Steffen Eidam
Spätestens nach der jüngsten Weltwasserwoche wird klar: Der Ressource Wasser kommt angesichts der dramatischen Versorgungsprobleme zukünftig eine bedeutende Rolle zu. Beim Kampf um das "blaue Gold" haben Unternehmen mit innovativen Lösungen die besten Chancen.
Auf der kürzlich in Stockholm zu Ende gegangenen Weltwasserwoche zeichneten Experten ein düsteres Bild von einer dramatischen Wasserverknappung. Schätzungen zufolge leben knapp drei Milliarden Menschen ohne eine ausreichende sanitäre Grundversorgung - darunter etwa eine Milliarde Kinder. Schlimmer noch: Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an einer Krankheit, die durch verschmutztes Wasser verursacht wird. Schon jetzt steht fest: Das Thema Wasser wird zum nächsten Megatrend. Experten rechnen mit einem jährlichen Investitionsbedarf von bis zu 500 Milliarden Euro. Für Hersteller von Wassertechnologien ergibt sich somit ein enormes Absatzpotenzial. der aktionär stellt die aussichtsreichsten Unternehmen der Branche vor.
Veolia: Unangefochtener Primus
An Veolia Environnement führt im Wassersegment kein Weg vorbei. Der Weltmarktführer für Umweltdienstleistungen in den Bereichen Wasser, Entsorgung, Energieoptimierung und Verkehr hat im ersten Halbjahr seinen Nettogewinn nach Abzug von Minderheitsanteilen von 220 auf 374 Millionen Euro ausgebaut und somit die durchschnittlichen Analystenerwartungen in Höhe von 347 Millionen Euro klar übertroffen. Die Franzosen wollen im laufenden Geschäftsjahr weiterhin einen positiven Free Cash Flow sowie eine Verbesserung beim bereinigten operativen Ergebnis erreichen. Dabei dürfte Veolia neben der anhaltenden konjunkturellen Erholung auch von dem von Finanzchef Pierre-François Riolacci forcierten Restrukturierungsprogramm profitieren. Ein weiterer Pluspunkt: Mit dem Strategiekonzept "Innovation Accelerator" bietet Veolia ideenreichen Start-ups die Möglichkeit, ihre neuesten Technologien vorzustellen. Aus dem zukunftsweisenden Programm ist bereits eine Partnerschaft mit NanoH2O hervorgegangen. Die US-Amerikaner haben ein Verfahren zur Meerwasserentsalzung durch Nanopartikel entwickelt, mit dem die Erzeugung von Trinkwasser um 70 Prozent gesteigert werden kann.

Suez: Stark auf dem Vormarsch
Ein weiterer aussichtsreicher Player auf dem Wassermarkt ist Suez Environnement. Dem aus GDF Suez hervorgegangenen Konzern gelang mit der Übernahme von Spaniens größtem Wasserunternehmen Agbar (75 Prozent-Paket für 812 Millionen Euro) ein bedeutender Sprung nach vorn. Agbar kontrollierte mit einem Umsatz von über drei Milliarden Euro den privaten spanischen Wassermarkt und besaß zudem eine starke Position in wichtigen Regionen in Asien und Südamerika. Dank der Einbeziehung von Agbar konnte Suez in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres seinen Umsatz um zwölf Prozent auf 6,6 Milliarden steigern. Auf Jahressicht erhöhte der Konzern seine Prognose für das EBITDA-Wachstum von acht auf über neun Prozent. Die Société Générale rechnet damit, dass Suez die gesetzten Ziele erreicht und bekräftigt ihre Kaufempfehlung mit Kursziel 19 Euro.

Geberit: Qualität in der Leitung
Mit seinen intelligenten Sanitärtechnik-Systemen dürfte auch die Schweizer Geberit verstärkt in den Fokus der Anleger geraten. Beim Blick auf die vom Bundesumweltministerium veröffentlichten Daten wird klar, wie groß die Einsparpotenziale in diesem Bereich sind. So entfallen fast 40 Liter des täglichen Trinkwasserverbrauchs auf die Toilettenspülung. Geberit sorgt mit innovativen Lösungen dafür, dass bis zu 40 Prozent weniger Wasser verschwendet werden. Das Unternehmen dürfte zudem von den Plänen der Bundesregierung profitieren, wonach die baulichen Vorgaben für neu zu errichtende Gebäude sowie für Bestandsbauten im Kernmarkt Deutschland erheblich verschärft werden sollen.

Wasser wird zum Megatrend
Die rapide Verknappung der weltweiten Wasserreserven wird Unternehmen wie Veolia oder Suez mit ihren Logistiklösungen verstärkt in den Fokus der Investoren rücken. Intelligente Systeme zur Wassereinsparung dürften auch den Kurs der Geberit-Aktie beflügeln.