Zynga: Heiße Turnaroundstory für kühle Rechner
Der amerikanische Facebook-Symbiont ist aus seiner Lethargie erwacht und dreht jetzt mächtig auf. Kann Mark Pincus seinen Spielehersteller vor dem Untergang retten?
In den zurückliegenden 13 Monaten hat Mark Pincus eine wichtige Lektion gelernt: Geteiltes Leid ist häufig eben doch kein halbes Leid. Und gelitten hat der Gründer des Softwareentwicklers wie kaum ein anderer Entrepreneur vor ihm. Der Börsengang seines Unternehmens Ende 2011 hat sich zum absoluten Desaster entwickelt und Pincus unter den Anlegern zu einem der meistgehassten Manager gemacht. Die Wut ist verständlich. Wer auf die Farm- und CityVille-Story aufgesprungen ist, hat durchweg hohe bis sehr hohe Verluste erlitten. Seit der Veröffentlichung der Q4-Zahlen hat sich die Stimmung für Zynga jedoch geändert - viele Anleger träumen von einer Trendwende. DER AKTIONÄR sagt, ob die Hoffnung berechtigt ist.
Den Kursturbo gezündet
Am Freitag ist Zynga bis zum Handelsschluss in New York auf 3,43 Dollar gestiegen, ein Plus von 11,0 Prozent. Auf Sicht von einer Woche hat sich Zynga um 30 Prozent in die Höhe geschraubt.
Der Anstieg ist beeindruckend - aber nur für Anleger, die jetzt eingestiegen sind. Gemessen im IPO-Preis beträgt das Minus mehr als 60 Prozent. Vom Hoch bei 15,91 Dollar ist das Papier 79 Prozent entfernt.

Auslöser der Rallye sind nach Meinung des AKTIONÄR drei Faktoren:
1) Besser als erwartete (befürchtete) Q4-Zahlen: Umsatz, Bookings (Erlöse aus dem Verkauf virtueller Güter in Spielen wie FarmVille) und Ergebnis je Aktie lagen jeweils deutlich über den Prognosen der Analysten.
2) Die verringerte Abhängigkeit von Facebook, die es Zynga erlaubt, eigene Spiele flexibler (u.a. über die eigene Plattform)zu vermarkten.
3) Die Aussicht auf den Einstieg in den Online-Glücksspielmarkt (Zynga kooperiert hier mit bwin.party).
Auslöser hinter der Rallye ist zudem ein Faktor, der nicht sofort ersichtlich ist. Zynga ist unter Short-Sellern ein überaus beliebtes Ziel. Anleger, die auf weiter fallende Kurse spekulierten, haben die Aktie millionenfach leer verkauft und damit ein Vermögen verdient. Die überraschende Stabilisierung des Geschäfts dürfte viele nun zum Eindecken motiviert haben. Dafür sprechen die enormen Handelsumsätze (100 Millionen Aktien) mit Zynga in den letzten Tagen.
Wie geht es weiter?
Zynga sitzt auf 1,65 Milliarden Dollar an Cash. Die Reserven entsprechen einem Anteil von rund 63 Prozent an der aktuellen Marktkapitalisierung. Der Cashanteil pro Aktie von knapp über 2 Dollar sichert eine Spekulation nach unten ganz gut ab. Das Unternehmen hat die weitere Emanzipation von Facebook bislang besser verdaut, als befürchtet und arbeitet mit Hochdruck an seiner Mobile- und Online-Glücksspiel-Strategie.
Sehr risikofreudige Anleger können den Stimmungsumschwung bei Zynga nutzen, auf den Zug aufspringen und auf eine Fortsetzung der Rallye spekulieren. Dass ein solcher Anstieg mit extremen Schwankungen verbunden ist, versteht sich von selbst, also: nur wenig investieren!
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