Werner Sperber
Der Frankfurter Börsenbrief erkennt eine Verdopplungschance bei Praktiker. Die Prior Börse beschäftigt sich mit Derby Cycle und der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG. Platow Derivate freut sich über das Kurssteigerungspotenzial von SGL Carbon und stellt ein passendes Zertifikat vor. Für Fuchs Kapitalanlagen sind "Seltene Erden" selten. Davon sollten Aktionäre von Molycorp profitieren. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots.
Börsenwelt Presseschau: Die Experten des Frankfurter Börsenbriefes vermuten, dass die Verkäufe der Aktie der Praktiker AG weniger werden. Die Handelsumsätze sind deutlich zurückgegangen und der Kurs hat sich stabilisiert. Jetzt wird es spannend, denn allein eine technische Erholung bedeutet eine Verdoppelungsmöglichkeit. Fundamental spricht nichts für das Unternehmen, denn Praktiker hat ein Billig-Image und deswegen wenig Ansehen. Zudem hat der Konzern Schwierigkeiten im internationalen Geschäft. Mittlerweile ist sogar die einst hohe Eigenkapitalquote zum 30. Juni auf 25,3 Prozent abgesackt. Allerdings ist das Eigenkapital von 509 Millionen Euro noch immer dreieinhalb mal so hoch wie der Börsenwert. Der Vorstand von Praktiker möchte das Online-Geschäft erhöhen und das Marketing ändern. Für den Konzernumbau wird Geld gebraucht, was Kapitalmaßnahmen nötig machen könnte. Der aktuelle Kurs macht solche Maßnahmen allerdings eher uninteressant. Zudem müsste der Vorstand auch eine glaubwürdige Perspektive für das Unternehmen mit einem Turnaround aufzeigen. Risikobereite Anleger sollten deshalb demnächst einzig auf eine technische Erholung mit Verdopplungspotenzial spekulieren.

Die Prior Börse: MIFA hat Derby-Rückenwind
Das niederländische Fahrrad-Unternehmen Accell ist mit mehr als 22 Prozent am deutschen Wettbewerber und heimischen Marktführer Derby Cycle eingestiegen. Vorstandsvorsitzender Mathias Seidler besitzt acht Prozent an Derby Cycle. Nach Ansicht der Experten der Prior Börse befürchtete Seidler, dass er bei einer Übernahme seinen Posten verlieren würde. Deshalb suchte er Hilfe bei der im Familienbesitz befindlichen Pon Holding, dem größten niederländischen Automobil-Händler. Pon ist kürzlich mit dem Kauf der niederländischen Fahrradmarke Gazelle in diesen Markt eingestiegen und bereit, die Mehrheit an Derby Cycle zu übernehmen. Pon bietet 28 Euro je Aktie, was einer Bewertung von Derby Cycle von 210 Millionen Euro entspricht. Es stelle sich die Frage, ob Accell doch noch ein Gegenangebot abgibt. Der Hype um die Fahrräder mit Elektromotor lässt Derby Cycle schließlich interessant erscheinen. Seidler prognostiziert für das Gesamtjahr 2011 einen Umsatzanstieg von 35 Prozent auf 230 Millionen Euro. Die Experten schätzen den Gewinn auf zwölf Millionen Euro. Bei einem Kurs von 28 Euro entspräche das einem KGV von 18. Das erscheint zwar ambitioniert, doch die Fahrrad-Branche kommt jetzt erst richtig in Schwung. Dabei steigt auch der Aktienkurs des Wettbewerbers MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG. Das KGV für die MIFA für das laufende Jahr beträgt allerdings lediglich 7. Wer bei Derby Cycle investiert ist, kann die Entwicklung abwarten. Der Kauf von MIFA ist weiter empfehlenswert.
Platow Derivate: Kurz mal bei SGL Long gehen
Der Aktienkurs der SGL Group hat den Widerstand bei 37 Euro überwunden. Das nächste Kursziel ist das Jahreshoch bei 41 Euro. Um diese Chance zu nutzen, empfehlen die Experten von Platow Derivate risikobereiten Anlegern den Kauf des endlos laufenden Long-Zertifikates (WKN MQ4 DE6) von Macquarie auf SGL Carbon. Der Schein ist mit einer Basis bei 31,30 Euro, einer Knock-out-Schwelle bei 33,18 Euro und einem Hebel von derzeit 5,5 ausgestattet.
