Frank Phillipps
Vor wenigen Tagen legte die Aktie von Cell Therapeutics noch einmal um 14 Prozent zu. Wer dies allerdings als nachhaltige Trendwende für den Aktienkurs begreift, dürfte sich täuschen. Im Gegenteil: Es ist höchste Zeit zum Ausstieg.
Mit der Aktie von Cell Therapeutics (CTI) wird derzeit ordentlich gezockt. Am vergangenen Donnerstag etwa schoss das Papier unter immensen Umsätzen um 14 Prozent in die Höhe. Grund war eine Meldung, nach der eine amerikanische Krebs-Organisation das von CTI entwickelte experimentelle Krebsmittel Opaxio auch weiterhin auf seine Eignung als begleitende Therapie bei Eierstockkrebs testen will. Diese Meldung und den dazugehörigen Kurssprung jedoch als Trendwende zu betrachten - das CTI-Papier hat allein seit Jahresbeginn 2010 mehr als 30 Prozent an Wert verloren - scheint zu hoch gegriffen. Im Gegenteil, Anleger sollten Chancen wie diese nutzen, um schnellstmöglich den Ausstieg aus dem Papier zu schaffen. Die Zeit drängt.
Neuer Termin festgesetzt
Denn spätestens am 22. März könnte es mit der zwischenzeitlichen Kursherrlichkeit bei CTI vorbei sein. Genau auf diesen Tag hat die US-Gesundheitsbehörde FDA einen Termin verlegt, der ursprünglich bereits im Februar stattfinden sollte, dann aber wegen schwerer Schneestürme an der amerikanischen Ostküste abgesagt wurde. Nun wird also Ende März ein Gremium unabhängiger Experten zusammenkommen und eine Empfehlung darüber abgeben, ob das von CTI entwickelte Medikament Pixantrone als Drittlinien-Therapie einer bestimmten Art von Lymphdrüsenkrebs zugelassen werden sollte oder nicht.
Schlechte Aussichten
Die Aussichten für eine positive Empfehlung sind denkbar schlecht. Wie vor solchen Meetings üblich hatte die FDA bereits im Vorfeld Dokumente veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass die Behörde grundsätzliche Zweifel an der Sicherheit und der Wirksamkeit von Pixantrone hat.
Explizit wird auf die kleine Zahl an Studienteilnehmern hingewiesen. Ursprünglich hatte Cell Therapeutics beabsichtigt, 320 Patienten in die Tests einzubinden. Tatsächlich haben aber nur 140 Probanden teilgenommen. Zudem hatte es wiederholt Kritik an Design und Durchführung der Studien gegeben. Die US-Gesundheitsbehörde, die voraussichtlich bis Ende April eine endgültige Entscheidung treffen wird, ist zwar nicht an die Empfehlung der Experten gebunden, folgt dieser aber in der Regel.
Am Rande des Bankrotts
Auch finanziell blickt CTI in den Abgrund. Ende Februar stellten die Wirtschaftsprüfer von Stonefield Josephson den Fortbestand des Unternehmens in Frage. Das Unternehmen schreibe hohe Verluste und habe einen Schuldenberg angehäuft. CTI habe hohe Verbindlichkeiten, aber keinerlei finanzielle Assets, so die Experten in ihrem Bericht.
Tatsächlich hat CTI seit der Gründung im Jahr 1991 mehr als 1,4 Milliarden Dollar verbrannt. Ende Januar wies das Unternehmen rund 59 Millionen Dollar an Cash aus. Allerdings müssen bis Juli kurzfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 40 Millionen Dollar zurückgeführt werden. Nach jetzigem Stand wäre CTI spätestens zum Jahresende pleite.

Wundersame Aktienvermehrung
Es sei denn, CTI-Chef James Bianco schafft es erneut, erfolgreich eine Kapitalerhöhung durchzudrücken. Dies ist eine Spezialität des umtriebigen Unternehmensführers. Durch verschiedene Kapitalmaßnahmen hat sich die Zahl der ausstehenden Aktien binnen eines Jahres auf etwa 615 Millionen mehr als verdoppelt.
Bei der Hauptversammlung im April will sich Bianco von den Aktionären die Erlaubnis einholen, weitere frische Aktien auszugeben. Stimmen die Anteilseigner zu, könnte sich die Aktienzahl noch einmal auf 1,2 Milliarden erhöhen. Eine irrwitzige Zahl. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau entspräche dies einer Börsenbewertung von fast einer Milliarde Dollar - für ein Unternehmen, das außer Schulden und Flops bislang wenig produziert hat.
Das Spiel ist aus
Keine Frage, eine zeitlang reizte das CTI-Papier zum Zocken. Vom Tief im Vorjahr ließ sich mit der Aktie in der Spitze eine Performance von über 4.300 Prozent erzielen. Doch das Spiel neigt sich dem Ende zu. Ein wahrscheinliches negatives Votum der FDA-Experten am 22. März dürfte der Anfang vom Ende sein, eine Ablehnung von Pixantrone der Behörde Ende April dürfte dasselbe besiegeln.
Wer bis jetzt auf ein Happyend gewartet hat, sollte aus diesem Traum lieber früher als später erwachen und sich von seinen Papieren trennen, solange es überhaupt noch etwas dafür gibt.