Werner Sperber
Der Frankfurter Börsenbrief greift das Thema "Seltene Erden" mit einem Derivat auf. Das Zertifikatejournal rät zum Mitspielen im "Facebook-Fieber" und hat ein entsprechendes Papier parat. Outperformer.de rät zum Kauf von Tomorrow Focus, weil das Unternehmen weiter zukaufen dürfte. Fuchs Kapitalanlagen beschäftigt sich mit dem Börsengang des Formel-1-Rennstalls Williams Grand Prix. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots beziehungsweise ein neues Musterportfolio.
Börsenwelt Presseschau: Die Experten des Frankfurter Börsenbriefes beschäftigen sich erneut mit dem Thema "Seltene Erden", nachdem die Volksrepublik China in der inneren Mongolei anscheinend ein Zwischenlager für 39.800 Tonnen dieser insgesamt 17 verschiedenen Metalle der Seltenen Erden (Seltenerdmetalle, Rare Earth), wie sie korrekt heißen, bauen will. Dieser Schritt zur Sicherung der eigenen Produktion durch den Aufbau strategischer Reserven ist logisch und konsequent, nachdem China die Ausfuhren in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgefahren hatte. Derzeit produziert China rund 90 Prozent der Seltenen Erden und könnte den Export bald komplett verbieten. Seltene Erden sind vor allem für die Hightech und Automobil-Industrie in der Produktion unabdingbar. Wie schnell die neuen Minen in Australien oder den USA die Produktion (wieder) aufnehmen werden, ist derzeit noch unklar. Anleger können deshalb über neue Engagements in Molycorp oder Lynas nachdenken. Da bei keinen/keinem anderen Rohstoff(en) die Versorgungslage so ungewiss ist wie bei Seltenen Erden, und da auch andere Staaten Lagerstätten aufbauen dürften, empfehlen die Experten den Einstieg in das am 11. Dezember 2015 fällige Zertifikat (WKN SG1 YRE) der Société Générale Acceptance NV auf einen Aktienkorb von 14 Unternehmen, welche sich mit Seltenen Erden beschäftigen. Der Kauf sollte ab einem Kurs von 145,80 Euro mit einem Kursziel von 175 Euro und einem Stopp-Loss bei 133 Euro erfolgen.

Das Zertifikatejournal: Im Facebook-Sog nach oben
Sogenannte "Soziale Netzwerke" im Internet, wie etwa Facebook, mobilisieren Massen, etwa zu sogenannten "Flash Mobs", um Bahnhöfe oder andere öffentliche Räume kurzfristig mit Aktionskunst zu besetzen. Politisch motivierte vernetzte Massen sorgen derzeit in Tunesien und Ägypten oder in Deutschland zum Thema unterirdischer Bahnhof "Stuttgart 21" für Bewegung. Die Ursprungsidee sozialer Netzwerke war es, mit Bekannten auch über weite Entfernungen leichter Kontakt zu halten und neue Freundschaften zu schließen. Vorreiter ist eben Facebook. Das Unternehmen ist vor sieben Jahren online gegangen und ist mit mittlerweile mehr als 600 Millionen Mitgliedern das größte soziale Netzwerk der Welt. Facebook plant, im nächsten Jahr an die Börse zu gehen. Aufgrund der bislang bezahlten Preise für Beteiligungen an Facebook kommt das Unternehmen auf einen virtuellen Börsenwert von 50 Milliarden Dollar, was dem realen Börsenwert von Adidas, Beiersdorf und ThyssenKrupp zusammen entspricht. Die Experten des Zertifikatejournals weisen darauf hin, dass die französische Bank Société Générale seit kurzem ein Zertifikat anbietet, mit dem Anleger auf den Hype um soziale Netzwerke setzen können. Dieses Papier ist das endlos laufende, nicht währungsgesicherte Zertifikat (WKN SG1 0SN) auf den Index Solactive Social Networks (SONIX) des Indexanbieters Structured Solutions. Die Zusammensetzung sieht derzeit folgendermaßen aus: Die chinesische Tencent Holding, die Global Depository Receipt (GDRs) der russischen Mail.ru Group, die japanischen Dena Co Ltd. und GreeInc. werden jeweils mit 20 Prozent gewichtet. