuwachs stammt vor allem aus den Schwellenländern und hier wiederum hauptsächlich aus China, das für 40 Prozent des weltweiten Nachfrage-Anstieges verantwortlich ist. Insgesamt verbrauchen nur die USA mehr Öl als China. Allerdings gehen die Ölreserven in der Volksrepublik zu Ende und China versucht immer stärker mit Öl aus Afrika seinen aktuellen Bedarf von 9,91 Millionen bpd zu decken. Bereits jetzt kommt mehr als ein Drittel des in China verbrauchten Öls aus Afrika. Schätzungen zufolge besitzt die Vereinigung erdölexportierender Länder (OPEC) derzeit 73 Prozent der weltweiten Öl-Reserven. Hier wiederum liegt der Großteil in in Saudi Arabien und Venezuela. In den meisten Ländern mit großen Ölvorkommen wird das Geschäft von staatlichen Ölfirmen (State Oil Companies) betrieben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen, den National Oil Companies (NOC) und den Hybrid-Capital Companies. Die NOCs sind komplett in Staatsbesitz, die Hybrid-Capital Companies nur zum Teil. Für letztere sind deshalb auch Aktien zu handeln.
Da die (teil)-staatlichen Öl-Konzerne oft zu den wichtigsten Unternehmen des Landes gehören und gleichzeitig eine ertragsstarke Einnahmequelle sind, unterstellen die Experten den Regierungen ein gesteigertes Interesse an einer nachhaltigen und krisenresistenten Unternehmensführung. Das wiederum möchte die Schweizer EFG Financial Products für Anleger nutzen. Die Gesellschaft hat deshalb das am 17. Januar 2017 fällige Zertifikat (WKN EFG 0Q9) auf den Aktienkorb EFG FP State Oil aufgelegt. In dem Korb befinden sich die sechs gleichgewichteten Aktien von Statoil (Norwegen), Petrobas (Brasilien), CNOOC (China), Eco-Petrol (Kolumbien) sowie Gazprom und Rosneft (beide Russland). Anfallende Dividenden werden in den Basket re-investiert. Die Besonderheit ist, EFG hat das Zertifikat unter den Schutz des Besicherungssystems COSI gestellt. EFG hinterlegt dabei hochwertige Wertpapiere bei der Schweizer Börse SIX, welche bei einer Insolvenz von EFG verwertet werden und deren Erlös an die Anleger ausbezahlt wird. Das Verlustrisiko aufgrund eines Ausfalls des Emittenten wird durch diese Pfandbesicherung minimiert. Die Experten halten die Zertifikate-Idee für gut, auch wenn die Zahl der Aktien gering ist und es wegen der starren Gewichtung zu Klumpen-Risiken kommen kann. In der Rückrechnung hat sich der Korb allerdings gut entwickelt. Seit November 2008 hat der Basket mehr als 80 Prozent an Wert zugelegt, wobei sich vor allem CNOOC und Eco-Petrol gut entwickelt und beide um jeweils mehr als 100 Prozent verteuert haben.

Fuchs Kapitalanlagen: Der Chinese strahlt am hellsten
Die größte Bedrohung ist die Klimaerwärmung. Staaten haben deswegen erneuerbare Energien gefördert und Konzerne Kapazitäten auf- und ausgebaut. Die Subventionen wurden hoch, wie auch die Staatsschulden, weshalb die Regierungen in Europa die Förderung beschnitten. Die Experten von Fuchs Kapitalanlagen verweisen zudem auf Überkapazitäten, die ebenfalls zu dem hohen Wettbewerbsdruck, einbrechenden Aktienkursen und zusammenbrechenden Firmen geführt haben. Energie aus Wind ist inzwischen fast wettbewerbsfähig und wird wegen der günstigen Kostenstruktur weiterhin stark ausgebaut. Die Solarbranche ist in einer weitaus schwierigeren Lage. Zwar erzielen die Betreiber von Fotovoltaikanlagen in Deutschland noch immer hohe Renditen, allerdings vor allem dann, wenn sie ihre Module aus China beziehen. Chinesische Modul-Hersteller beherrschen den Markt, der zu 70 Prozent in Europa ist. Die Bank of America schätzt jedoch, dass sich dieser Anteil bis zum Jahr 2015 auf 30 Prozent verringern und dafür Asien und Amerika 60 Prozent des Weltmarkts einnehmen werden. Die Zukunft der Fotovoltaikindustrie wird in Asien und in Amerika entschieden.
Ein Engagement bei dem chinesischen Modul-Anbieter Yingli Green Energy ist dennoch riskant. Großhändler können einen Schiffscontainer mit Fotovoltaik-Panels von Yingli derzeit für netto 0,82 Euro-Cent pro Watt Leistung beziehen. Der Nettopreis für ein 230-Watt-Standardmodul ist damit auf weniger als 200 Euro gesunken, während es vor zwei Jahren noch mehr als das Doppelte gekostet hat. Die chinesische Regierung ließ jüngst durchsickern, Wind- und Sonnenstrom sollen künftig stärker gefördert werden. Daraufhin stieg der Aktienkurs auch von Yingli stark. Das Unternehmen gehört dennoch weiterhin zu den Favoriten der Experten im chinesischen Solarsektor. Denn das Unternehmen kommt in China auf einen Marktanteil von 30 Prozent. Yingli könnte es schaffen, in diesem und im nächsten Jahr in der Gewinnzone zu bleiben. Damit dürfte der Konzern zu den Gewinnern der Branchenkonsolidierung zählen. Vor allem chinesische Modulhersteller könnten ihre Marktanteile ausbauen wollen und dafür an den internationalen Vertriebsnetzen deutscher Unternehmen, wie Conergy oder Phoenix Solar interessiert sein. Beide Firmen werden deshalb als Übernahmekandidaten gehandelt. Solarzellen- und -modulhersteller Q-Cells kämpft allerdings gegen die Insolvenz.
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