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Börsenwelt Presseschau: Bayer, Deutsche Bank, Agrarrohstoff-Rallye und Klöckner & Co unter der Lupe

Werner Sperber

Die Actien-Börse widmet sich konzentriert dem Konzentrationsprozess der europäischen Chemiebranche und Bayer. Platow Derivate glaubt zumindest an eine Zwischenerholung der Deutschen Bank und hat ein passendes Zertifikat bei der Hand. Portfolio Exclusiv bittet alle mit verschiedenen Derivaten zum mitmachen bei der Agrarrohstoff-Rallye. Fuchs Kapitalanlagen sieht Handelschancen bei dem Stahlhandelskonzern Klöckner und Co. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots.


Börsenwelt Presseschau: Die Experten der Actien-Börse erklären, dass sie sich auf Insiderkenntnisse aus zwei Chemie-Konzernen beziehen, die sich daran orientieren, was in den Firmen gedacht und von den Techniker als möglich erachtet wird, aber schwierig zu entscheiden ist. Denn es spielen nationale Interessen und auch typische wissenschaftliche Interessenskollisionen eine Rolle. Die Experten gehen davon aus, dass die Chemiebranche in Europa vor einer neuen Konzentrationswelle steht. Dr. Marijn Dekkers, der neue Vorstandsvorsitzende von Bayer, kommt nicht aus dem Konzern mit Sitz in Leverkusen und er ist international erfahren, was bei Bayer neu ist. Bayer kann mit einer zielsicheren Strategie einen Jahresumsatz von 50 Milliarden Euro erreichen, nachdem das Wachstum in den vergangenen zehn Jahren bescheiden oder blamabel gewesen ist. Die Frage ist, ob Bayer alle drei Sparten (MaterialScience, CropScience und Pharma) ausbaut oder ein Segment verkauft und sich mit dem Erlös auf die beiden verbliebenen Bereiche konzentriert. Bayer steht mit den niederländischen Konzernen Akzo Nobel und DSM in einer Art niederrheinischem Dreieck, wobei beide Firmen brauchbare Partner sind. Allerdings müssten nach Ansicht der Experten bei einem Zusammenschluss mehr als ein Drittel der Umsätze des neuen Konzerns verkauft werden. Bei Bayer sollen zirka 60 Prozent des Akzo-Nobel-Jahresumsatzes von 14 Milliarden Euro für integrationsfähig gehalten werden. Die Experten beziffern den Marktwert der Bayer-Sparte MaterialScience auf etwa sieben Milliarden Euro, das Segment CropScience dürfte 12 bis 13 Milliarden Euro wert sein und das Pharma-Geschäft 30 bis 32 Milliarden Euro, was insgesamt 49 bis 52 Milliarden Euro ergibt. Der Börsenwert von Bayer beträgt bei einem Aktienkurs von 56 Euro aber nur 46,3 Milliarden Euro. Die Experten raten deshalb zum Kauf der Bayer-Aktie mit einem Kursziel von 70 Euro.


Platow Derivate: Die Deutsche Bank schafft mindestens eine Erholung  

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist innerhalb von zwei Monaten um 25 Prozent gesunken. Der Hauptgrund dafür ist die Kapitalerhöhung im Volumen von 10,2 Milliarden Euro. Zudem belasten nach Ansicht der Experten von Platow Derivate noch andere Faktoren: Bei der Übernahme der Privatbank Sal.Oppenheim ist der Deutschen Bank auch die BHF-Bank zugefallen. Die Deutsche Bank sucht nun einen Käufer für die BHF-Bank, wobei die Interessenten weit weniger bieten als die Deutsche Bank will. Zudem wird die Deutsche Bank aufgrund der milliardenschweren Übernahme der Deutschen Postbank einen Verlust im dritten Quartal ausweisen. Auf mittlere Sicht ist allerdings Besserung in Sicht. Zudem hat die Deutsche Bank mit der abgeschlossenen Kapitalerhöhung bereits das hinter sich, was einigen europäischen Konkurrenten auch aufgrund der strengeren Eigenkapital-Regelungen nach den Beschlüssen von "Basel III" sehr wahrscheinlich noch bevorsteht. Zudem hat die Notierung nun die steile Abwärtstrendlinie überwunden. Das charttechnische Potenzial reicht bis zur 200-Tagelinie, die bei 46 Euro pendelt. Unterstützungen befinden sich bei 38,50 Euro und bei 41 Euro. Risikobereite Anleger sollten auf die zumindest erwartete Zwischenerholung setzen und das endlos laufende Turbo-Bull-Zertifikat (WKN CM0 0M7) der Commerzbank auf die Deutsche Bank für höchstens 1,18 Euro kaufen und bei 0,88 Euro absichern. Der Schein ist mit einer Basis bei 30,20 Euro, einer Knock-out-Schwelle bei 31,61 Euro und einem Hebel von derzeit 3,7 ausgestattet.

