Leon Müller
Medienkonzerne haben ein fulminantes Comeback aufs Parkett gebracht, Einzelwerte wie ProSiebenSat.1 binnen Jahresfrist mehrere hundert Prozent an Wert zugelegt. Wie aber ist es um die weiteren Aussichten bestellt? Kurzum: Selbst in gleißendem Licht ist kaum Schatten zu sehen.
Medienkonzerne sind wieder in, ihre Aktien angesagt. Ein Faktum, das beeindruckt, weil es nicht wenige überrascht. Noch vor gut einem Jahr glaubte kaum einer an ein Comeback: sinkende Werbeeinahmen, zurückgehende Abonnenten- und Zuschauerzahlen drückten die Margen und manch ein Experte projizierte Endzeitszenarios an die Leinwand. Doch dann geschah, was man als Wiederauferstehung bezeichnen kann. Ob News Corp, Walt Disney oder Time Warner, sie alle fanden offenbar Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit. Für Endzeitpropheten bleibt trotz gleißenden Lichts nur die Erkenntnis: Kaum Schatten. Im Gegenteil, die Totgeglaubten sind quicklebendig. der aktionär hat früh auf die Chancen des Sektors hingewiesen. US-Empfehlungen wie News Corp und Walt Disney notieren bis zu 50 Prozent im Plus, die deutsche ProSiebenSat.1 Media gar 680 Prozent. Ein Blick auf den S&P 500 Movie & Entertainment Index zeigt: Medienaktien sind Gewinnertitel. Bleibt die Frage: Lohnt jetzt noch der Einstieg in den Sektor? der aktionär hat vier Medienmultis unter die Lupe genommen.
Neue Nummer 1: Walt Disney
Den Anfang der Analyse macht Walt Disney, nicht ganz unverdient. Der Konzern hat laut einer Erhebung des Berliner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) im Jahr 2009 Time Warner an der Spitze der größten Medienkonzerne der Welt abgelöst. Im IfM-Ranking bemisst sich die Größe eines Konzerns am Medienumsatz des jeweils letzten Geschäftsjahres. Gegen den Branchentrend - der Umsatz der weltgrößten 50 Branchenvertreter sank von knapp 362 auf etwa 351 Milliarden Euro - konnte Walt Disney ein leichtes Plus erwirtschaften. Nach umgerechnet 25,7 Milliarden im Jahr 2008 flossen 25,9 Milliarden Euro in die Unternehmenskassen. Diese positive Entwicklung im operativen Geschäft spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Die Aktie notierte auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren, ehe das allgemein schwache Marktumfeld auch sie mit in die Tiefe zog. In Zukunft dürfte vor allem eine Meldung in Zusammenhang mit dem avisierten Verkauf des renommierten Hollywood-Studios Miramax Films den Kurs beflügeln. Miramax hat Blockbuster wie "Chicago" und "Pulp Fiction" auf die Kino-Leinwände gebracht und soll eine halbe Milliarde Euro wert sein.
Überzeugende Kontinuität: Comcast
Comcast hat sich still und leise auf den zweiten Rang der Liste der weltgrößten Medienkonzerne vorgeschoben. Das Unternehmen ist größter Internet-Service-Provider in den USA, produziert und liefert Inhalte und ist an Kontinuität kaum zu übertreffen. Das zeigt mitunter die Gewinnentwicklung. Trotz Wirtschaftskrise ist der Gewinn je Aktie im Jahr 2009 um knapp 32 Prozent gestiegen. 2010 und 2011 soll er nochmals höher ausfallen. Das KGV sinkt 2011 auf unter 13. Bereits früher - nämlich in diesem Jahr - dürfte Comcast zum weltgrößten Medienkonzern aufsteigen. Das Unternehmen hat im Dezember die Übernahme von NBC Universal angekündigt. NBC hat im vergangenen Jahr über elf Milliarden Euro umgesetzt. Aktuell steht die Freigabe durch das Kartellamt noch aus. Eine der Auflagen: Nach Übernahme muss sich Comcast von der Beteiligung am Internet-Video-Dienst Hulu.com trennen, an dem NBC 32 Prozent der Anteile hält. Der Deal könnte die Kassen klingeln lassen.
Einfach Murdoch: News Corp
Über die News Corp - hierzulande zum einen durch den nie um Worte verlegenen Rupert Murdoch, zum anderen durch die Beteiligung am Pay-TV-Sender Sky bekannt - hat der aktionär zuletzt in Ausgabe 36/09 berichtet. An den Aussichten hat sich nichts geändert. Die Aktie hat deutlich korrigiert, auch weil das Unternehmen die Erwartungen für die Zukunft etwas dämpfte. Gegenüber den Wettbewerbern hat der Titel Nachholpotenzial. Die Offensive im Internet-Segment - Murdoch will Stück für Stück nahezu alle Angebote in Bezahldienste wandeln - wird vom Markt noch nicht ausreichend honoriert.
Unterschätzt: Time Warner
Gar nicht honoriert hingegen wird die positive Entwicklung bei Time Warner. Das Unternehmen hat sich nicht nur von seinem Kabelgeschäft, sondern auch von der kriselnden Tochter AOL getrennt. Im Ranking führte das zum Sturz von Rang 1 auf 5. In Wahrheit gleicht es einem Befreiungsschlag. Derzeit sorgt Time Warner mit seinem "TV Everywhere"-Konzept für Furore. Management und Analysten versprechen sich viel vom Streaming-Service "HBO Go". David Miller von Caris & Company sieht den fairen Wert des Titels bei 38,00 Dollar und damit deutlich oberhalb der aktuellen Notierung.
Weiterhin positiv
Obwohl sich die Aktien der vier Konzerne bereits gut entwickelt haben, sind sie alle ein Kauf. Größtes Potenzial dabei hat Time Warner.
Dieser Artikel ist in Ausgabe 23/10 von DER AKTIONÄR erschienen. Dort finden Sie auch detaillierte Angaben zu Kurszielen und empfohlenen Stoppkursen. Die komplette Ausgabe können Sie auch hier als ePaper abrufen.