Änderungen in den Musterdepots von Platow Derivate:
Im Derivate-Musterportfolio sind die 1.000 Long-Zertifikate (WKN AA1 7DV) auf Platin, die 700 Long-Zertifikate (WKN TB6 YWK) auf Südzucker und die 5.000 Short-Zertifikate (WKN TB6 53Q) auf die Deutsche Bank sind jeweils mit Verlust ausgestoppt worden. Die Verantwortlichen haben dafür aufgenommen: 3.500 Long-Zertifikate (WKN MQ4 DE6) auf SGL Carbon zu 0,70 Euro (Stoppkurs bei 0,51 Euro), 420 Short-Zertifikate (WKN BC1 UTQ) auf den DAX zu 10,45 Euro (Stoppkurs bei 10,20 Euro), 2.000 Bear-Zertifikate (WKN CK2 CRW) auf Praktiker zu 0,99 Euro (Stoppkurs bei 0,49 Euro), 190 Long-Zertifikate (WKN CG2 QY7) auf Gold zu 24,58 Euro (Stoppkurs bei 17,50 Euro), 4.700 Short-Zertifikate (WKN VT2 RY9) auf ThyssenKrupp zu 0,59 Euro (Stoppkurs bei 0,38 Euro) und 7.000 Short-Zertifikate (WKN DZ5 XWZ) auf die Aareal Bank zu 0,41 Euro (Stoppkurs bei 0,27 Euro). Die Verantwortlichen für das Alpha-Turbo-Musterdepot gehen davon aus, dass sich die Vorzugsaktie von Fuchs Petrolub besser entwickkeln wird als der DAX. Deshalb haben sie 3.300 Alpha-Turbo-Long-Zertifikate (WKN DZ2 SMU) auf das Paar Fuchs Petrolub/DAX zu 1,34 Euro aufgenommen und bei 0,85 Euro abgesichert. Zudem haben sie ebenfalls 3.300 Alpha-Long-Zertifikate (WKN DZ2 SJT) auf das Paar Linde/DAX zu 1,98 Euro eingebucht und den Stoppkurs bei 1,55 Euro gesetzt.
Fuchs Kapitalanlagen: Molycorp mischt den Markt auf
An den Finanzmärkten wird immer wieder einmal befürchtet, es könnten zuviel sogenannte "Seltenen Erden" gefördert werden. Doch bislang scheint diese Sorge unbegründet. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt, dass sich die weltweite Nachfrage nach diesen Metallen in den kommenden zehn Jahren mindestens verdoppeln wird. Tatsächlich leiden die Märkte bislang unter einer zu geringen Versorgung. Die Preise der Seltenen Erden steigen. Die Volksrepublik China beherrscht den Markt zu 95 Prozent und schränkt die Ausfuhr dieser für Hochtechnologie dringend benötigten Rohstoffe immer weiter ein. Die chinesische Regierung lässt immer mehr illegale Minen in China schließen. Zudem wird erfahrungsgemäß ein großer Teil der Explorationsprojekte außerhalb Chinas scheitern. Der US-amerikanische Konzern Molycorp fördert bereits und möchte einen Weltmarktanteil von 15 Prozent erreichen. Die Experten von Fuchs Kapitalanlagen erkennen aufgrund der chinesischen Export-Beschränkungen beinahe eine Absatz-Garantie für die Produktion von Molycorp. Das wichtigste Projekt von Molycorp ist die wieder aktivierte Mine Mountain Pass im US-Staat Kalifornien. Bis Ende kommenden Jahres möchte Molycorp die Fördermenge auf 19.000 Jahres-Tonnen erhöhen. Die beiden Minen im US-Staat Arizona und in Estland liefern bisher insgesamt 40 Prozent der Gesamtproduktion. Molycorp plant hochreine Seltene-Erden-Oxide zu veredeln und Legierungen bis hin zu so genannten Permanent-Magneten zu produzieren. Das Management lässt die dazu notwendigen Weiterverarbeitungskapazitäten aufbauen. Im ersten Quartal 2011 erlöste Molycorp knapp 20 Millionen Euro aus dem Verkauf der Seltenen Erden. Im zweiten Quartal belief sich der Umsatz auf den Rekordwert von 72 Millionen Euro. Dabei verdiente das Unternehmen 0,38 Euro je Aktie. Auf Basis der Produktionsziele dürfte der Gewinn pro Anteil im Gesamtjahr rund 1,45 Euro erreichen, was ein KGV von 20 bedeuten würde. Da die Preise für Seltene Erden weiter steigen und Molycorp die Fördermenge erhöhen dürfte, sollte sich das KGV im nächsten Jahr halbieren. Risikobereite Anleger sollten deshalb mit einem Kursziel von 37,05 Euro einsteigen. Der Stoppkurs sollte bei 24,23 Euro gesetzt werden.
Die zehn aussichtsreichsten, interessantesten oder innovativsten Anlagetipps der "Börsenwelt" sind - ausschließlich - im wöchentlich erscheinenden "Börsenwelt Börsenbrief" zu finden.