Andreas Deutsch
Nach dem Fall "Madoff" gibt es wieder Ungemach am amerikanischen Finanzmarkt. Am Wochenende wurde Raj Rajaratnam festgenommen. Dem Hedgefondsmanager und Milliardär wird Insiderhandel vorgeworfen. Rajaratnam drohen nun bis zu 20 Jahre Gefängnis.
Raj Rajaratnam hat eine steile Karriere hinter sich. Uni in England, MBA-Abschluss in den USA, 1997 die Gründung eines Hedgefonds. Damit verdiente Rajaratnam 1,3 Milliarden Dollar und landet unter den Top 600 der reichsten Menschen der Welt. Trotzdem schien Gier für Rajaratnam ein Fremdwort zu sein. Im Gegenteil, er verhielt sich vorbildlich. Nach dem Tsunami an Weihnachten 2004 spendete er Millionen an die Opfer. Im US-Wahlkampf warb er für die Demokraten, spendete für Barack Obama und Hillary Clinton. Seine 3,5 Milliarden Dollar schweren Hedgefonds lässt Rajaratnam freiwillig von der Börsenaufsicht SEC kontrollieren.
Nun steht Rajaratnam am Pranger: Er soll in den größten Insiderskandal verwickelt sein, in den jemals Hedgefonds involviert gewesen sind. Rajaratnam und fünf weitere Spitzenmanager sollen mit illegalem Insiderhandel über 20 Millionen Dollar verdient haben. Es soll um untersagte Geschäfte unter anderem mit Google-Aktien gegeben haben.
Die Beschuldigten sind bei prominenten Arbeitgebern beschäftigt. Einer der Festgenommenen habe beim Computer-Giganten IBM gearbeitet, einer für die Beratungsfirma McKinsey und ein dritter im Finanzbereich des weltgrößten Chipherstellers Intel.
(Noch) kein großer Schaden
Die Anleger in Deutschland lassen sich von dem Skandal nicht aus der Ruhe bringen. Der DAX gewinnt am Montagmorgen 1,3 Prozent auf 5.817,81 Punkte. Das Ausmaß des "Falls Rajaratnam" ist - bislang zumindest - nicht besonders groß. Kommen allerdings weitere, delikate Einzelheiten zu Tage, dürfte das Anlegervertrauen weiter leiden.