Werner Sperber
Joy Global, Hersteller von Maschinen und Gerät für Minenbetreiber, hat die Schätzungen der Analysten für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 übertroffen und mit Rekordzahlen für das gesamte Fiskaljahr die eigenen Prognosen erneut überboten. Dennoch gibt es einen Grund, um als Aktionär jetzt besonders aufmerksam zu sein.
Michael Sutherlin, Vorstandsvorsitzender von Joy Global, hat bei der Vorstellung der Drittquartalszahlen Anfang September die Gewinnziele für das Ende Oktober abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 angehoben. Insgesamt erwartete der konservativ prognostizierende Konzernchef einen Umsatz von 3,5 bis 3,6 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von vier bis 4,20 Euro. Bei der jüngst getätigten Präsentation der Zahlen für das vierte Fiskalquartal sind diese Prognosen übertroffen worden. Aufgrund der im gesamten Geschäftsjahr aber stark rückläufigen Auftragsbestände, geht Sutherlin für das Fiskaljahr 2009/10 aber von sinkenden Erlösen und Erträgen aus: Er erwartet Umsätze von 2,8 bis drei Milliarden Dollar und einen Gewinn je Anteilschein von 2,65 bis 3,05 Dollar.
Die Zahlen werden schwächer
Im Gesamtjahr 2008/09 erreichte der Maschinenbaukonzern Rekorde bei Erlös und Ertrag. Insgesamt legten die Umsätze um 5,2 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar zu. Das operative Ergebnis stieg aufgrund der Erfolge bei den Sparbemühungen um 27,4 Prozent auf 702,3 Millionen Dollar und der Nettogewinn erhöhte sich um 21,5 Prozent auf 454,7 Millionen Dollar beziehungsweise auf 4,41 Dollar je Aktie. Erfreulich ist, dass der Konzern die Nettoschulden zum 31. Oktober deutlich auf 70 Millionen Dollar reduziert hat. Das Eigenkapital erhöhte sich um 52,8 Prozent auf 813,7 Millionen Dollar und die Eigenkapitalquote von 20,1 auf 27 Prozent. An den Zahlen für das vierte Quartal ist aber bereits abzusehen, dass die Hochphase durchschritten ist: Die Erlöse verringerten sich im Jahresvergleich um 6,6 Prozent auf 963,5 Millionen Dollar und der operative Ertrag um 4,2 Prozent auf 184,1 Millionen Dollar. Einzig der Nettogewinn legte um 5,1 Prozent auf 124 Millionen Dollar respektive 1,20 Dollar je Anteilschein zu.
Jetzt kommt die einjährige Delle
Da President und Chief Executive Officer Sutherlin Joy Global aber sehr gut auf die Weltwirtschaftskrise eingestellt hat, sind die operativen Gewinnspannen in den Sparten "Maschinen für den Untertagebau" und "Maschinen für den Übertagebau" selbst im vierten Fiskalquartal noch auf 22,1 beziehungsweise 21,8 Prozent angestiegen. Im Segment "Brech- und Fördertechnik" verringerte sich die Marge im Jahresvergleich auf 11,1 Prozent. Auf die Dauer lassen sich die beständig vor allem im Oberflächen-Geschäft weiter einbrechenden Auftragsbestände aber nicht ausgleichen. Der Wert des Bestandes an Bestellungen im Geschäft mit Maschinen und Geräten sank um 55,7 Prozent auf 1,56 Milliarden Dollar und der Auftragsbestand im Dienstleistungsgeschäft reduzierte sich zum 31. Oktober um 30,1 Prozent auf 501 Millionen Dollar.
"Asche" hängt von der Kohle ab
Alles in allem betrachtet, sind sich Sutherlin und Bryan Ashenberg, Portfoliomanager von Breakout Stocks, ziemlich einig: Das Geschäft mit den kohlefördernden Unternehmen sowie mit den Schwellenländern wird für Joy Global im neuen Geschäftsjahr entscheidend werden. Nachdem die Viertquartalszahlen besser ausgefallen sind, als von Ashenberg geschätzt, und er, wie auch Sutherlin, der Ansicht ist, Joy Global habe die Talsohle im Minengeschäft bereits durchschritten, rät der Manager zum Einstieg bei Joy Global.

Kursziel erreicht und angehoben
DER AKTIONÄR sieht die Lage nicht mehr ganz so rosig wie bisher, denn bei einem prognostizierten KGV von bestenfalls 18 für 2009/10 sind noch höher steigende Bewertungen vorerst nur charttechnisch zu rechtfertigen. Auch das auf 35 Euro beziehungsweise 50 Dollar angehobene Kursziel hat die Aktie nach einem Kursplus von 190 Prozent seit dem ersten Hinweis des AKTIONÄRs Anfang März 2009 schon erreicht. Seit Mitte November bildete sich ein Abwärstrend aus, jedoch befindet sich bei 50 Dollar nun eine horizontale Unterstützung. Der seit März ausgebildete Aufwärtstrend ist zudem intakt und die Aufwärtstrendlinie verläuft etwas unterhalb der 38-Tagelinie, die sich derzeit bei 53,30 Dollar befindet. Bleibt der Aufwärtstrend erhalten und schafft es die Notierung die kurzfristige Abwärtstrendlinie zu überwinden, dann sind Kurse von annähernd 70 Dollar respektive 45 Euro möglich. Der Stoppkurs sollte auf Werte bei 42 Dollar beziehungsweise 25 Euro nachgezogen werden.