Änderungen im Musterdepot von Platow Derivate:

Die 1.350 Long-Zertifikate (WKN VT0 SQR) auf das Währungspaar Dollar/Japanischer Yen sind mit einem Verlust von 27 Prozent zu 2,20 Euro ausgestoppt worden. Dafür haben die Verantwortlichen für das Musterportfolio 260 Long-Zertifikate (WKN TB8 6QA) auf Siemens zu 17,39 Euro aufgenommen und bei 11,75 Euro abgesichert sowie 7.000 Call-Optionsscheine (WKN DB8 RE8) auf die Deutsche Bank zu 0,83 Euro eingebucht und den Stoppkurs bei 0,63 Euro gesetzt. Nun wollen sie noch ihren Bestand von 1.400 Long-Zertifikaten (WKN AA1 7DV) auf Platin um weitere 1.400 Stück zu höchstens 5,15 Euro aufstocken.

Portfolio Exclusiv: Alles aufspringen, auf den rasenden Agrarrohstoff-Zug

Rohstoffe und allen voran Agrar-Rohstoffe, sogenannte Soft Commodities, werden immer teurer. Der Index S&P GSCI Agriculturals TR legte in den vergangenen drei Monaten um mehr als 35 Prozent zu und alleine in der vergangenen Woche um elf Prozent. Der Anstieg der Preise ist nach Angaben der Experten von Portfolio Exclusiv politisch motiviert, denn aufgrund des schwachen Dollar und der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen suchen Anleger nach Anlagemöglichkeiten. Immer mehr springen auf den fahrenden Zug auf, was den Trend noch verstärkt. Der Rohstoff-Markt ist undurchsichtig und eng und der Agrarrohstoff-Markt neigt teilweise zu herumirrenden Korrekturen, weshalb eine Spekulation mit Hilfe von Hebelprodukten Zockern vorbehalten bleiben sollte. Dennoch gehören die Rohstoffe natürlich ins Depot, schon weil die Preise langfristig steigen müssen: Die Bevölkerungszahl wächst, die Anbaufläche wird kleiner. Die Investition mit Rohstoff-Zertifikaten birgt als größtes Risiko die "Future-Falle" Rollverluste oder Contango genannt. Als "Contango" wird eine Konstellation am Terminmarkt bezeichnet, bei der Preise zur Sofortlieferung, sogenannte Kassa- oder auch Spot-Preise, mit einem starken Abschlag zu Terminpreisen notieren. Auf gut deutsch: Der Rohstoff ist aktuell, im gerade laufenden Future-Vertrag, günstiger als zu einem späteren Zeitpunkt, also in einem späteren Future-Kontrakt. Das kommt häufig vor, denn die Rohstoffe müssen zwischenzeitlich gelagert, versichert und die Zeit bis zum Verkauf zinsträchtig zwischenfinanziert werden. Zudem kann es auch sein, dass aktuell einfach zuviel des Rohstoffes auf dem Markt ist, der Rohstoff also nicht komplett verkauft werden kann. (Die umgekehrte Marktsituation wird "Backwardation" genannt.) Die RICI Enhanced-Indices versuchen das Contango-Problem einzudämmen, indem sie die Käufe über verschiedene Fälligkeiten verteilen. Das zahlt sich langfristig aus. Der RICI Enhanced Agriculturals TRIndex hat in den vergangenen drei Jahren 11,5 Prozent zugelegt, während der S&P GSCI 3,5 Prozent verloren hat. Die passenden RICI-Zertifikate kommen von der Royal Bank of Scotland und haben die Wertpapierkennnummern AA0 QL5 und mit einer Währungsabsicherung AA0 QL9. Die Zertifikate oder das Zertifikat sollte über mehrere Tranchen verteilt gekauft werden, um so den Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effect) zu nutzen. Dabei führen Kursschwankungen der Wertpapiere dazu, dass der Anleger im Durchschnitt seine Anteile bei gleich bleibenden Raten günstiger erhält, als wenn er regelmäßig zu unterschiedlich hohen Preisen eine gleich bleibende Menge von Anteilen kauft. Denn bei hohen Anteilspreisen werden automatisch weniger Anteile gekauft, bei niedrigen Anteilspreisen entsprechend mehr. Die Experten schlagen als währungsgesichertes Bonus-Zertifikat das Produkt mit der WKN GS7 PT8 von Goldman Sachs auf den S&P GSCI Agriculture ER vor, das im Dezember 2011 fällig wird. Das Zertifikat weist eine negative Seitwärts-Rendite auf, fängt mögliche Preiskorrekturen aber mit einem Sicherheits-Puffer von fast 35 Prozent auf. Das währungsgesicherte Bonus-Zertifikat mit der WKN GS1 2QJ läuft im Juni 2012 ab und weist eine positive Seitwärtsrendite auf. Die maximale Rendite ist dafür aber auf 79 Indexpunkte beziehungsweise derzeit 8,1 Prozent oder knapp 4,7 Prozent per anno begrenzt. Mit der im September 2013 fälligen Agrar-Garant-Anleihe (WKN BC2 EAZ) von Barclays gehen Anleger auf Nummer Sicher. Die Investoren haben teil an der positiven Wertentwicklung eines Korbes, bestehend aus fünf gleich gewichteten Agrarindices von GSCI-ER. Allerdings wird der Rückzahlungsbetrag am Laufzeitende aus dem Durchschnitt der vierteljährlich festgestellten Preise ermittelt.