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich mit 7,3 Prozent auf die japanische Mixi Inc., 5,5 Prozent auf die US-amerikanische United Online Inc., 4,3 Prozent auf die französische Meetic und drei Prozent auf die deutsche Xing AG. Der Rundungsfehler beträgt 0,1 Prozent. Damit enthält der SONIX die nach Börsenwert acht größten Unternehmen, zu deren Hauptgeschäft soziale Netzwerke zählen. Die Zusammenstellung und Gewichtung der Indexmitglieder erfolgt halbjährlich, wobei das Gewicht mindestens drei Prozent und höchstens 20 Prozent betragen muss beziehungsweise darf. Tencent ist nach Angaben des Marktforschungsinstituts iResearch mit einem Anteil von 31 Prozent der Branchenprimus im chinesischen Online-Spiele-Markt. Mail.ru ist Russlands größter Internetkonzern und hält unter anderem Beteiligungen am Netzwerk vkontakte.ru, am Chatprogramm ICQ und vor allem an Facebook. Für die fünfprozentige Beteiligung an Facebook bezahlte Mail.ru 400 Millionen Dollar. Dena und Gree gehören mit Mixi zu den größten japanischen sozialen Netzwerken. United Online ist in Europa mit dem Portal StayFriends bekannt. Meetic betreibt in Europa verschiedene Kontakt- und Single-Chat-Webseiten, in Deutschland zum Beispiel neu.de. Xing unterhält das gleichnamige Netzwerk für Geschäft, Job und Karriere mit weltweit mehr als zehn Millionen Nutzern. Nicht alle sozialen Netzwerke sind gleichermaßen erfolgreich. Das schlägt sich auch auf den Kursverlauf nieder. Während etwa Xing seit dem Sommer 2010 kräftig zugelegt hat, entwickelte sich Meetic schwach. Der SONIX greift einen Trend auf, der die Massen bewegt. Ob sich die heutigen Anbieter allerdings langfristig durchsetzen können, steht jetzt noch nicht fest. Daher ist eine möglichst breite Diversifikation auf die Branchengrößen wichtig. Bis zum Börsengang von Facebook in 2012 sollte das Interesse steigen - und damit die Kurse der bereits börsennotierten Wettbewerber. Nach Ansicht der Experten ist das Zertifikat nicht teuer. Die Managementgebühr von einem Prozent ist vor dem Hintergrund der regelmäßigen Anpassung akzeptabel, da die Dividenden im Gegenzug angerechnet werden. Wer bis zum Börsengang von Facebook an diesem Trend teilhaben möchte, sollte das Papier kaufen.
Outperformer.de: Fokus auf Morgen bei Tomorrow Focus
Nach vorläufigen Zahlen ist das Jahr 2010 für Tomorrow Focus trotz zahlreicher Abschreibungen wohl ziemlich gut gelaufen. Analysten schätzen den Umsatz auf rund 124 Millionen Euro und das EBIT auf 11,8 Millionen Euro. Das Unternehmen bietet beispielsweise das Ärzte-Portal Jameda, Finanzen100, das Dating-Portal ElitePartner.de oder das Reise- und Hotelbewertungs-Portal HolidayCheck.de an. Vorstandsvorsitzender Stefan Winners ließ im Gespräch mit den Experten von Outperformer.de durchblicken, dass auch der Start ins Jahr 2011 sehr erfolgreich war. Bei der Vermarktung von Internet-Werbung ist der Konzern nun der zweitgrößte in Deutschland und Winners will die erfolgreichen Portale ausbauen und weiter internationalisieren. Winners prognostiziert für das Jahr 2015 Erlöse von 250 Millionen Euro und ein EBIT von 30 bis 40 Millionen Euro, was nach Ansicht der Experten sehr wohl möglich