Steffen Eidam
Die Vorzeichen im Luftverkehr haben sich in der jüngsten Vergangenheit deutlich verbessert. Kein Wunder, dass sich die Analysten nun verstärkt den Aktien der Airlines widmen. Dabei werden die Kursziele gleich reihenweise nach oben angepasst.
Lange Zeit wehte in der Luftverkehrsbranche ein rauher Wind. Neben der Wirtschaftskrise sorgten insbesondere zahlreiche Tarifstreitigkeiten sowie die Flugausfälle infolge des Vulkanausbruchs in Island für schwindende Margen bei den Airlines. Mit der anspringenden Konjunktur weltweit geht es auch bei den meisten Fluggesellschaften wieder steil bergauf. Zahlreiche Analysten sehen sich daher zu einer Anhebung ihrer Kursziele gezwungen.
Kranich mit starker Performance
Die Deutsche Lufthansa dient als eindrucksvolles Beispiel für die Trendwende in der Luftfahrtbranche. Trotz einer deutlich anziehenden Notierung gestehen zahlreiche Analysten der Kranich-Airline noch mehr Luft nach oben zu. Erst gestern hat die WestLB ihr Kursziel von 13,40 auf 16,80 Euro angehoben und dabei ihr Urteil "Add" bestätigt. Die Experten von Barclays zogen heute ihr Kursziel von 16 auf 17 Euro hoch, die Einschätzung wurde bei "Equal Weight" belassen. Gleichzeitig hob die Credit Suisse das Kursziel von 13,60 auf 16,40 Euro an, beließ ihre Einstufung aber auf "Neutral". In der Begründung verwiesen die Schweizer auf die anstehenden Quartalsberichte der Fluggesellschaften, in welchen unisono starke Ergebnisse zu erwarten wären. Aufgrund der geplanten Luftverkehrsabgabe seien die Aussichten bei der Lufthansa aber etwas zurückhaltender. Hinzu komme der wachsende Wettbewerb auf den Routen nach Asien und Afrika.
Viel Luft bei Air France-KLM
Gehöriges Aufwärtspotenzial sehen einige Analysten auch beim großen Lufthansa-Wettbewerber Air France-KLM. Die Experten der Citigroup zum Beispiel haben ihr Urteil heute von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 11,70 auf 16,00 Euro erhöht. Die Citigroup sieht bei den vier großen Gesellschaften wie Air France-KLM das beste Gewinnpotenzial aufgrund des hohen Anteils an Langstrecken- und Premiumflügen. Aber auch Billiganbieter dürften starke Ergebnisse für das dritte Quartal liefern, so die Analysten.
Die Experten von Cheuvreux haben Air France-KLM in die "Top Pick List" für den Sektor aufgenommen und das Kursziel von 13,50 auf 15,00 Euro angehoben. Die Einstufung lautet weiter "Outperform". Die europäischen Fluggesellschaften verfügten über die notwendige Preissetzungsmacht, um trotz steigender Belastungen wie Steuern, die Kosten zu kompensieren. Beflügeln dürfte sich das starke Engagement im weniger preissensitiven Langstreckengeschäft auswirken.
Ryanair hofft weiter auf Übernahme
Gute Chancen auf steigende Marktanteile rechnet sich auch der größte Billigflieger Ryanair aus. Dabei haben die Iren die Hoffnung auf die Übernahme des einheimischen Konkurrenten Aer Lingus noch nicht aufgegeben: "Die Regierung ist pleite, und sie müssen Staatsbeteiligungen verkaufen", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der streitbare Firmenlenker entgegnete weiter: 'Am Ende werden sie sich auch von Aer Lingus trennen, und ich hoffe, wir werden kaufen.' Ryanair hält bereits knapp 30 Prozent an Aer Lingus. Zudem hat O'Leary einen Investitionsstopp in Deutschland angekündigt: 'So lange es diese neue Luftverkehrsabgabe gibt, werden wir in Deutschland nicht weiter investieren.' Ryanair werde stattdessen zahlreiche Flüge streichen.
Branche im Aufwind
Obwohl die Erholung in der Luftfahrtbranche erst am Anfang steht, haben die Kurse der gelisteten Airlines schon einiges vorweggenommen. Dennoch bieten die Papiere von Air France-KLM und Ryanair noch ein merkliches Aufwärtspotenzial. Anleger sollten weiter die Aktie der Lufthansa favorisieren. Die Kranich-Aktie könnte mittelfristig bis auf 19 Euro steigen. Dabei sind zwischenzeitliche Rücksetzer einzukalkulieren.