Martin Weiß
Der US-Speicherspezialist NetApp zeigt der Konkurrenz, was eine Harke ist: Im letzten Quartal meldete der Konzern einen Rekordumsatz, der Gewinn erhöhte sich um 50 Prozent. DER AKTIONÄR sprach mit dem EMEA-Chef des Unternehmens, Andreas König, über Marktanteile, Ziele und die Last, schneller als die Konkurrenz zu wachsen.
NetApp bleibt aus Anlegersicht eine intakte Investmentstory - und aus Sicht der Konkurrenten ein Ärgernis. Der auf Speichertechnologien spezialisierte US-Konzern steigerte im dritten Fiskalquartal 2010 (bis 29. Januar) den Umsatz um rund ein Drittel auf 1,01 Milliarden Dollar und den Gewinn vor Sonderfaktoren auf 0,40 (Vorjahr: 0,28) Dollar pro Aktie. An der Börse nimmt das NetApp-Papier seit Ende Februar wieder Fahrt auf, nachdem es in den ersten Wochen 2010 zu einer Konsolidierung gekommen war.
DER AKTIONÄR: Herr König, zu behaupten, die Geschäfte bei NetApp liefen einfach nur gut, wäre untertrieben.
ANDREAS KÖNIG: Ja, das kann man ausnahmsweise mal so sagen.
Sie haben ein starkes drittes Quartal gehabt und einen positiven Ausblick für das vierte gegeben. Wie hat sich NetApp in Deutschland entwickelt?
Sehr gut. In Deutschland sind wir bereits die Nummer 1 und trotzdem sind wir hier überdurchschnittlich stark gewachsen. Das finde ich faszinierend. Unsere Mannschaft ist gut aufgestellt und wir gehen die richtigen Märkte an - das hat sich jetzt ausgezahlt.
Wie haben sich die Marktanteile entwickelt?
Die Zahlen werden erst im März von IDC (Marktforschungsinstitut, Anm. d. Red.) veröffentlicht, erst dann können wir mit Bestimmtheit sagen, wie es gelaufen ist. In Europa haben wir uns innerhalb von vier Quartalen von Rang 5 auf Rang 3 vorgeschoben und liegen nun mehr oder weniger auf Höhe von Hewlett-Packard (Rang 2). Wahrscheinlich haben Sie auch die Zahlen von HP gesehen und die negative Entwicklung in Europa. Ich gehe schwer davon aus, dass wir in Europa nun mit einem klaren Vorsprung auf dem zweiten Rang liegen und mit großen Schritten Richtung Marktführerschaft unterwegs sind. Momentan beträgt unser Marktanteil 22,5 Prozent und ich denke, er wird sich so zwischen 23 bis 25 Prozent einpendeln.
Ist die Marktführerschaft in Europa noch 2010 drin?
Ich liebe die Herausforderung und bin, was das angeht, sehr ehrgeizig. Aber so schnell wird es wohl nicht klappen. Die untere Planung reicht bis 2012 also von jetzt an gerechnet in knapp 2,5 Jahren, dann sollten wir Marktführer sein. Wenn wir es früher erreichen sollten, umso besser, aber meine Planung sieht zwei Jahre vor.
Bei unserem letzten Gespräch hatten Sie erwähnt, dass sich Frankreich etwas schlechter entwickelt hat als der europäische Durchschnitt. Hat sich die Situation verbessert?
Frankreich ist für NetApp der schwächste und deshalb der schwierigste Markt in Europa, das gilt noch immer. Es ist ein hoch komplexer Markt mit einem extrem aggressiven Wettbewerbsumfeld. Die Besserung, die wir in Deutschland beobachten, fällt in Frankreich geringer aus, trotzdem zeigt der Trend aber nach oben.
Im Einsteigersegment hat NetApp die höchsten Zuwachsraten. Frankreich müsste aufgrund der Konjunkturkrise doch ein idealer Markt für die Produkte sein.