ist. Winners hat schließlich die ehrgeizigen Ziele, welche er bei seinem Antritt als Konzernchef vor fünf Jahren gesteckt hat, deutlich übertroffen. Um Zukaufen zu können, will Winners demnächst Schuldscheindarlehen in Höhe von 30 bis 40 Millionen Euro aufnehmen. Die erhöhten Marketing-Aufwendungen bezahlt er aus dem Cashflow. Dementsprechend schätzen Analysten den Umsatz im Jahr 2011 auf bis zu 150 Millionen Euro, das EBIT auf 16 bis 18,6 Millionen Euro und den Gewinn je Aktie auf mehr als 0,20 Euro je Aktie. Der tatsächliche Wert von Tomorrow Focus liegt allerdings in den Beteiligungen. Analysten schätzen den Wert von HolidayCheck auf 300 bis 400 Millionen Euro. Tomorrow Focus hält daran 94 Prozent. Somit ist alleine der Wert von HolidayCheck höher als die Marktkapitalisierung von Tomorrow Focus. Zudem dürfte Tomorrow Focus in diesem Jahr erstmals eine Dividende ausschütten. Aktuell dürfte der Aktienkurs nach der Rallye etwas verschnaufen, doch Nachrichten über weitere Zukäufe sollten die Notierung in den nächsten Monaten weiter nach oben bewegen. Seit Wochen herrscht Kaufdruck und charttechnisch scheint die Aktie eine fast siebenjährige Seitwärtsbewegung nach oben hin aufzulösen. Mit einem nachhaltigen Anstieg auf Kurse oberhalb der Marke von 4,44 Euro, also dem Hoch aus dem Jahr 2010, sind schnell Notierungen von bis zu neun Euro und langfristig von bis zu 14,50 Euro möglich. Rücksetzer sollten 3,75 bis 3,90 Euro möglichst nicht nachhaltig unterschreiten, um eine Korrektur bis 3,30 und gegebenenfalls bis 2,76 Euro zu verhindern. Die Experten raten zum Kauf mit einem Kursziel von 6,50 Euro und einem Stoppkurs bei 3,70 Euro.
Fuchs Kapitalanlagen: Nach einem Blitzstart droht Williams ein Börsenmotorplatzer
Seit Mittwoch, 9. Februar, können erstmals Aktien eines Formel-1-Rennstalls gezeichnet werden. Die Williams Grand Prix Holding bietet in Deutschland, Großbritannien, Österreich, der Schweiz, den USA, Kanada, Japan und Australien insgesamt 2,739 Millionen neue Aktien (ISIN DE000A1H6VM4) zuzüglich einer Mehrzuteilungsoption von weiteren 330.000 Anteilscheinen zu 24 bis 29 Euro zum Kauf an. Die Aktien sollen im Entry Standard der Frankfurter Börse geführt werden. Die Experten von Fuchs Kapitalanlagen gehen davon aus, dass Williams ohne Probleme an die Börse gehen und kurzfristig wohl Kursgewinne erreichen wird. Langfristig jedoch sind hohe Gewinne jedoch zweifelhaft, denn einerseits ist das Formel-1-Geschäft sehr riskant und die Kurse dürften mit dem Erfolg oder Misserfolg der Formel-1-Piloten stark schwanken. Zum anderen hängt der Erfolg von Williams Grand Prix Holding stark von Sponsoren ab, welche bereit sind, mehr oder weniger zu bezahlen, wenn die Autos von Williams eben weiter vorne oder weiter hinten durchs Ziel fahren. Den Erfolg der Fahrer abzuschätzen ist ebensowenig seriös einzuschätzen wie der Erfolg beim Einwerben von Sponsorengeld in Millionenhöhe. Die Formel-1-Saison 2011 hat Williams zwar finanziert bekommen, doch erst Ende des Jahres 2010 hat Williams drei Sponsoren verloren. Dass Williams drei wirtschaftlich erfolgreiche Jahre vorweisen kann, ändert nichts an der Tatsache, dass der Erfolg im Sport und bei der Beschaffung von Geld langfristig ein hohes ökonomisches Risiko darstellt. Die Williams-Aktie ist also eine typische Sport-Aktie mit sehr hohen langfristigen Risiken und eher eine Liebhaberei als ein ernsthaftes Value-Investment.
