Thorsten Küfner
Die Banken aus den PIIGS-Staaten gerieten in den vergangenen Wochen und Monaten stark unter Druck, so auch die Titel der Banco Santander und der BBVA. Hier lohnt allerdings ein zweiter, genauerer Blick.
Die spanischen Banken BBVA und Banco Santander haben die Krise nach der Lehman-Pleite vorbildlich gemeistert. Da die beiden Institute anders als viele Konkurrenten ihren Fokus auf das zwar mitunter weniger lukrative, aber dafür stabilere Privat- und Firmenkundengeschäft gelegt haben, benötigten sie keinerlei Staatshilfen und blieben auch weiterhin stets profitabel. In den vergangenen Monaten gerieten die Anteile der beiden spanischen Branchengrößen allerdings dennoch gehörig unter Druck. Grund hierfür waren die Unsicherheiten an den Märkten bezüglich der europäischen Schuldenkrise sowie die Befürchtungen, der Abschwung der spanischen Volkswirtschaft dürfte die Banco Santander und BBVA schwer belasten. Nun haben beide Finanzriesen Zahlen vorgelegt, die diverse Horroszenarien größtenteils aus der Welt schaffen sollten.
BBVA verdient weiter prächtig
Die BBVA erzielte im dritten Quartal einen Nettogewinn von 804 Millionen Euro, ein Rückgang von 29 Prozent, der vor allem auf das schwächere Geschäft in Spanien und in Mexiko zurückzuführen ist. Für die ersten neuen Monate verbuchte das Institut einen Überschuss von 3,14 Milliarden Euro, ein angesichts der schwierigen Marktlage noch sehr moderates Minus von 14 Prozent, das die Kursverluste der vergangene Monate übertreiben erscheinen lässt.

Banco Santander
Die Banco Santander konnte ihren Gewinn sogar steigern. Mit 1,8 Milliarden Euro verdiente der spanische Branchenprimus rund zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Erträge legten um fünf Prozent auf 11,1 Milliarden Euro zu. Damit lag die Großbank mit ihren Zahlen im Rahmen der Analystenerwartungen. Für das Gesamtjahr rechnet die Banco Santander mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau. Vor diesem Hintergrund können die Kursverluste der vergangenen Monate ebenfalls als übertreiben bezeichnet werden.
Rekapitalisierung? Kein Problem!
Die auf dem EU-Gipfel in Brüssel beschlossene Anhebung der Kernkapitalquote auf 9,0 Prozent dürfte für BBVA und Santander zu stemmen sein. Die BBVA bezifferte den Kapitalbedarf auf etwa sieben Milliarden Euro, was die Großbank aus eigener Kraft stemmen könne. Die Banco Santander geht davon aus, dies auch ohne die Durchführung einer Kapitalerhöhung erreichen zu können. Dabei könnte sogar die bisherige Dividendenpolitik beibehalten werden, die Anlegern derzeit eine stattliche Rendite von rund acht Prozent einbringt.

Mutige greifen zu
Aufgrund der breiten Marktstellung, der soliden Bilanzen und vor allem der sehr günstigen Bewertung sind die Aktien der Banco Santander und der BBVA für risikobereite Anleger ein klarer Kauf. Beide Titel überzeugen zudem mit attraktiven Dividendenrenditen. Das Kursziel für die Titel der Banco Santander beträgt 9,00 Euro, der Stopp sollte bei 4,80 Euro platziert werden. Investments bei der BBVA sollten bei 4,95 Euro abgesichert werden (Ziel ebenfalls 9,00 Euro).