Leon Müller
Die Bank of America erwirbt die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch für 50 Milliarden Dollar. Horrende Verluste im Zuge der Finanzkrise haben sie in Schieflage gebracht. Währenddessen beantragt Lehman Brothers Gläubigerschutz.
Die Bank of America erwirbt die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch für 50 Milliarden Dollar. Horrende Verluste im Zuge der Finanzkrise haben sie in Schieflage gebracht. Währenddessen beantragt Lehman Brothers Gläubigerschutz.
Die Wall Street blickt auf ein aufregendes Wochenende zurück. In der Nacht zum Montag hat der Finanzkonzern Bank of America mitgeteilt, die angeschlagene US-Investmentbank Merrill Lynch zu übernehmen. Der Kaufpreis soll sich auf 50 Milliarden Dollar belaufen und in Aktien beglichen werden. Die Bank of America bietet 0,8595 eigene Anteilsscheine für jede Merrill-Lynch-Stammaktie. Bereits im ersten Quartal 2009 soll die Transaktion abgeschlossen sein. Die Kosteneinsparungen bis 2012 dürften sich nach Angaben des Geldinstituts auf sieben Milliarden Dollar vor Steuern belaufen. Durch die Übernahme reduziert sich die Zahl der unabhängigen Investmentbanken an der Wall Street von einst fünf auf nun zwei. Bereits im Frühjahr musste Bear Stearns einem Verkauf an JP Morgan zustimmen, um die eigene Existenz zu sichern.
Lehman geht leer aus und beantragt Gläubigerschutz
Die Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America bedeutet für Lehman Brothers das Aus. Die in schwere Schieflage geratene Investmentbank sucht bereits seit geraumer Zeit nach einem Geldgeber, um die Verluste aus faulen Immobilienkrediten ausgleichen zu können. Noch am Wochenende wurde über eine Übernahme durch die Bank of America oder Barclays spekuliert. Zuvor soll auch die koreanische Staatsbank Korea Development Bank Interesse gezeigt haben. Doch am Ende zogen sich alle Interessenten zurück, so dass Lehman Brothers am Montag morgen gezwungen war, Gläubigerschutz zu beantragen.
Beben an den Börsen rund um den Globus
Die Meldungen über den Verkauf von Merrill Lynch und der Pleite von Lehman Brothers haben zu Wochenbeginn für ein Beben an den Börsen rund um den Globus gesorgt. Bankentitel gehörten dabei zu den größten Verlierern. Es wird befürchtet, dass es um die Geldinstitute an der Wall Street schlechter bestellt ist, als bislang angenommen wurde. Ein Indiz dafür ist, dass sich für Lehman Brothers, die zuletzt lediglich 2,5 Milliarden Dollar wert war, kein Käufer gefunden hat. Infolge der Pleite der Investmentbank haben nun auch andere Institute Verluste zu befürchten. So stand Lehman Brothers zuletzt mit knapp 140 Milliarden Dollar bei der Citigroup in der Kreide. Anleger sind gegenwärtig gut beraten, sich von Finanztiteln nur mit großer Vorsicht zu nähern.