Martin Weiß
Achterbahnfahrt für die Anleger: Cisco Systems hat am Mittwoch mit soliden Quartalszahlen überzeugt und die Erwartungen der Wall Street übertroffen. Dann meldete sich aber der Chef zu Wort und die Kurse begannen zu purzeln.
Die Aktie von Cisco Systems schloss am Mittwoch 1,2 Prozent schwächer bei 22,17 Dollar. Nachbörslich ging es um weitere 3,4 Prozent in den Keller, nachdem der IT-Konzern, der weltweit größte Anbieter von Internet-Routern und Netzwerkzubehör, zwar besser als erwartete Geschäftszahlen für das letzte Quartal gemeldet hatte, beim Ausblick aber enttäuschte.

Die Zahlen in Kürze: Ciscos Umsatz fiel im Berichtszeitraum um 18 Prozent auf 8,54 Milliarden Dollar. Beim Gewinn meldete der Konzern einen Einbruch um 46 Prozent auf 1,08 Milliarden Dollar. Beide Werte übertrafen die Erwartungen der Analysten. Hier finden Sie den ausführlichen Quartalsbericht.
Woher die schlechte Stimmung? Ciscos Vorstandschef John Chambers erwartet im laufenden Quartal keine nennenswerte Geschäftsbelebung und geht von einem Umsatzrückgang von 15 bis 17 Prozent aus – autsch. Chambers warnte die Investoren zudem ausdrücklich vor überzogenen Erwartungen.
Zweistellige Wachstumsziele
Um dennoch die langfristigen Wachstumsziele von 17 Prozent erreichen zu können, plant Chambers den Markteinstieg bei Computerservern für Datencenter. Die Strategie ist nicht ohne Risiko, denn Cisco kann zwar seinen Kundenstamm nutzen, um in dem Markt Fuß zu fassen, legt sich aber auch mit Hewlett-Packard an. IBM, bislang ein Kooperationspartner des Netztechnik-Riesen und ebenfalls im Servermarkt präsent, dürfte auch kaum erfreut sein über den neuen Konkurrenten.
DER AKTIONÄR hat Cisco Systems zuletzt im November 2008 zum Kauf empfohlen, seither ist der Aktienkurs um 19 Prozent gestiegen. Jetzt aber ist Vorsicht angebracht. Chambers aggressive Wachstumsstrategie birgt Risiken für die Rentabilität. Das charttechnische Bild hat sich ebenfalls eingetrübt. Investierte Anleger sollten ihre Positionen halten und den Stoppkurs auf 12,50 Euro nachziehen. Ein Neuengagement drängt sich nicht auf.