Bastian Galuschka
Das hat man noch nicht gesehen: Bereits drei Monate vor Ablauf der Frist hat die US-Gesundheitsbehörde FDA einem von Vertex entwickelten Mukoviszidose-Medikament die Marktzulassung erteilt. Die Aktie reagiert mit einem Kurssprung.
Kalydeco, ein vom US-Biotech-Konzern Vertex Pharmaceuticals entwickeltes Medikament zur Behandlung der seltenen Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, wurde gestern völlig überraschend von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen. Der Entscheid erfolgte damit drei Monate vor dem eigentlichen Termin im April. Insgesamt dauerte der Zulassungsprozess damit nur rekordverdächtige drei Monate.
Da Kalydeco die erste Therapie für Mukoviszidose-Patienten überhaupt darstellt, hatte es die FDA verständlicherweise eilig. Rund 30.000 Betroffene gibt es in den USA, allerdings tragen nur rund vier Prozent dieser 30.000 eine Mutation eines Gens namens G551D in sich. Genau auf diese Patientengruppe zielt Kalydeco ab. Liest sich eine Patientenzahl von 1.200 für die USA auf den ersten Blick sehr wenig, relativiert sich dieser Eindruck, wenn man sich den Preis einer Kalydeco-Therapie schaut. 294.000 Dollar pro Jahr soll die Anwendung kosten. Damit käme man alleine für die USA auf ein Umsatzpotenzial von über 350 Millionen Dollar. Experten rechnen für Europa mit einer ähnlichen Größe.
Was passiert mit Incivek?
Analysten hoffen, dass Kalydeco eine mögliche Umsatzschwäche von Vertex zweitem Medikament Incivek auf längere Sicht kompensieren kann. Incivek ist aktuell die Standardtherapie bei Hepatitis C, wird ab dem Jahr 2014 aber vorrausichtlich erhebliche Konkurrenz durch rein orale Anwendungen bekommen. Gilead steht hier bereits nach der Pharmasset-Übernahme in den Startlöchern. Das hat die Vertex-Aktie zuletzt belastet.
Für das laufende und das kommende Jahr rechnen Experten jedoch damit, dass Incivek Vertex noch satte Gewinne bescheren wird. Die Schätzungen liegen aktuell für 2012 bei einem Gewinn je Aktie von 4,17 Dollar und für 2013 von 4,70 Dollar. Die KGVs liegen folglich bei günstigen 9 und 8.

Allerdings ist die zukünftige Strategie des Managements noch nicht klar. Will es im Hepatitis-C-Sektor wieder angreifen oder überlässt es hier das Feld der Konkurrenz und setzt in Zukunft auf das zweite Pferd im Stall Kalydeco? Solange diese Frage nicht geklärt ist, ist die Vertex-Aktie vorerst nur eine solide Halteposition.