Werner Sperber
Der Frankfurter Börsenbrief erklärt, worauf sich auch Warren Buffet einstellen muss: Auf Trinity. Der BetaFaktor betrachtet sich den Glücksspielsektor nach dem Urteil des EuGH und den Kurssprüngen der Wettanbieter. Portfolio Exclusiv schließt sich dem Trend an und setzt mit einem Derivat auf die Indus Holding. Fuchs Kapitalanlagen widmet sich dem Thema "Seltene Erden" und hat sich dazu China Rare Earth ausgesucht. Der Hanseatische Börsendienst warnt vor Aktien wie der von BilfingerBerger. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots.
Börsenwelt Presseschau: Die Experten des Frankfurter Börsenbriefes zitieren den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher und den Fondsmanager Mark Tinker. Löscher schätzt, dass die Hälfte des Weltwirtschaftswachstums in den nächsten Jahren auf den Boom in Asien zurückzuführen sein wird. Tinker geht davon aus, dass das Wachstum der Konsumgüter-Branche zu 90 Prozent den Schwellenländern zuzurechnen sein wird. Die Experten erklären: Darauf muss sich auch ein Warren Buffett (Investment-Legende aus den USA, Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway) einstellen. Bei der Auswahl der Aktien in diesem Sektor komme es weniger auf den eigenen Geschmack als auf Einfühlungsvermögen in anderen Kulturen an, um den Erfolg von Produkten und Unternehmen einschätzen zu können. Trinity aus Hongkong erfüllt diese Vorgabe, was sowohl für die Kunden als auch für die Aktionäre des Handelsunternehmens für hochqualitative Mode gilt. Trinity betreibt 392 Geschäfte vor allem in den Wachstumsregionen Südost-China, Hongkong, Macao und Taiwan. Die Citigroup erhöhte ihre Gewinnschätzung jüngst um elf Prozent, ihr Kursziel um 30 Prozent und ihre Einstufung für die Aktie von "Sell" auf "Buy". Die Bank begründet ihren Optimismus mit den Halbjahreszahlen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 924 Millionen Hongkong-Dollar und der Gewinn um 161 Prozent auf 147 Millionen Dollar. Der Vorstand erwartet für das zweite Halbjahr vorsorglich eine Normalisierung der Wachstumsraten. Das könnte ein prozentual zweistelliges Erlöswachstum auf einer vergleichbar großen Ladenfläche bedeuten. Europäische Wettbewerber, mit Ausnahme von Inditex, haben das schon seit vielen Jahren nicht mehr geschafft. Zudem möchte Trinity weitere Filialen eröffnen. Die Experten raten deshalb zum Einstieg über ein Stopp-Buy-Limit ab Notierungen von sieben Euro. Das Kursziel beträgt 8,30 Euro und der Stopp-Loss sollte bei fünf Euro gesetzt werden.

Der BetaFaktor: Wetten, dass ...?
Engelbert Hörmannsdorfer, Chefredakteur von BetaFaktor, rät, angesichts der in Gang gesetzten Preisspirale nicht auf dem eigenen Geld sitzen zu bleiben. Die Inflation hat seiner Ansicht nach schon begonnen. Die Geldentwertung beginnt, wenn die Geldmenge erhöht wird, ohne, dass die Wirtschaftleistung verhältnisgemäß mit wächst. Nach dieser Definition ist die Ausweitung der Geldmenge die eigentliche Inflation, während die nachfolgenden Preiserhöhungen für Seife, Nudeln oder DVD-Player nur das Symptom dieser erhöhten Geldmenge sind. Die Zentralbanken haben die Geldbasis drastisch ausgeweitet und "wir alle wissen, dass die Geldmenge ständig deutlich stärker steigt, als die Wirtschaft wächst". Immobilien und Mieten haben sich bereits verteuert, die Löhne dürften steigen und damit ist die Preisspirale in Gang. Das Geld sollte also ausgegeben oder angelegt werden und diesbezüglich hat sich Hörmannsdorfer den Glücksspielsektor betrachtet. Lobend erklärt er: "Eine der dreistesten deutschen Rechtsnormen, der Glücksspiel-Staatsvertrag, ist nun hochoffiziell nicht EU-konform. Die Richter am Europäischen Gerichtshof stellten fest: Grundsätzlich darf ein EU-Land sowohl den freien Dienstleistungsverkehr als auch die Niederlassungsfreiheit