Werner Sperber
ÖkoInvest beschäftigt sich mit dem Riesen-Börsengang von Enel Green Power. Die Platow Börse freut sich über das Jahreshoch von Siemens. Focus Money fährt auf Vinci ab. Der CdC Aktiensnapshot hofft auf die neuen Produkte von Vectron Systems. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots.
Börsenwelt Presseschau: Die Experten von ÖkoInvest würden für eine Aktie von Enel Green Power (kurz EGP, ISIN IT0004618465 / WKN A1C 5AT) nicht mehr als 1,75 Euro ausgeben. Bis zum Freitag, 29. Oktober, bietet die Muttergesellschaft Enel 1,4 Milliarden der insgesamt fünf Milliarden Anteilscheine aber noch für 1,80 bis 2,10 Euro zur Zeichnung an. EGP würde damit einen Börsenwert von neun bis 10,5 Milliarden Euro erreichen. Die Experten raten dazu, nicht zu zeichnen und das für den 4. November geplante Listing der Aktien abzuwarten. Der italienische Energieversorgungskonzern Enel hat vor eineinhalb Jahren die Aktivitäten auf dem Feld der erneuerbaren Energien in der neuen Sparte EGP gebündelt. Nach teuren Zukäufen ist Enel mit Verbindlichkeiten von knapp 54 Milliarden Euro das am höchsten verschuldete Energieunternehmen in Europa. Vorstandsvorsitzender Fulvio Conti will die Schulden bis zum Jahresende allerdings auf 45 Milliarden Euro drücken. Dafür will er auch den gesamten, auf 2,9 Milliarden Euro geschätzten Erlös des IPOs von EGP verwenden. Dafür loben die Experten, dass er EGP vergleichsweise wenige Schulden mitgeben möchte. Bis zum Jahr 2012 soll das Fremdkapital noch aufgestockt werden aber auf nicht mehr als 4,3 Milliarden Euro. Der Umsatz von EGP ist im Jahr 2009 um drei Prozent auf 1,73 Milliarden Euro gesunken. Das operative Ergebnis legte allerdings um 8,5 Prozent auf 791 Millionen Euro zu. Aus steuerlichen Gründen verringerte sich der Nettogewinn um 47,4 Prozent auf 439 Millionen Euro. EGP soll künftig 30 Prozent des Gewinns als Dividende ausschütten, was Investoren anlocken soll. EGP-Vorstandsvorsitzender Francesco Starace sieht einen Heimvorteil auf dem italienischen Markt, da EGP die immer aufwändiger gewordene Bürokratie kennt. EGP will aber auch in den USA stark wachsen.
Die Experten sehen zudem die Aktie von Studio Babelsberg als wieder günstig bewertet an. Das im Jahr 1912 gegründete Unternehmen aus Potsdam produziert mit rund 90 Beschäftigten Kino- und Fernsehfilme sowie Werbefilme.

Die Platow Börse: Siemens hat es geschafft
Der Aktienkurs von Siemens hat den starken Widerstand bei knapp 80 Euro in einem freundlichen Börsenumfeld überwunden und ein Jahreshoch erreicht. Dazu hat auch der operative Ausblick des Finanzvorstandes Joe Kaeser Ende September beigetragen. Zwar nannte Kaeser unter anderem wegen der Wertberichtigung von 1,4 Milliarden Euro in den Sparte Diagnostik kein Ziel für den Nettogewinn im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10. Analysten schätzen diesen Ertrag auf 4,8 Milliarden Euro. Dafür erklärte der Finanzvorstand, dass im dritten Fiskal-Quartal der Wert der Bestellungen in den Kernsparten Industry, Energy und Healthcare höher war, als ein Jahr zuvor. Damit legte das Volumen der Auftragseingänge erstmals seit dem dritten Quartal 2008 wieder zu. Zudem sorgen die Abspaltung des IT-Geschäfts und das Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia im laufenden Wirtschaftsjahr für Turnaround-Fantasien. Charttechnisch unterstützen nun die ehemalige Widerstandsmarke und die aufwärts gerichtete 200-Tage-Linie. Die Experten der Platow Börse empfehlen zyklisch handelnden Anlegern, die Aktie zu kaufen, die mit einem KGV von 13 für das Geschäftsjahr 2010/11 bewertet wird. Der Stoppkurs sollte bei 66 Euro gesetzt werden.
