Martin Weiß
Der Netztechnikriese Cisco Systems erlitt im letzten Quartal einen Gewinneinbruch von 30 Prozent. Firmenchef John Chambers warnte vor einer weiteren Geschäftsabschwächung in den kommenden Monaten.
Der Netztechnikriese Cisco Systems erlitt im letzten Quartal einen Gewinneinbruch von 30 Prozent. Firmenchef John Chambers warnte vor einer weiteren Geschäftsabschwächung in den kommenden Monaten.
Die Weltwirtschaft steckt in der Krise und Cisco Systems, der Weltmarktführer bei Netzwerkprodukten, ist nicht immun. Die Aussage stammt von keinem Analysten, sondern von John Chambers, dem Firmenchef. Wer jetzt denkt, Chambers' Erkenntnis komme reichlich spät, irrt. Chambers ist bekannt dafür, dass er sich mit derlei Äußerungen zurückhält, Schüsse aus der Hüfte sind nicht seine Art. Wenn er sich aber zu Wort meldet, dann hören alle ganz genau hin Unternehmer, Analysten, Anleger.
Rückläufige Nachfrage
Was Chambers am Mittwochabend zu sagen hatte, dürfte den Wenigsten gefallen haben, am wenigsten den Investoren. Abgesehen davon, dass Cisco im zweiten Geschäftsquartal einen Umsatzrückgang von 7,5 Prozent und einen Gewinneinbruch von 30 Prozent erlitt das Ergebnis war immer noch besser als erwartet , warnte Chambers die Wall Street vor einem Anhalten der Krise. Allein im Januar sank der Auftragsbestand im Jahresvergleich um 20 Prozent.
Um den Konzern auf Kurs zu bringen, will Chambers zunächst die Kosten in diesem Jahr um eine Milliarde Dollar senken, beispielsweise indem auf Neueinstellungen verzichtet wird. Auch Entlassungen wolle er nicht ausschließen, so der Firmenchef am Vorabend. Es wäre erst das zweite Mal, dass Cisco Systems Angestellte entlässt. Es ist sehr schwierig, unter diesen Umständen Prognosen zur weiteren Geschäftsentwicklung abzugeben, sagte Chambers.
In Richtung 5-Jahrestief
An der Börse quittierten die Anleger die vorsichtigen Äußerungen mit Verkäufen. Der Aktienkurs des Unternehmens sackte nachbörslich um mehr als vier Prozent auf 15,15 Dollar ein und befindet sich damit wieder in unmittelbarer Nähe seines 5-Jahrestiefs bei 14,43 Dollar. Kurzfristig könnte der Verkaufsdruck bei Cisco Systems anhalten und zu einem Test des Tiefs führen.
Aktie ein Schnäppchen
Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollten sich langfristig orientierte Anleger ein paar Stücke ins Depot legen. Der Markt ignoriert derzeit völlig einige wichtige Punkte bei Cisco: Der Konzern ist der unumstrittene Weltmarktführer bei Netzwerkprodukten, sitzt auf 30 Milliarden Dollar an Barreserven und erschließt sich ständig neue Umsatzquellen zuletzt durch den Einstieg in die Konsumentenelektronik. Die globale Krise wird kapitalschwachen Unternehmen zusetzen und eröffnet Cisco die Chance, seine Marktanteile weiter auszubauen. Aber wer will das derzeit schonhören?