Buffett schlägt bei Heinz zu: „Die Flinte wird immer nachgeladen“
Wie ein Großwildjäger sieht Warren Buffett nun wahrlich nicht aus, eher wie der liebe Opa von nebenan. Und doch ist der US-Starinvestor immer auf der Jagd - auf der Jagd nach Unternehmen. Dieses Mal ist die Ketchup-Ikone Heinz in sein Visier gerückt und Buffett hat ohne zu zögern abgedrückt.
Die berühmteste Ketchup-Marke der Welt wechselt den Besitzer: Der US-Lebensmittelmulti H.J. Heinz wird vom US-Starinvestor Warren Buffett und dem Finanzinvestor 3G Capital übernommen. In einem 28 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro) schweren Geschäft wollen die beiden finanzkräftigen Partner das Unternehmen schlucken und anschließend von der Börse nehmen, wie sie am Donnerstag völlig überraschend verkündeten.
Großer Teil in Familienbesitz
Ein großer Teil der Aktien ist noch in Familienbesitz. Zur Ketchup-Dynastie gehört auch Teresa Heinz, die Frau des neuen US-Außenministers John Kerry. H.J. Heinz ist ein Riese der Lebensmittel-Branche mit einem Jahresumsatz von annähernd 12 Milliarden Dollar und rund 32.000 Mitarbeitern. Pro Jahr verkauft der Konzern allein 650 Millionen Flaschen Ketchup. Hinzu kommen unter anderem Saucen ("Jack Daniel's") und Fertiggerichte (etwa "T.G.I. Friday's"). Bis vor kurzem gehörte auch die deutsche Suppenmarke "Sonnen Bassermann" dazu, die aber im vergangenen Jahr verkauft wurde.
Lange Tradition
Die Ursprünge der Firma reichen bis ins Jahr 1869 zurück. Gründer war Henry John Heinz, ein Sohn deutscher Einwanderer. Den ersten Tomatenketchup stellte er 1876 her. Schon 1907 produzierte die Firma 12 Millionen Flaschen pro Jahr und lieferte sie bis nach Australien, Südamerika, Japan und Großbritannien.
Starkes, nachhaltiges Wachstumspotenzial
"Heinz hat ein starkes, nachhaltiges Wachstumspotenzial", begründete Buffett den Zukauf. Außerdem schmecke ihm der Ketchup, scherzte der 82-jährige Investor. Er bietet den bisherigen Aktionären 72,50 Dollar je Aktie. Das sind insgesamt rund 23 Milliarden Dollar. Zudem übernehmen Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway und Partner 3G Capital die Schulden des Lebensmittel-Konzerns, woraus sich der Gesamtwert des Geschäfts ergibt.
Zweitgrößte Übernahme überhaupt
Für Buffett ist es die größte Übernahme nach dem Zukauf der Frachteisenbahn Burlington Northern Railroad im Jahr 2010 für 26 Milliarden Dollar. 2011 hatte Buffett den Schmiermittel-Hersteller Lubrizol für knapp 10 Milliarden Dollar übernommen und seiner Investmentholding einverleibt.
Buffett übernimmt die Rolle des Finanziers
Beim Heinz-Deal übernimmt Buffett jedoch eher die Rolle des Finanziers, wie er im Wirtschaftssender CNBC erläuterte. Seine Berkshire Hathaway stelle 12 bis 13 Milliarden Dollar bereit, sagte er. Weitere Milliarden kommen von den Großbanken JPMorgan und Wells Fargo sowie 3G Capital selbst. Die Mitarbeiter des Finanzinvestors seien "die Leute fürs Tagesgeschäft", sagte Buffett. "Es ist ihr Baby." Heinz wird den Partnern am Ende zu gleichen Teilen gehören.
Kurssprung um 20 Prozent
Die beiden Partner locken die Heinz-Aktionäre mit einem Zuschlag von 20 Prozent. Heinz soll weiterhin seinen Sitz in Pittsburgh haben. "Wir schlagen ein großartiges neues Kapital in der Geschichte von Heinz auf", erklärte Konzernchef Johnson. Das Geschäft muss allerdings noch von den Anteilseignern selbst und von den Wettbewerbshütern abgenickt werden. Geht alles glatt, besitzen Buffett und 3G Capital ab dem dritten Kalenderquartal eine eigene Ketchup-Firma.
Berkshire ein Basisinvestment
Warren Buffett hat zuletzt im großen Stil eigene Aktien zurückgekauft. Offenbar war Buffett davon überzeugt, dass Aktien seiner Firma günstig zu haben sind. Aktuell ist Berkshire an der Börse kaum höher als der Buchwert bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei rund 1,2. Der Buchwert entspricht in etwa dem Eigenkapital eines Unternehmens. Diese Kennzahl kommt dem wahren Wert schon recht nahe. Er lässt sich - anders als Gewinnkennziffern - kaum frisieren. Obwohl die Aktie von Berkshire zuletzt deutlich im Kurs gestiegen, bleibt sie kaufenswert.
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