Focus Money: Vinci bricht durch die Mauer
Vinci ist ein 111 Jahre altes, französisches Bau- und Konzessionsunternehmen. Vinci plant, finanziert und realisiert Bauvorhaben, wie etwa auch große staatliche Infrastrukturprojekte. Bei Tunneln und Brücken ist Vinci mit führend und mit mehr als 4.000 Kilometern Maut-Strecke ist der Konzern Europas größter Autobahnbetreiber. Der Vorstand erwartet für das Gesamtjahr 2010 einen Umsatzanstieg von fünf Prozent. Die Experten von Focus Money schätzen den Gewinn je Aktie für dieses und nächstes Jahr auf 3,18 beziehungsweise 3,21 Euro, was KGVs von 12 entspräche. Die Dividendenrendite dürfte 4,1 und 4,3 Prozent betragen. Charttechnisch sollte der Aktienkurs die Hürde bei 40 Euro überwinden. Die Experten raten in diesem Fall zum Kauf bis zu Notierungen von 41 Euro und mit einem Kursziel von 50 Euro. Der Stopp-Loss sollte bei 35,80 Euro platziert werden.
Änderungen in den Musterdepots im Börsenspiel von Focus Money:
Eberhard Rohe, Verantwortlicher für das Musterportfolio der DAB Bank im Börsenspiel von Focus Money, hat 1.070 Anteilscheine von Cancom IT Systeme zu 7,40 Euro aufgenommen. Manuel Hölzle, zuständig für das Musterdepot der GBC AG, hat 1.080 seiner 3.080 Aktien von Balda mit einem Gewinn von 101 Prozent zu 6,99 Euro ausgebucht. Nun will er sich noch von weiteren 500 Stück der verblieben 2.000 Balda-Aktien trennen. Außerdem beabsichtigt Hölzle 400 seiner 1.700 Papiere von Greiffenberger zu mindestens neun Euro auszubuchen.
Der CdC Aktiensnapshot: Vectron folgt dem Wachstums-Vektor
Die im Jahr 1990 gegründete Vectron Systems AG ist mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 60 Prozent finanziell solide aufgestellt. Selbst im Rezessionsjahr 2009 erwirtschaftete das Unternehmen einen positiven Free Cashflow. Im laufenden Jahr hat sich die Geschäftslage zwar deutlich erholt, doch Vectron Systems verdient noch etwas weniger als vor der Krise. Im kommenden Jahr dürfte der Konzern nach Ansicht der Experten des CdC Aktiensnapshot aufgrund der Markteinführung neuer Modelle weiter wachsen. Vectron Systems ist auf intelligente Kassensysteme sowie Kommunikations-Software zur Vernetzung von Filialbetrieben spezialisiert. Dabei verwendet Vectron, anders als andere Anbieter, eine einheitliche Software für alle verfügbaren Modellvarianten, die zugleich für alle Branchen geeignet sind. Neben Hard- und Software vertreibt Vectron verschiedene Peripheriegeräte wie etwa Drucker, Scanner oder Ausschankkontrollsysteme. Der Export trägt 37 Prozent zum Umsatz bei. Eigenen Angaben zufolge ist Vectron in Deutschland Marktführer in der Gastronomie sowie im Bäckereiumfeld. Der Markt für Kassensysteme gilt als gesättigt und ist durch mehrere große und eine Vielzahl kleinerer Wettbewerber gekennzeichnet. In diesem Umfeld geht Vectron davon aus, dass vor allem die Markteinführung neuartiger und hochwertiger Produkte weiteres Wachstum ermöglicht. Vectron will deshalb die dauerhafte Technologieführerschaft für komplexe Kassensysteminstallationen erreichen und behalten. Im Jahr 2011 soll die Modellpalette schrittweise erneuert und mit zwei mobilen Kassensystemen ergänzt werden. Mit der Markterholung und dem von Vectron eingeführten Leasing-Angebot verbesserte sich die Geschäftslage im laufenden Jahr spürbar. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten 2010 um elf Prozent auf 17 Millionen Euro. Das EBIT legte im Jahresvergleich um ein Drittel auf 0,8 Millionen Euro zu.
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