Änderungen im Umweltaktien-Musterdepot von Portfolio Exclusiv:

Die Verantwortlichen für das Musterportfolio haben 300 Anteilscheine von Insituform Technologies zu 17,60 Euro aufgenommen und bei 14,50 Euro abgesichert. Nun sollen noch 400 Aktien von Centrotec Sustainable zu höchstens 15 Euro eingebucht werden.

Fuchs Kapitalanlagen: Klöckner & Co ist schwankungsfreudig aber chancenreich

Klöckner & Co will die Kapazitäten in den kommenden zehn Jahren verfünffachen und dazu seine Aktivitäten in Asien und Amerika verstärken. Derzeit steuert das Geschäft in Europa noch 85 Prozent zum  Konzernumsatz bei; in zehn Jahren sollen es nur mehr 30 Prozent sein. Im kommenden Jahr will der größte unabhängige Stahlhändler der Welt erstmals in Brasilien vor Ort sein. Der Stahlbedarf des Landes zieht besonders stark an. Zudem möchte Klöckner & Co auch die starke Abhängigkeit von der Bauindustrie verringern und künftig mehr besonders hochwertige Stahlprodukte anbieten. Stahlerzeugnisse wie Bleche, Röhren oder Träger werden in unzähligen Legierungen und Größen benötigt und deshalb sind gut sortierte Stahlhändler in räumlicher Nähe zu den jeweiligen Kunden unverzichtbar. Die Branche ist allerdings stark zersplittert und genau das nutzt Klöckner & Co für Übernahmen. Seit dem Börsengang im Jahr 2006 hat der Konzern 21 Unternehmen integriert. Für weitere Zukäufe stehen derzeit 500 Millionen Euro bereit. Das zyklische Geschäft mit dem Stahlhandel bescherte Klöckner & Co im ersten Halbjahr 2010 den Turnaround. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich von minus 3,28 auf plus 0,71 Euro. Die Experten von Fuchs Kapitalanlagen raten Anlegern, welche die zeitweise starken Ertragsschwankungen dulden, zum Kauf der chancenreichen Aktie mit langfristig ausgezeichneten Perspektiven von Klöckner & Co. Das Kursziel beträgt 22 Euro und der Stoppkurs sollte bei 13,60 Euro gesetzt werden.

Änderung in einem Musterdepot des Anlegerbriefes performaxx:

Die Verantwortlichen für das Trendfolge-Musterportfolio haben 90 börsennotierte Indexfonds (WKN ETF 001) auf den DAX zu 64,56 Euro aufgenommen.

Änderung im Musterdepot von Aktien-Strategie:

Die Verantwortlichen für das Musterportfolio wollen 2.000 Anteilscheine von Q-Cells zu höchstens 3,47 Euro aufnehmen und bei 3,17 Euro absichern.  

Die zehn aussichtsreichsten, interessantesten oder innovativsten Anlagetipps der "Börsenwelt" sind - ausschließlich - im wöchentlich erscheinenden "Börsenwelt Börsenbrief" zu finden.  

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