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Navistar gehört die Zukunft

Werner Sperber

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Peter Hofbauer, zehn Jahre lang das Gehirn in der Motorenentwicklung von Volkswagen, kann mit seiner Firma Ecomotor dafür sorgen, dass Navistar International die Konkurrenten von Daimler, Volvo oder Paccar abhängen wird. Der Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller will Hofbauers weiterentwickelte OPOC-Motoren zum Durchbruch verhelfen. Die Kunden können an Öko-Bewusstsein gewinnen und Geld sparen.


Navistar International, produziert zivile und militärische Lastwagen, Busse, Freizeitfahrzeuge, Fahrzeug-Chassis und Dieselmotoren und hat mit den Zahlen für das erste Quartal des Ende Oktober ablaufenden Geschäftsjahres 2010/11 enttäuscht. Navistar liefert die Motoren unter anderem an Ford, General Motors, Volkswagen, Volvo, Nissan oder Land Rover. Dem im Jahr 1902 gegründeten Konzern mit Sitz in Warrenville im US-Bundesstaat Illinois, dürfte jedoch künftig aufholen, denn Navistar kann seinen Kunden wohl schon bald Motoren anbieten, welche kostengünstiger sind und weniger Treibstoff verbrauchen. Dazu arbeitet Navistar seit kurzem mit dem im Jahr 2008 gegründeten US-Unternehmen Ecomotors zusammen.

Die Zahlen haben enttäuscht

Navistar unterteilt das operative Geschäft in die Sparten "Nutzfahrzeuge (Truck)", "Motoren (Engine)", "Ersatzteile (Parts)" und "Finanzdienstleistungen (Financial Services)". Im ersten Fiskal-Quartal 2010/11 steuerte Truck 65,6 Prozent zum Konzernumsatz bei, Engine 17,5 Prozent, Parts 15 Prozent und Financial Services 1,8 Prozent. Der Sparten-Gewinn von Truck stieg um fünf Prozent auf 32 Millionen Dollar und der von Financial Services um 167 Prozent auf ebenfalls 32 Millionen Dollar. Das Segment-Ergebnis von Engine verschlechterte sich von plus 54 Millionen auf minus acht Millionen Dollar, das von Parts sank um 29 Prozent auf 56 Millionen Dollar. Insgesamt verringerte sich der Umsatz des bilanziell eher schwachen Konzerns um 2,3 Prozent auf 2,74 Milliarden Dollar. Der Nachsteuergewinn brach um 81,3 Prozent auf sechs Millionen Dollar ein und das Nettoergebnis verschlechterte sich von plus 19 Millionen auf minus sechs Millionen Dollar beziehungsweise minus 0,08 Dollar je Aktie. Damit blieb Navistar hinter den Erwartungen des Marktes zurück.

Vorstandsvorsitzender Daniel Ustian und Finanzvorstand Andrew Cederoth erwarten für das gesamte Fiskaljahr 2010/11 Erlöse von 13,6 Milliarden bis 14,3 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 311 Millionen bis 388 Millionen Dollar respektive vier bis fünf Dollar pro Anteilschein. Analysten schätzen die Gewinne je Aktie für 2010/11 und 2011/12 auf 5,30 Dollar beziehungsweise 7,26 Dollar, was KGVs von 12 respektive 9 entsprechen würde.

OPOC ist aus den Kindermann-Schuhen raus

Für langfristig orientierte Investoren dürfte neben den Zahlen allerdings die jüngst vereinbarte Zusammenarbeit von Navistar mit Ecomotors sein. Der österreichische Unternehmensgründer Peter Hofbauer war zehn Jahre lang Leiter der Volkswagen-Motorenentwicklung. Nun hat er die bereits im Jahr 1877 von Ferdinand Kindermann patentierte Motorenart des "Gegenläufers" weiterentwickelt. Hofbauers OPOC-Motor (Opposed Piston - Opposed Cylinder) ist ein leichter, hochleistender Gegenkolbenmotor, bei dem zwei Kolben im selben Zylinder gegeneinander arbeiten und sich einen gemeinsamen Brennraum in der Mitte des Zylinders teilen. Der Gegenläufer ist ab dem Jahr 1930 unter anderem in Flugzeugen und Schiffen eingesetzt worden, geriet aber wegen thermischer Probleme in Vergessenheit. Hofbauer schaffte es, die Schadstoffmenge im Abgas und den Ölverbrauch seines OPOC-Motors auf das Niveau eines Viertakters zu senken. Der OPOC bietet eine Leistung von bis zu 600 PS, benötigt weniger Bauteile als ein gewöhnlicher Viertakt-Motor und verbraucht 15 bis 50 Prozent weniger Treibstoff. Zudem ist die Herstellung eines OPOC-Motors ungefähr 20 Prozent günstiger.

"Grüne", günstige Motoren-Revolution

Experten schätzen, dass der Motor durch seine hohe Effizienz auch Hybrid- und Elektroautos Konkurrenz machen kann. Die EADS-Tochterfirma Eurocopter hat einen Hybrid-Helikopter mit OPOC-Motor vorgestellt, der bis zu 50 Prozent weniger Treibstoff benötigt. Vor wenigen Monaten stiegen Microsoft-Gründer Bill Gates und Vinod Khosla, Mitgründer von Sun Microsystems, mit 23,5 Millionen Dollar bei Ecomotors ein. Khosla, rühmt die "bahnbrechende Innovation, die weiten Teilen der Weltbevölkerung ökonomischen und ökologischen Nutzen bringen kann, ohne dass dafür Subventionen oder große Infrastruktur-Investitionen nötig wären". Navistar-Konzernchef Ustian versprach: "Wir werden den Motor bis zur Marktreife entwickeln. Der Motor von Ecomotors ist eine bahnbrechende Erfindung, die das Potenzial hat, den gesamten Markt der Verbrennungsmotoren zu revolutionieren."

Kursziel erhöht

Analysten geben das Kursziel im Schnitt mit 75 Dollar an. Henry Kirn, Analyst der UBS, hat nach den Zahlen seine Einstufung für die Aktie von Navistar mit "Buy" bestätigt, allerdings sein Kursziel von 80 auf 85 Dollar erhöht. DER AKTIONÄR sieht vor allem langfristig gute Chancen und rät zum Einstieg; mögliche Rücksetzer könnten zunächst noch zu Notierungen von 60 Dollar beziehungsweise 43 Euro führen. Das Kursziel beträgt 80 Dollar respektive 56,50 Euro und der Stoppkurs sollte bei 52 Dollar oder 36,80 Euro gesetzt werden.

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