Frank Phillipps
Bereits im Oktober hatte DER AKTIONÄR berichtet, dass Actelion möglicherweise vor dem Verkauf steht. Nun verdichten sich die Anzeichen dafür, dass der weltgrößte Biotech-Konzern seine Fühler nach den Schweizern ausgestreckt hat.
Die Konsolidierungswelle im Pharma-Biotech-Sektor scheint weiter zu rollen - und Europas größtes Biotech-Unternehmen Actelion erfasst zu haben. Bereits im Oktober hatte DER AKTIONÄR in seiner Printausgabe darüber berichtet, dass der Verwaltungsrat von Actelion einen Ausschuss gebildet habe, um strategische Optionen für das Schweizer Biotech-Unternehmen zu prüfen; unter anderem sei auch über einen Komplettverkauf des Unternehmens nachgedacht worden.
Genau dieses Szenario könnte sich nun konkretisieren. Nach übereinstimmenden Meldungen verschiedener Medien soll mit Amgen der weltgrößte Biotech-Konzern Interesse an den Schweizern haben. Ein offizielles Angebot hat Amgen zwar bislang nicht abgegeben, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass die Amerikaner schon seit Längerem Ausschau nach potenziellen Übernahmezielen - auch in Europa - Ausschau halten.
Amgen scharf auf Tracleer?
Beide Unternehmen eint, dass sie zuletzt Rückschläge bei der Entwicklung wichtiger Medikamente, die als Hoffnungsträger für die Zukunft gelten, hinnehmen mussten. Bei Amgen ist der Verkaufsstart des potenziellen Blockbusters Prolia eher verhalten angelaufen, bei Actelion verfehlte das Medikament Clazosentan in wichtigen Phase-III-Studien den primären Endpunkt der Tests. Actelion hatte gehofft, durch einen Erfolg mit Clazosentan die Abhängigkeit von Tracleer zu verringern. Die Arznei, die zur Behandlung von hohem Blutdruck in der Lungenarterie eingesetzt wird, ist bislang Actelions einziger großer Umsatzbringer. Allein im dritten Quartal hatten die Schweizer mit der Arznei über 400 Millionen Dollar umgesetzt - das sind fast 90 Prozent des Gesamtumsatzes. Bis 2015 rechnen die Analysten bei Tracleer mit Jahresumsätzen von 2,1 Milliarden Dollar - was wiederum das Interesse von Amgen hinreichend erklärt.

Übernahmekampf?
Für Anleger besonders interessant ist die Tatsache, dass Actelion-Vorstandschef Jean-Paul Clozel nicht gewillt scheint, die Unabhängigkeit des Unternehmens kampflos aufzugeben. Wie Bloomberg Businessweek unter Berufung auf mit der Materie vertraute Personen berichtet, soll Clozel bereits bei Roche, Bristol-Myers Squibb und Johnson & Johnson angefragt haben, ob die Pharma-Unternehmen nicht einen Minderheitsanteil an Actelion erwerben wollen. Dies würde eine Übernahme von Actelion deutlich erschweren. Ob einer der Pharmakonzerne für den Vorschlag zu erwärmen war, ist bislang nicht bekannt, allerdings ist angesichts der aktuellen niedrigen Bewertung von Actelion eher wahrscheinlich, dass auch die genannten Konzerne an einer Komplettübernahme interessiert sein könnten, was den Actelion-Kurs zusätzlich treiben dürfte.
Zweitprofiteur BB Biotech
Neben Actelion und deren Aktionären gibt es noch einen zweiten Profiteur der Übernahmegerüchte; nämlich die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech. Die hatte zwar zuletzt ihren Anteil deutlich zurückgefahren, mit 17,6 Prozent ist Actelion aber immer noch die zweitgrößte Position im Portfolio. BB Biotech wird derzeit an der Börse mit einem Abschlag von fast 27 Prozent auf den inneren Wert des Portfolios (NAV) gehandelt.

Zwei Gewinner
Das vom AKTIONÄR skizzierte Übernahmeszenario bei Actelion nimmt Formen an. Wer hier noch nicht an Bord ist, kann immer noch einsteigen. DER AKTIONÄR bekräftigt seine Kaufempfehlung für das Papier. Das Kursziel lautet auf 50 Euro, der Stopp wird bei 32 Euro platziert. Wer an den Chancen der Biotechnologie im Allgemeinen und einem möglichen Übernahmekampf um Actelion im Speziellen partizipieren will, für den lohnt der Einstieg bei BB Biotech. Hier liegt das Kursziel bei 52,50, ein Stopp bei 36 Euro sichert ab.