Bastian Galuschka
Zwei Medikamente auf dem Markt, zwei Zulassungstermine im laufenden Jahr bereits fest im Kalender sowie eine Marktkapitalisierung, die unter dem aktuellen Cashbestand liegt, kurzum: die Spectrum-Aktie hat das Zeug zum Verdoppler.
Zwei Medikamente auf dem Markt, zwei Zulassungstermine im laufenden Jahr bereits fest im Kalender sowie eine Marktkapitalisierung, die unter dem aktuellen Cashbestand liegt, kurzum: die Spectrum-Aktie hat das Zeug zum Verdoppler.
Bereits im Dezember hat DER AKTIONÄR auf die kleine US-Biotech-Schmiede Spectrum hingewiesen. Seitdem hat der Titel um 30 Prozent zugelegt. Wie sich immer mehr herauskristallisiert, dürfte die jüngste Aufwärtsbewegung aber erst der Anfang einer völligen Neubewertung von Spectrum sein. In dem Titel schlummert enormes Potenzial.
Erste Erlöse durch Fusilev
Bereits seit Mitte letzten Jahres vermarktet Spectrum sein erstes Medikament Fusilev, das zur Behandlung des Osteosarkoms, eines bösartigen Knochentumors eingesetzt wird mit großem Erfolg. Wie die letzten Zahlen belegen, lagen die Fusilev-Umsätze allein im abschließenden Quartal 2008 bei acht Millionen Dollar. Für ein Biotech-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 60 Millionen Dollar ist das mehr als beachtlich.
Ab Herbst könnten die Fusilev-Umsätze einen zusätzlichen Schub bekommen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA will am 8. Oktober darüber entscheiden, ob das Krebsmedikament auch zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs eingesetzt werden darf. Das Marktpotenzial für Fusilev würde sich dadurch mehr als verdoppeln.
Hoffnungsträger Zevalin
Spectrum hat aber noch mehr zu bieten. Das Unternehmen hat sich vor einigen Wochen vom angeschlagenen Biotech-Mitstreiter Cell Therapeutics die US-Vermarktungsrechte für Zevalin gesichert. Zevalin ist in den USA als Drittlinientherapie bei Patienten zugelassen, die am sogenannten Non-Hodgkin-Lymphom, einer bestimmten Art von Blutkrebs, leiden und brachte es im vergangenen Jahr auf Umsätze von über zehn Millionen Dollar.
Am 2. Juli fällt die FDA eine Entscheidung, ob Zevalin auch als Konsolidierungstherapie bei fortgeschrittenem Non-Hodgkin-Lymphom eingesetzt werden darf. Da Zevalin in Europa in dieser Indikation bereits seit Jahren angewandt wird, dürfte die Zulassung nur mehr Formsache sein. Für Spectrum wäre dies ein weiterer großer Erfolg.
Kooperation mit Allergan
Neben den beiden bereits erwähnten Medikamenten schlummert mit Apaziquone ein weiterer interessanter Wirkstoff in der Pipeline von Spectrum, dem Experten großes Potenzial zutrauen. Apaziquone wird derzeit bei Patienten, die an Blasenkrebs erkrankt sind, auf seine Wirksamkeit getestet. Der Bedarf ist riesig. Rund 1,5 Millionen Menschen leiden weltweit an Blasenkrebs. Jedoch wurde in den letzten 30 Jahren kein neues Medikament in dieser Indikation zugelassen. Den Abschluss der Patientenrekrutierung für die entscheidenden Phase-III-Studien erwartet Spectrum Ende des Jahres.
Das mögliche Potenzial von Apaziquone wurde von der Pharmaindustrie bereits entdeckt. Allergan sicherte sich im vergangenen Herbst die Vermarktungsrechte für Europa und Kanada. Spectrum würde bei einer dortigen Marktzulassung Royalties erhalten. Eine Vorabzahlung von 41,5 Millionen Dollar sicherte man sich bereits. Sollten bestimmte Meilensteine erreicht werden, könnten insgesamt bis zu 304 Millionen Dollar dazu kommen. Allergan wird zwei Drittel der Entwicklungskosten von Apaziquone übernehmen. In den USA teilen sich Spectrum und Allergan die Kosten für die Vermarktung sowie sämtliche Erlöse zur Hälfte. Für die Region Asien hat Spectrum die Rechte vorläufig behalten, will diese aber in den nächsten zwölf bis 18 Monaten ebenfalls abgeben. Das dürfte Spectrums Kasse, die mit rund 70 Millionen Dollar gut bestückt ist, weiter anfüllen.
Neubewertung in vollem Gange
Das Jahr 2009 dürfte das Jahr des Durchbruchs für Spectrum werden. DER AKTIONÄR rechnet sehr konservativ mit Erlösen von 25 Millionen Dollar, das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt demnach nur bei gut zwei. Zudem liegt die Marktkapitalisierung mit knapp 60 Millionen Dollar unter dem Cashbestand von rund 70 Millionen Dollar. Geben die Behörden im laufenden Jahr grünes Licht für einen erweiterten Einsatz von Fusilev und Zevalin, wären Kurse um die 3,50 Dollar und damit eine Verdopplung vom aktuellen Kursniveau absolut gerechtfertigt.