einschränken, wenn damit höhere Interessen der Allgemeinheit verfolgt werden. In diesem Fall ist das in Frage stehende Interesse die Bekämpfung der Spielsucht. Die Richter haben argumentiert: Wenn der Staat schon ein Monopol gesetzlich errichtet, dann muss er dafür sorgen, dass die Ausübung des Glücksspiels in einem engen Rahmen bleibt. Diese Vorgabe ist jedoch mit intensiven Werbekampagnen nicht vereinbar." Die Bundesregierung hat nun zwei Optionen: Sie kann am Monopol festhalten und dafür einen neuen Glücksspielstaatsvertrag ausformulieren und die Werbung für Lotto, Oddset und so weiter defacto beenden. Die Regierung kann das Monopol aber auch aufgeben. Die börsennotierten Glücksspiel-Unternehmen behalfen sich zwischenzeitlich mit diversen Lizenzen auf Gibraltar (wie etwa Bwin) oder boten ein Zweit-Lotto von Großbritannien aus an (wie etwa Tipp24), konnten dafür in Deutschland aber kaum Werbung machen. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes schossen die Kurse der Wettanbieter Bet-at-home, Jaxx, Bwin und Tipp24 nach oben. Nun wird aber interessant, wie diese Unternehmen auf das Urteil reagieren, wobei vor allem das Handeln von Tipp24 interessant sein wird. Tipp24 hat als Reaktion auf das Verbot der Vermittlung des offiziellen Lottos im Internet ein eigenes Lottospiel gegründet, das exakt den Regeln und Gewinnquoten des offiziellen, staatlichen Spiels folgt. Somit wurde Tipps24 vom Vermittler zum Veranstalter, und profitierte kostenlos von der Reputation des offiziellen Lotto. Die Gewinnspannen explodierten. Tipp24 profitierte also letztlich vom Glücksspiel-Staatsvertrag. Sollte Tipp24 wieder auf das Vermittler-Modell wechseln, sind die aktuell hohen Gewinne nicht mehr zu halten. In all dem Jubel sollten Anleger auch daran denken, dass natürlich viele neue Anbieter in den Markt kommen werden.
Änderung im Realdepot von BetaFaktor:
Engelbert Hörmannsdorfer, Verantwortlicher für das Realdepot, hat seine 2.200 Anteilscheine von Greater China Precision mit einem hohen Verlust verkauft.
Portfolio Exclusiv: Indus Holding kennt derzeit nur steigende Kurse
Die Aktie der Indus Holding ist seit dem Börsengang im Jahr 1995 aus fundamentaler Sicht günstig bewertet. Den Experten von Portfolio Exclusiv zufolge gilt diese Behauptung auch jetzt. Das KGV für das Jahr 2011 beträgt nur 9. Jüngst legte die Beteiligungsgesellschaft beeindruckende Halbjahreszahlen vor. In allen fünf Geschäftsbereichen ging es deutlich aufwärts und die Umsätze zogen in allen Portfolio-Gesellschaften kräftig an. Der Aktienkurs ist allerdings von den Niveaus aus dem Jahr 2006 bei 35 Euro weit entfernt. Seit dem Tief bei acht Euro hat sich ein relativ flacher aber intakter Aufwärtstrend ausgebildet. Bei Kursen von rund 20 Euro wartet allerdings ein kräftiger Widerstand. Da es derzeit keine Discount-Zertifikate oder Bonus-Zertifikate gibt, die eine attraktive Seitwärtsrendite ermöglichen, raten die Experten zum Kauf des endlos laufenden Mini-Future-Long-Zertifikates (WKN BN4 CF8) der Bank Vontobel auf die Indus Holding. Der Schein ist mit einer Basis bei 7,22 Euro, einer Knock-out-Schwelle bei 8,31 Euro und einem Hebel von derzeit 1,6 ausgestattet. Investoren sollten bei dem Schein aber spätestens bei einem Kurs von 20 Euro für die Aktie den Gewinn mitnehmen. Zudem bietet es sich an, die Position vor der Dividendenzahlung im Juli 2011 glattzustellen.
Änderungen im Umwelt-Aktien-Musterdepot von Portfolio Exclusiv:
Die Verantwortlichen für das Musterportfolio haben 75 Anteilscheine von Vossloh zu 81 Euro aufgenommen und bei 72 Euro abgesichert. Nun wollen sie noch 300 Aktien von Hain Celestial zu höchstens 24 Dollar sowie 1.200 Papiere von Sunopta zu maximal 5,50 Dollar einbuchen. Sollte nur eine Transaktion an einem Tag möglich sein, wird die andere sofort gestrichen.
