Electronic Arts bald unter der Haube?

Erst Walt Disney, nun auch Microsoft - die Liste der Übernahmeinteressenten für den Videospiele-Vermarkter Electronic Arts wird so langsam länger. Doch wie wahrscheinlich ist ein Deal tatsächlich?
Erst Walt Disney, nun auch Microsoft - die Liste der Übernahmeinteressenten für den Videospiele-Vermarkter Electronic Arts wird so langsam länger. Doch wie wahrscheinlich ist ein Deal tatsächlich?
Steckt in Steve Ballmer ein kleiner Zocker? Gerüchten zufolge ist der Microsoft-Chef an einer Übernahme des Videospieleherstellers Electronic Arts (EA) interessiert. Die Spekulationen trieben die EA-Aktie am gestrigen Handelstag nach oben, der Titel legte zweistellig zu.
Schnäppchen für den großen Geldbeutel
Auf den ersten Blick sicherlich überraschend, würde eine solche Transaktion beim zweiten Hinsehen durchaus Sinn machen. Mit einer Marktkapitalisierung von 5,8 Milliarden Dollar ist EA mittlerweile nur mehr einen Bruchteil dessen wert, was noch vor ein paar Jahren für das Unternehmen bezahlt worden ist Microsoft könnte die Übernahme folglich locker aus der Portokasse stemmen. Zwar veröffentlicht EA derzeit seine Spiele für den PC als auch für sämtliche Konsolenvarianten. Würde sich Microsoft jedoch die Rechte sichern, stünde einer exklusiven Vermarktung der Spiele für den PC und die hauseigene Konsole Xbox 360 nichts mehr im Wege. Die Xbox-Verkäufe ließen sich somit sicherlich deutlich ankurbeln. Zwar liegt Microsoft nach eigenen Angaben hier mit 28 Millionen Exemplaren vor dem Erzrivalen Sony. Jedoch hinkt man hinter dem Marktführer Nintendo und seiner Wii (bislang 45 Millionen Mal verkauft) weiter deutlich hinterher.
Mickey Mouse is in the game
Microsoft ist aber wohl nicht das einzige Unternehmen, das seine Fühler nach EA ausgestreckt hat. Bereits im Dezember waren Gerüchte aufgekommen, Disney Interactive, die Tochter des Mediengiganten Walt Disney, hätte Interesse an EA. Disneys Finanzchef Tom Skaggs hatte kurz zuvor erklärt, eine strategische und attraktive Übernahme wäre durchaus denkbar. Ähnlich wie bei Microsoft wären auch bei einer Ehe zwischen dem Medienriesen und EA Synergien möglich. So hält Disney mit 80 Prozent die Mehrheit am US-Sportsender ESPN, EA wiederum ist traditionell stark aufgestellt bei Sportspielen wie Madden NFL, NHL oder FIFA. Mit EA im eigenen Boot könnte sich Disney Schätzungen zufolge zudem rund 200 Millionen Dollar jährlich einsparen, die aktuell noch für eigene Spieleentwicklungen anfallen. Denkbar wäre auch, dass Helden aus erfolgreichen EA-Spielen später in einem Disneyfilm auf die Kinoleinwand gelangen.
Nichts überstürzen
Auch wenn die Gerüchteküche derzeit brodelt, Anleger sollten einen Einstieg bei der Aktie von Electronic Arts nicht überstürzen. Zwar hat sich die charttechnische Lage mittlerweile etwas entschärft, die Bodenbildung ist aber noch nicht abgeschlossen. Das Management hat zudem noch keine genaue Prognose für das laufende und das kommende Geschäftsjahr veröffentlicht, womit eine fundamentale Bewertung derzeit nicht möglich ist. Fakt ist jedoch: Wollen sich die oben genannten Unternehmen im Videospielebereich verstärken, wäre die Liste möglicher Kandidaten überschaubar. Und Electronic Arts stünde mit Sicherheit weit oben.
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