Michael Herrmann
Lange war er nicht arbeitslos: Der vor kurzem bei Hewlett-Packard gefeuerte Mark Hurd wechselt zum Konkurrenten Oracle und wird dort einer der beiden Präsidenten des Konzerns. Gründer und Konzernchef Ellison lobt den Neuzugang in höchsten Tönen. Die Aktie steht kurz vor einem charttechnischen Kaufsignal.
Der schnelle Wechsel des 53-jährigen Mark Hurd in eine Spitzenposition bei Oracle kommt sicherlich etwas überraschend. Er gilt zwar als einer der erfolgreichsten Top-Manager in der Technologiebranche, stolperte aber erst im Sommer über seine Beziehung zu einer ehemaligen PR-Mitarbeiterin, die ihm sexuelle Belästigung vorwarf. Auch wenn sich die Vorwürfe nicht bestätigten, hielt der Verwaltungsrat von Hewlett-Packard (HP) Hurd daraufhin vor, falsche Spesenabrechnungen nach den Treffen mit der Frau eingereicht zu haben, weshalb er selbst zurück trat.
Einstieg als Präsident
Nun also steigt er Oracle in eine Spitzenposition ein und soll dort maßgeblich das Tagesgeschäft führen, aus dem sich der 66-jährige Gründer und Konzernchef Larry Ellison weitgehend zurückgezogen hat. Hurd ersetzt auf der Position Charles Phillips, der das Unternehmen verlässt und in den Verwaltungsrat einzieht. Da Oracle zwar weiter die Nummer zwei bei Unternehmenssoftware nach SAP ist, aber auch in immer weitere IT-Bereiche vorstößt, bekommt der Wechsel eine besondere Brisanz. So kann Oracle spätestens seit der Übernahme des Server-Spezialisten Sun Microsystems als direkter Konkurrent von HP bezeichnet werden.
"Dümmste Personalentscheidung seit vielen Jahren"
Ganz überraschend kam Hurds Einberufung dann aber doch nicht, denn schon am Wochenende hatte das Wall Street Journal über entsprechende Gespräche berichtet. Zudem hatte Ellison den Rauswurf des Managers bei HP öffentlich kritisiert. "Das war die dümmste Personalentscheidung, seitdem die Idioten im Apple-Verwaltungsrat vor vielen Jahren Steve Jobs gefeuert haben", schrieb er deshalb Anfang August an die New York Times.

Aktie (noch) in Seitwärtsbewegung
Durch die Benennung Mark Hurds zum neuen Präsidenten konnte Oracle viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Inwieweit sich dies auszahlen wird, muss aber erst die Zukunft zeigen. Fundamental konnte der Konzern mit den letzten Geschäftzahlen positiv überraschen. Die Integration von Sun Microsystems gelang erstaunlich schnell und gut. Fundamental ist die Oracle-Aktie daher eine interessante Option.
Trotz der überzeugenden Zahlen gelang der Aktie nicht der erhoffte Kursausbruch nach oben. Seit Mitte Mai pendelt sie seitwärts zwischen 17 und 19 Euro. Derzeit bewegt sie sich wieder stark in Richtung des oberen Widerstands. Gelingt der Ausbruch würden eindeutige Kaufsignale generiert und die Aktie auch aus charttechnischen Gesichtspunkten interessant werden.