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NetApp: "Unsere Story passt unglaublich gut in die Situation"

Martin Weiß

Der US-Konzern NetApp hat der Wirtschaftskrise wie kaum ein anderes IT-Unternehmen getrotzt und den Gewinn zuletzt verdoppelt. An der Wall Street zählen die Aktien des Speicherspezialisten mit einer Performance von mehr als 100 Prozent zu den Highflyern. DER AKTIONÄR hat mit Andreas König, dem Europachef des Unternehmens über Erfolgsfaktoren, Marktanteile und dankbare Osteuropäer gesprochen.

Von Krise keine Spur: NetApp hat in einem widrigen Marktumfeld seinen Umsatz auf Vorjahresniveau gehalten und den Gewinn mehr als verdoppelt. Der Spezialist für Storage- und Datenmanagement überraschte mit seinen robusten Geschäftszahlen für das dritte Quartal einmal mehr die Anleger. DER AKTIONÄR wollte von Andreas König die Gründe für den Erfolg wissen.

Wirklich große Kunden

DER AKTIONÄR: Die letzten Quartalszahlen lagen über den Erwartungen und Ihr Vorstandschef hat von einer gewissen Stabilität im Geschäft und einer besseren Stimmung gesprochen. Kann man das auch für Deutschland sagen?

Andreas König: Ja, das kann man auch für Deutschland und für Europa generell sagen. Es gibt natürlich immer noch ein paar Regionen, die mehr von der Rezession betroffen sind, beispielsweise Frankreich. Aber generell muss ich sagen, sehen wir ein deutlich verbessertes  Kaufverhalten und wir hatten auch die Chance deutlich Neukunden hinzu zu gewinnen.

Namhafte Kunden?

Auch namhafte Kunden. Wir können noch keine Namen nennen, aber es sind einige wirklich große Kunden mit ziemlich großem Engagement dabei.

Ist die Stimmungsaufhellung Ihrer Meinung nach ein nachhaltiger Trend?

Dafür spricht zumindest, dass wir das gesamte Quartal hindurch kontinuierlich Umsätze erzielt haben, selbst in den Sommermonaten. Man muss aber natürlich auch sehen, dass unsere Story unglaublich gut in die Situation passt. Die Leute müssen sparen und NetApp profitiert stärker als andere Firmen. Es kann natürlich auch sein, dass die die Situation völlig anders beurteilen.

Was meinen Sie genau?

Unsere Produkte zielen seit jeher darauf, die gesamte Datengebung effizienter zu gestalten. Liegen beispielsweise duplizierte Daten vor, werden diese zusammengenommen. Das macht unser System automatisch. Die Daten müssen auch nicht mehr physisch kopiert werden, sie können das mit unserem System virtuell. All das sind Dinge, die nur wir können und die am Markt extrem gut ankommen. Die Kunden wollen einen schnellen Return on Investment sehen und weil wir ihn den zeigen können, also wirklich zeigen, sind sie schon jetzt bereit zu investieren.

In welcher Zeitspanne machen sich die Systeme denn bezahlt?

In einem speziellen Fall war dieser Punkt schon nach drei Monaten erreicht, typischerweise aber nach einem Jahr. Die Firmen sind angesichts der Rezession noch vorsichtig, aber wenn sie den Return on Investment sehen, dann sind sie bereit zu kaufen. Die wissen genau, wenn sie sich jetzt nicht auf den Aufschwung vorbereiten, dann verlieren sie den Anschluss.

Hat NetApp im letzten Quartal Marktanteile hinzugewonnen?

Da müssen Sie auf die Ergebnisse von IDC (Marktforscher, Anm. d. Red.) warten, aber wenn Sie mich nach meinem Gefühl fragen: Ich bin absolut überzeugt, dass wir Marktanteile gewonnen haben. Ob die wieder in der Größenordnung von vier Prozent liegen, weiß ich nicht.

Wie hoch ist denn momentan NetApps Marktanteil?

Der beträgt etwa 14,5 Prozent. Wir sind laut IDC mit einem Punkt Abstand ganz knapp die Nummer drei hinter Hewlett-Packard.

Bezieht sich das auf Deutschland oder auf das Europageschäft?

Auf Europa. In Deutschland sind wir mit einem Marktanteil von 24 Prozent bereits die Nummer eins. Wir behaupten unsere Position und ich bin mir sicher, dass die Zahlen zeigen, dass wir Anteile hinzugewonnen haben.

Woher stammen die größten Wachstumsimpulse, aus Osteuropa oder aus Deutschland?

Mit Ausnahme von Frankreich hat jedes Land dazu beigetragen. Ich muss aber betonen, dass besonders England und Deutschland sehr schnell den Turnaround geschafft haben und wieder in die Wachstumsspur abgebogen sind. Die Investitionen, die wir im letzten Jahr getätigt haben, haben sich speziell in Russland, Osteuropa und Afrika ebenfalls ausgezahlt.

Wie wir von anderen Unternehmen erfahren haben, soll das Geschäft in Russland sehr schwierig sein. Können Sie das bestätigen?

Das Geschäft ist generell schwierig, deshalb muss man auf die richtige Strategie setzen. Ich bin nicht überrascht, dass Sie das von anderen hören. Aber ich habe andere Erfahrungen gemacht. Wir haben jetzt vor zwei Wochen unsere Tour durch Osteuropa abgeschlossen und überall, wo wir hingekommen sind, wurden wir mit offenen Armen empfangen. Man freut sich, dass wir zu einer Zeit, in der andere Firmen das Land verlassen, investieren. Das trifft auf Russland zu, aber ebenso auf Ungarn, Tschechien und Polen. In Polen, dem größten osteuropäischen Markt, haben wir unseren Marktanteil zuletzt von sechs auf zwölf Prozent verdoppelt. Man muss Mut haben und genau während der Rezession investieren, weil das speziell in Osteuropa nicht vergessen wird.  

Zurück nach Deutschland. Glauben Sie mit Sicht auf drei Monate, dass sich das Land aus der Krise rausarbeitet?

Was wir sehen, ist, dass unsere Kunden deutlich zuversichtlicher sind. Sie erkennen den Mehrwert unserer Produkte und versprechen sich einen Marktvorteil. Das gilt vor allem für die Telekomprovider, bei denen wir riesige Erfolge feiern. T-Systems ist ein gutes Beispiel, die sind weltweit unser größter Kunde. T-Systems setzt ausschließlich auf NetApp. Allein in den letzten drei Quartal hat T-Systems 20 Petabyte (1 PB = 1.000.000 GB, Anm. d. Red.) bei uns gekauft, und das ist viel.

Wie drückt sich das in Euro aus?

Das möchte ich nicht verraten, nur so viel: 20 Petabyte sind verdammt viel.

Herr König, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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