 Werner Sperber Nach der Pleite von Lehman Brothers brauchen die Politiker Durchsetzungskraft und die Banker Einsehen, um solche Krisen zu verhindern. Doch die Rezession ist angesichts der Konjunkturmeldungen aus dem Rampenlicht gerückt. Damit droht ein „weiter so, wie bisher“. Nach der Pleite von Lehman Brothers brauchen die Politiker Durchsetzungskraft und die Banker Einsehen, um solche Krisen zu verhindern. Doch die Rezession ist angesichts der Konjunkturmeldungen aus dem Rampenlicht gerückt. Damit droht ein „weiter so, wie bisher“. US-Präsident Barack Obama wirft den Banken, ein Jahr nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Rückkehr zu hochriskanten Geschäften vor. Die Institute müssten bei einer erneuten Schieflage davon ausgehen, ihrem Schicksal überlassen zu werden: „Sie können nicht darauf vertrauen, dass sie der Steuerzahler auch beim nächsten Mal wieder auffängt. Ich habe führende Kongressmitglieder gebeten, die Regulierungsreform in diesem Jahr durchzusetzen.“ Der „Weltfinanzgipfel“ der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am 24. und 25. September im US-amerikanischen Pittsburgh ist allerdings uneinig über strengere Kapitalvorschriften. Richard Bove, Analyst von Rochdale-Securities, möchte keine strengen Regeln: „Die Kapitalvorschriften werden die Wettbewerbsfähigkeit der großen Banken einschränken.“ Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz warnte dagegen, die Finanzkrise sei alles andere als ausgestanden: „Die Probleme sind sogar noch schwerwiegender als 2007 vor der Krise." Die Regulierungsreform komme zu langsam voran. Peter Solomon, ehemaliger Lehman-Verwaltungsrat, pflichtet Stiglitz im Interview des Wall Street Journal bei: „Wir haben keine echte Veränderung, wie Banken geführt und reguliert werden. Es gibt nur einige Banken weniger.“ Die Zombies zocken weiter Niall Ferguson ist einer der bekanntesten und renommiertesten Wirtschaftshistoriker. Im Gespräch mit dem Handelsblatt kritisiert er die Unbelehrbarkeit von Bankern und Politikern: „Dass die Großbanken in Schwierigkeiten kommen würden, konnte man lange zuvor an ihren horrenden Schulden in den Bilanzen erkennen. Mir war klar, dass wir in etwas geraten waren, wovor der amerikanische Ökonom Hyman Minsky gewarnt hatte, nämlich in eine zweite Weltwirtschaftskrise.“ Ferguson gibt dem ehemaligen US-Finanzminister Hank Paulson eine Mitschuld am Untergang von Lehman und der folgende Panik: „Paulson hat sicher unterschätzt, welch ein Erdbeben die Lehman-Pleite auf den internationalen Finanzmärkten auslösen würde. Das Krisenmanagement handelte nur im Interesse der USA und hatte keine globale Perspektive. Das größte Problem war, dass die Politik seit der Krise von Bear Stearns keine konsistente Linie hatte. Es war nicht klar, ob der Staat alle systemwichtigen Banken stützen würde. Dass dies bei Lehman nicht geschah, erzeugte enorme Unsicherheit und Panik. Die Lehren sind sehr klar, aber wir folgen ihnen nicht. Keine Bank sollte „too big to fail“ sein.” Die „Zombies“ zocken fröhlich weiter, denn Ferguson erklärt: „Wir sind heute in einer Situation, wo die Überlebenden, also Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan, eine implizite Staatsgarantie genießen. Sie können nicht untergehen, weil niemand einen zweiten Fall Lehman riskieren will. Das gibt ihnen die Möglichkeit ihr mit Krediten finanziertes Spiel auf den Finanzmärkten fortzusetzen. Die ironische Konsequenz ist, dass die Rettung aus der Krise uns in eine noch schlimmere Lage gebracht hat.“ Höhere Kapitalanforderungen an die Banken könnten zwar den Spieltrieb eindämmen, solche Maßnahmen seien notwendig, „aber sie reichen nicht aus. Selbst wenn man die Investmentbanken jetzt zwingt, ihre Bilanzsumme im Verhältnis zum Kernkapital (Leverage Ratio) von 30 auf 20 zu 1 zu reduzieren, wird damit noch nicht die Staatsgarantie aufgehoben.