Allied Irish Banks, ING, RBS und Co im Fokus
Fast zwei Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers haben viele europäische Großbanken ihre Bilanzen gestärkt und arbeiten zum Teil wieder hochprofitabel. Die Kurse spiegeln diese positive Entwicklung aber kaum wider.
Am 15. September jährt sich die Pleite der Lehman Brothers zum zweiten Mal. Entgegen zahlreicher Expertenkommentare, wonach sich das Geschäftsmodell der Großbanken komplett zerschlagen habe, das alte Gewinnniveau nie mehr erreicht werden würde, entwickelten sich die Geschäfte vieler Institute weiterhin sehr positiv. Und auch viele Banken, die mit Staatshilfe gerettet werden mussten, schreiben mittlerweile wieder regelmäßig schwarze Zahlen. Trotz der Rückkehr zur Normalität in der Bankenbranche notieren die Aktienkurse vieler europäischer Großbanken noch weit unter den einstigen Höchstständen - zum Teil völlig ungerechtfertigt beziehungsweise deutlich übertrieben. DER AKTIONÄR stellt einige der am stärksten unterbewerten Titel vor.
Wachstum trotz Krise
Mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von 2007 notiert derzeit die Aktie der Banco Santander. Dabei verdient das größte spanische Bankhaus trotz der Wirtschaftskrise des Landes weiterhin prächtig. Grund für die anhaltend starken Ergebnisse bleibt das Engagement der Iberer in den aufstrebenden Volkswirtschaften Lateinamerikas. Im ersten Halbjahr erzielte die Banco Santander dort mittlerweile 37 Prozent ihres Gewinns von 4,4 Milliarden Euro - Tendenz weiter steigend. Derzeit arbeitet der Finanzriese zudem an der weiteren Expansion Ausbau in Großbritannien (durch den Kauf von RBS-Filialen) sowie in den USA.
Trotz des robusten Wachstumspfades ist die Santander-Aktie derzeit lediglich mit einem 2010er-KGV von und einem KBV von 9 bewertet. Zudem versüßt eine stattliche Dividendenrendite von mehr als sechs Prozent den Einstieg.

Erfolgreich geschrumpft
Die Royal Bank of Scotland (RBS) geht einen genau anderen Weg. Das vor der Finanzkrise durch die spektakuläre ABN-Amro-Übernahme stark aufgeblähte, global operierende Finanzkonglomerat wurde von der Finanzkrise wohl so stark gebeutelt wie kaum eine andere Großbank. Höhepunkt war ein Verlust von Milliarden Pfund - Rekord in der britischen Geschichte - woraufhin der Staat mit mehr als 80 Prozent einsteigen musste.
Mittlerweile befindet sich die RBS im Zuge eines konsequenten Schrumpfungskurses wieder auf einem sehr guten Weg. Der Berg an faulen Krediten wird stetig abgebaut, die Bilanz wird durch den Verkauf von Randbeteiligungen gestärkt und im Kerngeschäft wird wieder profitabel gearbeitet. Während in den ersten sechs Monaten 2009 noch ein Fehlbetrag von 3,35 Milliarden Pfund verbucht wurde, erzielte die RBS im ersten Halbjahr 2010 einen Gewinn von 1,58 Milliarden Pfund. Konzernchef Stephen Hester zeigte sich mit der Geschäftsentwicklung zufrieden, betonte aber, der Wiederaufbau der RBS sei „ein Marathon und kein Sprint". Anleger, die über den langen Atem und die nötigen Nerven verfügen, sollten diesen Weg mitgehen, denn das Aufholpotenzial der Aktie ist enorm.

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