Fuchs Kapitalanlagen: China Rare Earth bietet Seltene Erden in Tonnen
Die im Jahr 1987 gegründete Gesellschaft China Rare Earth fördert und verarbeitet bereits seit Jahren Seltene Erden aus Lagerstätten in der Volksrepublik und profitiert vom starken Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft. Die Produktionskapazität beläuft sich auf bis zu 6.500 Tonnen pro Jahr, wobei rund 80 Prozent der geförderten Rohstoffe in China verkauft werden. Die Experten von Fuchs Kapitalanlagen erklären weiter, zwei Drittel der Umsätze stammen aus dem Geschäft mit Seltenen Erden und der Rest aus dem Verkauf hitzebeständiger Materialien für Hochöfen und Kamine. Der Vorstand des Konzerns berichtete zuletzt über eine stark steigende Nachfrage und deutlich anziehende Preise. Gleichzeitig verteuerten sich aber auch die Rohmaterialien signifikant. Nach einem Verlust im Jahr 2008 und einer "schwarzen Null" im Jahr 2009 schätzen Analysten den Gewinn im laufenden Jahr auf 1,7 Euro-Cent je Aktie und im Jahr 2011 auf 2,5 Euro-Cent, was einem KGV für 2011 von 10 entspräche. Charttechnisch befindet sich die Aktie seit Anfang 2009 in einem stabilen Aufwärtstrend. Derzeit sollten allerdings Kursrücksetzer abgewartet werden. Die Experten raten zum Einstieg für höchstens 0,23 Euro je Aktie. Das Kursziel beträgt 0,31 Euro und der Stop-Loss sollte bei 0,19 Euro gesetzt werden.
Änderung im Musterdepot von Fuchs Kapitalanlagen:
Die Verantwortlichen für das Musterportfolio wollen 100 endlos laufende, börsengehandelte, besicherte Schuldverschreibungen (Exchange Traded Commodities, ETCs, WKN A1E K0G) der Deutschen Bank ETC Index Plc. auf Gold in Euro zu höchstens 102,50 Euro aufnehmen.
Der Hanseatische Börsendienst: Keine Kaufempfehlung
Die Experten des Hanseatischen Börsendienstes erklären, beinahe alle Analysten seien sich einig, dass die Aktie von BilfingerBerger viel zu billig ist. Die Börse hat nach dem U-Bahnbau-Desaster in Köln überreagiert, wie das bei derartigen, medienwirksamen Katastrophen sehr häufig zu beobachten ist. Die zunehmende Abkehr vom Baugeschäft hin zu den weniger zyklischen und zudem gewinnträchtigeren Dienstleistungen gefällt. Der Vorstand erwartet für das laufende Jahr einen Rekordgewinn von 250 Millionen Euro. Das KGV beträgt nur 10 und die Dividendenrendite mehr als vier Prozent. Solche Bewertungen genügen den Experten gewöhnlich zur Einstufung als "Value-Aktie". Dennoch kommt BilfingerBerger nicht in das Musterdepot und noch nicht einmal auf die Liste der klaren Kaufempfehlungen. BilfingerBerger ist ein typisches Beispiel für viele der großen Unternehmen aus dem DAX oder dem MDAX. Die Experten schreckt die niedrige Eigenkapitalquote von BilfingerBerger, die bei nur 19 Prozent liegt, wobei davon kaum etwas übrig bleibt, wenn die immateriellen Bestandteile unbeachtet bleiben. Zudem hat der Konzern mehr als vier Milliarden Euro Schulden. Bei den aktuell sehr niedrigen Zinsen drücken diese Verbindlichkeiten zwar kaum, doch die Experten sind sich sicher, dass die Zinsen jederzeit sprunghaft ansteigen können. Dann kommt der Wert echter Bilanzstärke zu tragen.
Änderungen im Musterdepot von Platow Derivate:
Die 8.000 Long-Zertifikate (WKN TB8 UPN) auf FMC sind mit einem Verlust von 27 Prozent zu 0,43 Euro ausgestoppt worden. Zudem haben die Verantwortlichen für das Musterportfolio ihre 7.500 Long-Zertifikate (WKN VT0 SDL) auf BMW mit einem Gewinn von 100 Prozent zu 0,90 Euro ausgebucht.
Änderungen in einem Musterdepot des Anlegerbriefes performaxx:
Die Verantwortlichen für das langfristig ausgerichtete Musterportfolio haben ihre 12.000 Anteilscheine von Lobeck Medical mit einem Verlust von 51 Prozent zu 0,23 Euro ausgebucht.
Die zehn aussichtsreichsten, interessantesten oder innovativsten Anlagetipps der "Börsenwelt" sind - ausschließlich - im wöchentlich erscheinenden "Börsenwelt Börsenbrief" zu finden.