Bastian Galuschka
Eine Expertengruppe der US-Gesundheitsbehörde FDA hat eine Zulassungsempfehlung für das Lupus-Medikament Benlysta von Human Genome abgegeben. Trotz der positiven Nachricht schwächelt der Kurs.
Spannender als so manche Tatort-Folge. So könnte man die Sitzung eines Expertenpanels der US-Gesundheitsbehörde FDA am gestrigen Dienstag beschreiben. 15 Mitglieder kamen dort zusammen, um eine Empfehlung für oder gegen eine Zulassung des Medikamentenkandidaten Benlysta abzugeben. Benlysta, der Hoffnungsträger der Biotech-Schmiede Human Genome, könnte nach langen 50 Jahren das erst neue zugelassene Medikament zur Behandlung der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes werden. Und seit gestern stehen die Chancen dafür sehr gut.
Breite Zustimmung der Experten
Zahlreiche US-Blogs kommentierten die Panel-Sitzung live. Zwischenzeitlich drohte sich das Blatt sogar erheblich gegen Benlysta zu wenden, was den ein oder anderen Blog-Teilnehmer schier zur Verzweiflung trieb. Jedoch nach langem Zittern endete das Treffen für alle mit einem Happy End. Mit 13:2 Stimmen sprachen sich die Experten trotz zwischenzeitlicher Zweifel deutlich für eine Zulassung von Benlysta aus. Erfreulich: Dass das Medikament sicher ist, wurde gar mit 14:1 Stimmen bestätigt. Im Vorfeld war dieser Punkt heiß diskutiert worden, einige Experten befürchteten gar, Human Genome könnte im Extremfall die Durchführung weiterer Studien drohen. Auch wenn man bei Zulassungsentscheidungen der US-Gesundheitsbehörde FDA immer sehr vorsichtig sein muss, dürfte der Weg für eine erfolgreiche Zulassung von Benlysta nach dem gestrigen Panel-Meeting geebnet sein. Noch in diesem Jahr dürfte die FDA die endgültige Zulassungsentscheidung bekannt geben.
Übernahme voraus?
Neben den rund 1,5 Millionen Lupus-Betroffenen in den USA können sich auch die Verantwortlichen und Aktionäre von Human Genome freuen. Experten rechnen damit, dass Benlysta dem Unternehmen Erlöse von über zwei Milliarden Dollar bescheren könnte. Damit würde Human Genome in den kommenden zwei bis drei Jahren endlich der Durchbruch hin vom rein forschenden zum vermarktenden Biotech-Unternehmen gelingen, das zudem hochprofitabel arbeiten wird.
Genau diese Punkte wiederum machen Human Genome auch zu einem attraktiven Übernahmeziel. Mit Hinblick auf das Marktpotenzial von Benlysta erscheint die Bewertung von Human Genome mit einer Marktkapitalisierung von nicht einmal fünf Milliarden Dollar als günstig. Mit dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline wird Human Genome bei der Vermarktung von Benlysta eng zusammenarbeiten. Denkbar wäre also durchaus, dass sich Glaxo den Partner mittelfristig komplett einverleibt und sich so alle Rechte an Benlysta sichert.

Zulassung wahrscheinlich, Aktie fällt
Gestern notierte die Human-Genome-Aktie nachbörslich rund 15 Prozent im Plus. Davon ist heute nichts mehr übrig geblieben. Infolge einiger Analysten-Abstufungen fällt der Titel über fünf Prozent. Manche Experten erwarten eine Verschiebung der FDA-Entscheidung in das nächste Jahr und bewerten die Aktie daher derzeit nur mehr mit "Halten". DER AKTIONÄR hält indes an seiner Einschätzung fest, dass Human Genome einer rosigen Zukunft entgegensteuert. Kursschwäche kann daher weiter für einen Neueinstieg genutzt werden.