“ Einer Transaktionssteuer für Finanzspekulationen steht Ferguson skeptisch gegenüber: „Ich finde das nicht überzeugend, weil damit nur die Symptome, nicht aber die wirklichen Ursachen der Misere bekämpft werden. Ohne eine weltweite Einführung bleibt eine sogenannte Tobin-Steuer wirkungslos.“ Auch die Begrenzung von Boni sei nicht der Weisheit letzter Schluss: „Auch damit würde man nur an den Symptomen herumdoktern. Besser ist es auch hier, die Staatsgarantien zu entziehen und die Kapitalanforderungen zu erhöhen. Dann hätten die Banken weniger Mittel, um große Boni auszuschütten.“ Die nächsten Krisen stehen vor der Tür Wirtschaftshistoriker Ferguson sieht als größtes verbliebenes Risiko der Finanzkrise einen neuen Fall Lehman: „Wenn es nicht zum Untergang weiterer Banken kommt, wird sich der Schuldenberg von den Bankbilanzen auf die nationalen Haushalte verlagern. Im nächsten Jahr werden wir sehen, welche Regierungen finanzielle Verpflichtungen eingegangen sind, die sie nicht erfüllen können. Länder wie Irland gehören sicher ganz oben auf diese Liste. Das größte Risiko besteht also auf den Anleihemärkten.“ Finanzjournalist Alexander Hagelüken erinnerte in der Süddeutschen Zeitung an ein Thema, das wieder von der politischen Tagesordnung verschwunden ist: das Ungleichgewicht der beiden Wirtschaftsriesen China und USA, das maßgeblich zum Crash beigetragen habe. Auf der einen Seite stehe China mit seinen prall gefüllten Devisenreserven, auf der anderen Seite die USA mit einem stetig wachsenden Handelsdefizit. Mit Ende der Rezession droht dieses Missverhältnis erneut zu wachsen, und das könnte die Welt in die nächste Krise stürzen, „indem ein neuer Schwall billigen Geldes die nächste Blase erzeugt“. Alan Greenspan, ehemaliger Chef der im Besitz der Banken befindlichen US-amerikanischen Notenbank, erwartet die nächste Krise: Der Mensch neige nun mal zu „spekulativen Exzessen“, erkärte Greenspan, dessen Zinspolitik des billigen Geldes als eine Ursache der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise gilt.  Aktien-ReportsWeitere Artikel zum Thema | Die Opfer der Lehman-Pleite, wie auch alle anderen Anleger, brauchen Tipps, welche hier nachzulesen sind, um sich vor Schaden zu schützen. Zumindest aber brauchen sie Rat, um den Schaden möglichst gering zu halten. ...mehr |
| Lawrence McDonald, vor einem Jahr noch Vizepräsident von Lehman Brothers, trifft sich mit ehemaligen Kollegen in Manhattan. Lehman-Opfer treffen sich im Bankenviertel von Frankfurt am Main. Die Vorstellungen dieser beiden Gruppen werden sich wohl niemals treffen und deshalb brauchen die Opfer Tipps, welche hier nachzulesen sind, die Politiker Durchsetzungskraft und die Banker Einsehen. ...mehr |
| Am Montag notierte die Aktie der insolventen Investmentbank Lehman Brothers zeitweise über 100 Prozent im Plus. Seit Freitag hat sich der Kurs zwischenzeitlich sogar versechsfacht. Bei der Pleite-Sparkasse Washington Mutual gab es ähnliche Kurssprünge. Sind hier nur Zocker am Werk oder steckt mehr dahinter? ...mehr |
| Die Citigroup übernimmt das Bankgeschäft von Wachovia. Durch eine 2006 vollzogene Akquisition hat sich das Geldinstitut sein eigenes Grab geschaufelt. Damit fordert die Finanzkrise ein weiteres Opfer. Unterstützung erfährt die Citigroup vom Staat. ...mehr |
| Nach der Pleite von Lehman, der Verstaatlichung von AIG und dem Zusammenschluss von Merrill Lynch und BoA droht nun Morgan Stanley der Notverkauf. Die britische HBOS hat ihn bereits hinter sich. Llyods TSB hat zugeschlagen. Marktteilnehmer stellen sich die Frage, wo der Pleitegeier als nächstes ansetzt. ...mehr |
| Akt. Kurs | | Veränd. | / |
|---|
| WKN | | Kurszeit | |
|---|
| ISIN | | Volumen | |
|---|
| Kürzel | | Tief/Hoch | / |
|---|
| |
Diesen Wert jetzt über flatex handeln: |  | Diesen Wert jetzt über ViTrade handeln: |
|  |  Weitere Artikel vom AutorWeitere DER AKTIONÄR Dienste
Werden Sie Fan des AKTIONÄRs auf Facebook und erhalten Sie aktuelle News.
DER AKTIONÄR auf dem iPhone mobile.deraktionaer.de
Alle DER AKTIONÄR News direkt auf Ihrer iGoogle Startseite
 |  |