30 Prozent des IT-Volumens wird in Frankreich über die Regierung gesteuert, das ist der höchste mir bekannte Anteil in ganz Europa. Das heißt, die verbleibenden 70 Prozent sind stark von Großkunden mit großen Budgets getrieben. Frankreich hat den höchsten Anteil an Top-IT-Kunden in Europa und da konnten wir bislang nicht Fuß fassen. Wir haben großen Erfolg bei France Télécom und bei Peugeot oder Renault, aber das reicht natürlich nicht aus.
NetApp hat zuletzt von Lieferengpässen bei den Chip-Zulieferern gesprochen. Wurden da Umsätze auf dem Tisch liegen gelassen?
Die Frage stellt man sich doch jedes Quartal aufs Neue. Natürlich, wenn wir mehr geliefert bekommen hätten, dann hätten wir auch mehr in Rechnung stellen können. Aber das ist kein Problem. Die Buchungen sind erfolgt, nur können wir diese nicht gleich in Rechnung stellen.
Wird sich die Liefersituation im Laufe des Jahres verbessern?
Hewlett-Packard hat negative Wachstumszahlen gemeldet, EMC hat stagniert und IBM hat ebenfalls negative Werte gemeldet. Die Zulieferer orientieren sich am Markt und nicht an NetApp und wir stehen dann da mit annähernd 60 Prozent Zuwachs. Damit überfordern wir den einen oder anderen Lieferanten. Aber insgesamt betrachtet haben wir das absolut im Griff.
Wie läuft es für NetApp in Osteuropa?
Wir haben Büros in Ungarn aufgemacht, in Tschechien, Polen und Russland wurde aufgestockt. Obwohl der Markt auch dort relativ schwierig ist, sehen wir eine wesentlich schnellere Rückkehr zum Wachstum. Ich bin überzeugt, dass sich unsere Strategie, aggressiv in die Emerging Markets zu investieren, auszahlt.
NetApps größter Markt in Osteuropa ist Polen. Wird das so bleiben, oder sich in Richtung Russland verschieben?
Ich sehe Russland nicht so sehr als Teil Osteuropas. Ich bin überzeugt, dass Polen weiter überdurchschnittlich schnell wachsen wird, schneller als alle anderen osteuropäischen Länder. In Russland sind wir schon eine Zeitlang vertreten und dort ist der IT-Markt in der Rezession dramatisch eingebrochen, weshalb wir uns dort eher rückläufig entwickelt haben. Aber Russland wird heftig kommen. Das Land wird sich so schnell erholen, wie es zuvor abgerutscht ist.
Was heißt „schnell"?
Ich gehe davon aus, dass dies in den nächsten zwölf Monaten passieren wird. Russland ist gerade dabei sich sehr intensiv auf seine alten Werte zu fokussieren, also weg von der zu starken Abhängigkeit in Öl und in Gas und hin zur Produktion. Vor diesem Hintergrund ist auch das versuchte Engagement bei Opel zu sehen. Das hat zwar nicht geklappt, aber Russland bemüht sich extrem, auf diesem Feld wieder die Oberhand zu gewinnen. Geld genug ist vorhanden.
Fazit: Seit der Kaufempfehlung für NetApp Anfang 2009 notiert die Aktie 111 Prozent im Plus, dennoch ist die Story weiter voll intakt. Die Firma trotzt nicht einfach nur der Krise sondern nutzt sie, um den Anschluss an die Wettbewerber herzustellen. Für das Fiskaljahr 2011 (bis April 2011) rechnen Analysten mit Erlösen von 4,45 (2010e: 3,84) Milliarden Dollar und einem Gewinn von 1,69 (1,43) Dollar. Mit dem Bruch der 38-Tage-Linie hat NetApp ein starkes charttechnisches Kaufsignal geliefert. Anleger sollten auf dem aktuellen Niveau einsteigen.