Bastian Galuschka
Erst kürzlich hatte DER AKTIONÄR auf die weitgehend noch unbekannte Micromet-Aktie hingewiesen. Wie sich am Freitag vergangener Woche herausstellte, zu Recht. Die dort präsentierten Studiendaten bei Leukämie-Patienten fielen äußerst vielversprechend aus.
Das deutsch-amerikanische Biotech-Unternehmen Micromet, am vergangenen Dienstag noch als Tipp des Tages vorgestellt, präsentierte wie angekündigt kurz vor dem Wochenende Studiendaten bei Patienten mit Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL). Und die konnten sich mehr als sehen lassen.
Anprechrate bei 75 Prozent
Neun der zwölf mit Micromets Medikamentenkandidaten Blinatumomab behandelten Leukämie-Patienten sprachen auf die Therapie an, sechs davon erreichten eine sogenannte „Complete Remission (CR)", waren also vollständig frei von Krebszellen. Die Ergebnisse sind deshalb so bemerkenswert, weil es sich um Petienten handelt, die nach vorherigen Chemotherapien wieder rückfällig geworden waren. Gerade diese haben eine sehr negative Prognose. „Ihre 5-Jahres-Überlebensrate liegt statistisch unter 20 Prozent", erklärte Stefan Müller, Portfoliomanager der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech jüngst im AKTIONÄR-Interview. BB Biotech ist mit 7,3 Prozent an Micromet beteiligt.
Vorstandsvorsitzender hochzufrieden
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur reuters zeigte sich Micromet-Vorstandsvorsitzender Christina Itin daher hochzufrieden über die Daten und bezeichnete sie als „sehr ermutigend". Er betonte vor allen Dingen, dass die CR-Raten bei Patienten mit herkömmlichen Chemotherapien nur zwischen 17 und 45 Prozent liegen. Im Gegensatz zu Chemotherapien wirkt der Antikörper Blinatumomab als Brücke zwischen den körpereigenen T-Zellen und den Krebszellen, ermöglicht somit den T-Killerzellen die feindlichen Zellen zu zerstören.
Auf Basis der Daten-Zwischenanalyse dürften die Micromet-Verantwortlichen im kommenden Jahr wohl mit der letzten und entscheidenen klinischen Phase für Blinatumomab bei ALL-Patienten starten. Ein Markteintritt wird allerdings noch etwas auf sich warten lassen. Bis zum Jahr 2014 werden sich die Aktionäre noch gedulden müssen. Viel schneller könnte es jedoch zu einem Lizenzdeal mit einem Pharmapartner kommen. Micromet hält bislang noch sämtliche weltweiten Rechte an Blinatumomab.

Für Anleger mit langem Atem
Nach der Enttäuschung bei der deutschen 4SC können sich Anleger, die sich für Biotech-Aktien interessieren, zusammen mit den Patienten und Verantwortlichen von Micromet freuen. Die Daten von Blinatumomab fielen sehr gut aus. Allerdings ist es bis zur Marktzulassung ein weiter Weg. Wie so oft bei Biotech-Investments ist daher auch bei der Micromet-Aktie Geduld gefragt.