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Experte sicher: "Ohne harte Einschnitte wird es auch in den USA nicht mehr gehen"

Michael Schröder

Der US-Schuldenstreit bleibt das Top-Thema an den Weltbörsen. Die Mehrheit der Börsianer glaubt zwar an eine Einigung in letzter Sekunde im US-Haushaltstreit. Doch ist diese dann auch der Befreiungsschlag für die Aktienmärkte? Oder droht doch der Kollaps der Weltwirtschaft? DER AKTIONÄR fragte nach bei Postbank-Chefvolkswirt Dr. Marco Bargel.

Wie ein Damoklesschwert schwebt der US-Schuldenstreit über den Weltbörsen. Vergeblich warten die Anleger auf eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten. Am Donnerstag sprach DER AKTIONÄR mit Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der DekaBank, über seine Einschätzung der Lage, mögliche Auswege aus der Schuldenkrise und die weitere Entwicklung von Dow Jones, DAX & Co. Zum Wochenschluss stand Postbank-Chefvolkswirt Dr. Marco Bargel Rede und Antwort.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Bargel, die Mehrheit der Börsianer glaubt an eine Einigung in letzter Sekunde im US-Haushaltstreit. Sie auch?

Dr. Marco Bargel: Ja! Die politischen Parteien werden nicht riskieren, dass die USA zahlungsunfähig wird und dadurch ihre Reputation als erstklassiger Schuldner auf's Spiel setzt.

Ziehen Sie dieses Icon auf eine BildflächeBleibt die Einigung aus: Was wären die Folgen für die Wirtschaft und für die Finanzmärkte?

Die Folgen dürften in erster Linie von der Dauer der Zahlungsunfähigkeit abhängen. Ein kurzfristiger Default würde sicherlich einen deutlich geringeren Schaden anrichten als eine lang andauernde Hängepartie ohne erkennbare Einigung auf eine Anhebung der staatlichen Schuldengrenze. Im zweiten Fall wären starke Auswirkungen auf die Rentenmärkte sowie auf den US-Dollar zu erwarten. Auch die Aktienmärkte dürften in einem solchen Szenario kaum verschont bleiben. Für unsere Wirtschaft könnte die zu erwartende US-Dollarschwäche zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit führen. Der Finanzsektor wäre von einer Herabstufung des Ratings von US-Staatsanleihen, die bei einem Zahlungsausfall unausweichlich ist, stark betroffen.

Erste Stimmen sprechen von einem totalen Kollaps der Weltwirtschaft. Wie realistisch ist dieses Szenario?

Die Auswirkungen eines lang anhaltenden Defaults der USA wären gravierend, da sich die Richtung der globalen Kapitalströme stark verändern würde. Dies würde nicht ohne Folgen für die Realwirtschaft bleiben. Die vielleicht größte Gefahr für die Weltwirtschaft ginge von einem möglichen Dominoeffekt im Finanzsektor aus, ähnlich wie im Fall der Pleite der US-Bank Lehman Brothers vor ein paar Jahren. Hieraus könnte eine lang anhaltende globale Rezession resultieren.

Und im Umkehrschluss - wären mit einer Einigung im US-Haushaltsstreit wieder alle Sorgen vom Tisch? Wie geht es mittel- und langfristig weiter? Können die USA ihren gigantischen Schuldenberg überhaupt jemals abtragen?

Nein! Die USA müssen unbedingt Maßnahmen zur Rückführung ihres Haushaltsdefizits ergreifen. Sonst werden sie bald wieder vor einem ähnlichen Problem stehen, da die staatliche Verschuldung weiter rapide zunimmt. Ohne harte Einschnitte wird es auch in den USA nicht mehr gehen, da die Wirtschaft aufgrund der angehäuften strukturellen Probleme in den kommenden Jahren nur unterdurchschnittlich wachsen wird. Ein "Herauswachsen" aus den Schulden wird es also vermutlich nicht geben.


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Wie und vor allem wer kann den viel zitierten Karren aus dem Dreck ziehen?

Vor allem die US-Regierung muss bei den erforderlichen Konsolidierungsmaßnahmen Mut beweisen und die Bevölkerung auf den unvermeidlichen Sparkurs einschwören. Letztendlich müssen sich die US-Amerikaner von ihrem jahrelang praktizierten Modell eines konsumgestützten Wachstums zu Lasten der finanziellen Stabilität verabschieden. Hier sind bereits vielversprechende Ansätze erkennbar, wie der Anstieg der privaten Sparquote in den letzten Jahren zeigt.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung für Dow Jones, DAX & Co?

Die Aktienmärkte befinden sich angesichts der Verschuldungskrise im Euroraum und in den USA auf sehr rauer See. Hinzu kommen wachsenden Zweifel an der Nachhaltigkeit des Konjunkturaufschwungs und eine abnehmende Gewinndynamik bei Unternehmen. Das Zinsumfeld bleibt allerdings günstig. Dies sollte in Verbindung mit einer moderaten Bewertung der Aktien und einer aus unserer Sicht wahrscheinlichen Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung für wieder steigende Kurse im kommenden Jahr sorgen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Aktien-Reports

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