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Barclays, HSBC, Lloyds und RBS im Check

Thorsten Küfner

Die Aktien der britischen Banken zählten zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Seit März haben die vier großen Bankwerte allerdings wieder kräftig zugelegt. DER AKTIONÄR verrät, welche Titel weiterhin kaufenswert sind.

Die Finanzkrise einhergehend mit dramatisch sinkenden (da zuvor deutlich überteuerten) Immobilienpreisen und der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten - für die britischen Banken kam es 2008 wirklich knüppeldick. Dies erkennt man bei den vier größten Branchenvertretern Barclays, HSBC, Lloyds und RBS mehr (Lloyds, RBS) oder weniger (HSBC) auch an den Aktienkursen. Seit März haben die Papiere allerdings allesamt eine deutliche Erholungsrallye hingelegt. DER AKTIONÄR hat die vier Bankwerte noch einmal unter die Lupe genommen.

Barclays: Achterbahnfahrt beendet

Gerüchte über Gerüchte ließen den Kurs der Barclays-Aktien Anfang des Jahres dramatisch einbrechen. Zwischenzeitlich kosteten die Anteile der Großbank an der Börse gerade sechs Milliarden Pfund wert. Als sich die Spekulationen über hohe Verluste und einen immensen Kapitalbedarf nicht bewahrheiteten, startete das Barclays-Papier im März folgerichtig mit einer imposanten Aufholjagd.

Mittlerweile hat der Aktienkurs seine Achterbahnfahrt allerdings beendet. Derzeit deutet auch wenig auf eine länger anhaltende stärkere Kursbewegung in eine bestimmte Richtung hin. Ein Kauf der mit einem 2009er-KGV von 12 bewerteten Aktie drängt sich angesichts des geringen Wachstums aktuell nicht auf. Anleger, die der Empfehlung des AKTIONÄR bei etwa 1,00 Euro gefolgt sind (Barclays startet gut in 2009), sollten ihren Stoppkurs zur Gewinnsicherung auf 3,40 Euro nachziehen.

HSBC: Der große Gewinner?

Die größte Bank Europas hat derzeit fast alle Trümpfe in der Hand, ihre ohnehin bereits schon sehr starke Marktstellung nicht nur in Großbritannien deutlich auszubauen. Anders als viele Konkurrenten hat der Konzern keine Staatshilfen benötigt. In der "heißen Phase" der Kapitalmarktturbulenzen gelang es den Briten sogar, problemlos eine Kapitalerhöhung von etwa 12,5 Milliarden Pfund am Markt zu platzieren. Diese Mittel kann die Bank nun in das weitere Wachstum investieren. Schwerpunkt sollen dabei die Schwellenländer sein, wie Konzernchef Stephen Green dem Handelsblatt mitteilte (das komplette Interview lesen Sie hier).

Der Aktienkurs von HSBC notiert immer noch deutlich unter den alten Höchstständen. Angesichts der langfristig nach wie vor hervorragenden Perspektiven ist dies eigentlich nicht gerechtfertigt. Allerdings ist die Bewertung mit einem 2009er-KGV von 25 und einem 2010er-KGV von 20 bereits recht ambitioniert. Anleger sollten daher ihre Gewinne sichern und den Stoppkurs auf 5,90 Euro nachziehen. Das Kursziel beträgt 8,50 Euro.

Lloyds Banking Group: Schon auf dem Weg der Besserung?

Schwer gebeutelt von der Finanzkrise wurde auch die Lloyds Banking Group, die durch die Übernahme der angeschlagenen HOBS durch die bis dato relativ gut durch die Krise gekommene Lloyds TSB geschaffen wurde. Der Bankenriese hält knapp ein Drittel aller Hypothekenkredite in Großbritannien und rund ein Viertel der Spareinlagen. Der Konzern erklärte kürzlich, dass die Abschreibungen im ersten Halbjahr 2009 ihren Höchststand erreicht haben dürften. Trifft diese Prognose zu, steht einer Fortsetzung der Rallye der vergangenen Wochen nichts mehr im Wege.

Die Aktie bleibt angesichts des immensen Ertragspotenzials des neu geschaffenen Bankgiganten (die Fusion wäre unter normalen Umständen von den Kartellbehörden wohl nicht genehmigt worden) für langfristig orientierte Anleger ein Kauf (Kursziel 1,50 Euro). Angesichts der konjunkturellen Risiken in Großbritannien und der zum Teil immer noch recht hoch bewerteten Immobilienpreise sind aber auch die Abwärtsrisiken enorm. Der Stoppkurs sollte daher auf 0,90 Euro nachgezogen werden.

RBS: Noch immer Nachholpotenzial

Auch wenn die drei großen britischen Konkurrenten ebenfalls stark unter der Finanzkrise gelitten haben, der größte Leidtragende war wohl eindeutig die Royal Bank of Scotland (RBS). Der Konzern war mitten in seinem aggressiven Expansionsdrang (bei dem unter anderem die niederländische Großbank ABN Amro gemeinsam mit Fortis und der Banco Santander geschluckt wurde) von der Finanzkrise erwischt worden und musste 2008 mit 24 Milliarden Pfund den höchsten Verlust ausweisen, den je ein britisches Unternehmen verbucht hatte. Nur durch massive Hilfen durch den Staat, der nun die Mehrheit der RBS-Anteile hält, konnte der Kollaps verhindert werden.

Nun bereinigt das Institut sein aufgeblähtes Portfolio und trennt sich von zahlreichen Randaktivitäten. In die Gewinnzone dürfte die RBS wohl erst 2011 zurückkehren. Die Aktie verfügt allerdings über das großes Potenzial (auch charttechnisch betrachtet). Allein die Ertragsstärke im soliden Private Banking würde eine höhere Bewertung rechtfertigen. Zudem beweist nicht nur Goldman Sachs, dass sich auch im Investmentbankinggeschäft (macht einen Großteil des RBS-Geschäfts aus) wieder üppig verdienen lässt. Wer die notwendige Geduld aufbringt, dürfte dafür in einigen Jahren reich belohnt werden. Das Kursziel beträgt 1,00 Euro, der Stoppkurs sollte bei 0,48 Euro platziert werden.

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