Änderungen in den Musterdepots von Platow Derivate:
Die 4.000 Put-Optionsscheine (WKN DB8 6FT) auf ThyssenKrupp, die 7.500 Short-Zertifikate (WKN VT0 4C9) auf Beiersdorf, die 850 Short-Zertifikate (WKN BC1 AUE) auf den DAX, die 2.350 Short-Zertifikate (WKN VT0 3Q5) auf Infineon Technologies und die 500 Bear-Zertifikate (WKN CM7 U7X) auf Silber sind jeweils mit prozentual zweistelligem Verlust ausgestoppt worden. Dafür haben die Verantwortlichen für das Musterportfolio 130 Alpha-Zertifikate (WKN GS4 HWT) auf eine bessere Preisentwicklung von WTI-Öl als Brent-Öl zu 69,92 Euro aufgenommen und bei 59,50 Euro abgesichert und 560 Long-Zertifikate (WKN BC1 GJL) auf das Währungspaar Australischer Dollar/US-Dollar zu 9,74 Euro eingebucht und den Stoppkurs bei 7,30 Euro gesetzt. Schließlich haben die Verantwortlichen 450 Short-Zertifikate (WKN SG1 Z3K) auf den US-T-Bond zu 6,41 Euro ins Musterdepot genommen und den Stopp-Loss bei 4,85 Euro platziert. Von diesen Short-Zertifikaten sollen weitere 430 Stück zu höchstens 6,10 Euro aufgenommen werden.
Die Experten von Platow Derivate haben in Zusammenarbeit mit der DZ Bank am 7. Februar ein neues Musterportfolio mit einem virtuellen Startkapital von 100.000 Euro aufgelegt. Dieses Musterdepot wird ausschließlich mit Alpha-Zertifikaten der DZ Bank bestückt und ist von der generellen Entwicklung an der Börse unabhängig. Denn bei den Alpha-Zertifikaten werden zwei Basiswerte miteinander verglichen und auf eine bessere oder schlechtere Wertentwicklung des einen Basiswertes gesetzt. Das bedeutet am Beispiel eines Long-Zertifikates, selbst wenn der Basiswert, der eine bessere Performance haben soll, zehn Prozent Kursverluste vorweist, steigt das Zertifikat im Wert, wenn der Aktienkurs des zweiten Basiswertes beispielsweise 15 Prozent sinkt, also sich schlechter entwickelt als der erste Basiswert. Bei einem Short-Zertifikat gilt das gleiche, nur sind die Vorzeichen umgekehrt. Allerdings werden alle Alpha-Turbo-Zertifikate ausgeknockt, wenn der Kurs die Marke von 0,10 Euro erreicht oder unterschreitet. Die Verantwortlichen für das Musterportfolio wollen aufgrund der Unabhängigkeit von der Marktentwicklung auf Dauer einen möglichst geringen Barwert halten. Mögliche Kandidaten für künftige Out- und Underperformer, also mögliche Musterdepottitel, filtern die Verantwortlichen anhand eines selbst entwickelten dreistufigen Modells heraus. Dabei betrachten sie die absolute Trendstärke der Aktien sowie das Ranking im Vergleich zum DAX jeweils auf verschiedenen Zeitebenen, um anhand der Ratio-Charts die endgültige Auswahl zu treffen. Die ersten Aufnahmen in das Musterportfolio sind 3.000 Alpha-Long-Zertifikate (WKN DZ2 N03) auf eine bessere Entwicklung des Aktienkurses von Stada im Vergleich zum DAX (Einstandskurs 1,37 Euro, Stopp-Loss bei 0,88 Euro), 3.400 Alpha-Short-Zertifikate (WKN DZ0 CPB) auf eine schwächere Performance der Aktie von Puma im Vergleich zum DAX (Einstandskurs 1,86 Euro, Stoppkurs bei 1,43 Euro) sowie 1.800 Alpha-Short-Zertifikate (WKN DZ2 N3D) auf eine schlechtere Performance von MAN als der DAX (Einstandskurs 2,47 Euro, Absicherung bei 1,65 Euro). Nun wollen sie noch 3.100 Alpha-Long-Zertifikate (WKN DZ0 CM1) zu höchstens 0,80 Euro auf die bessere Entwicklung der Münchener Rück als der DAX aufnehmen.
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