Frank Phillipps
Licht und Schatten in der Bilanz von Gilead für das erste Quartal 2010. Beim Ausblick rudert der Biotech-Konzern zurück. Die Aktie gerät unter Druck. Was sollten Anleger jetzt tun?
Auf den ersten Blick sehen die Zahlen, die Gilead Sciences für das erste Quartal 2010 vorgelegt hat, recht gut aus: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 36 Prozent auf 2,09 Milliarden Dollar. Der Gewinn erhöhte sich sogar um 45 Prozent auf 854,9 Millionen Dollar oder 0,92 Dollar je Aktie. Bereinigt um Sondereffekte stand unter dem Strich sogar ein Plus von 0,99 Dollar je Anteilschein. Die Prognosen der Analysten konnte der Biotech-Konzern aus dem kalifornischen Foster City damit übertreffen. Die Experten hatten im Durchschnitt mit einem Umsatz in Höhe von 2,07 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 0,96 Dollar je Aktie gerechnet.
Ausblick enttäuscht
Dass die Aktie trotzdem im Nachgang zu den Zahlen unter Druck geriet, hatte andere Gründe. Zum einen zeigten sich die Analysten enttäuscht über die Entwicklung der Verkäufe bei Gileads wichtigsten HIV-Medikamenten. So stiegen die Umsätze mit der Arznei Truvada im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um elf Prozent auf 657,8 Millionen, Analysten hatten jedoch Umsatzerlöse von 680 Millionen Dollar erwartet. Die Verkäufe von Truvada zogen sogar um 36 Prozent auf 692,9 Millionen Dollar an - Marktbeobachter hatten hier jedoch mit 726 Millionen Dollar gerechnet.
Darüber hinaus verhagelte Analysten und Anlegern die Revision des Ausblicks für das Gesamtjahr die Kauflaune. Gilead geht nun davon aus, im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 7,4 bis 7,5 Milliarden Dollar zu erzielen - 200 Millionen Dollar weniger als ursprünglich geplant. Das Unternehmen begründete die Senkung der Prognose mit den Auswirkungen der Gesundheitsreform in den USA. Die Regierung verlange von den Medikamentenherstellern erheblich Preisnachlässe für staatlich geförderte Gesundheitsprogramme.

Ass im Ärmel
Erwartungen nur teilweise erfüllt, Prognose zurück genommen. Hinzu kommt, dass Gilead ein vielversprechendes Entwicklungsprojekt für ein Hepatitis-C-Mittel aufgrund von Sicherheitsbedenken einstellen muss. Keine Frage, die Kalifornier und ihre Aktionäre haben schon sonnigere Tage erlebt. Auf der anderen Seite bleibt Gilead im Bereich HIV-Medikamente Quasi-Monopolist und hat mit der in der Entwicklung befindlichen "Quad-Pille" hier noch ein Ass im Ärmel. Anleger sollten bei der Aktie dabeibleiben. DER AKTIONÄR bestätigt sein Kursziel von 45 Euro für den Titel. Ein Stopp bei 27,50 Euro sichert ab.