Martin Weiß
Die Turbulenzen an den Weltbörsen konnten Chinas Top-Suchmaschine lange Zeit wenig anhaben. Seit Mitte September steigt aber die Sorge, dass sich die Wirtschaft in der Volkswirtschaft abkühlt. Jetzt ermittelt auch noch die US-Justiz gegen chinesische Internetfirmen - die "Bären" wetzen die Messer.
Der Kurs der Baidu-Aktie rutschte am Freitag an der Wall Street um weitere drei Prozent auf 106 Dollar. Konjunkturelle Sorgen und die Angst vor der US-Justiz hatten die Anteilsscheine im Tagesverlauf zeitweise bis auf 100 Dollar gedrückt und damit auf den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn 2011. Die Aktien anderer chinesischer Internetaktien, darunter Sina und Sohu, bauten die Verluste aus den Vorwochen ebenfalls aus.
Behörden ermitteln
Ein Auslöser für die Talfahrt, die sich seit Mitte September beschleunigt hat und alleine in dieser Zeit Baidu rund 30 Prozent an Wert kostete, sind offizielle Ermittlungen des US-Justizministeriums, der Wertpapieraufsicht SEC und der Bundespolizei FBI. Die Behörden nehmen dabei die Bilanzierungspraktiken verschiedener chinesischer Unternehmen unter die Lupe. Um welche Firmen es sich handelt, ist unklar. Namen wurden keine genannt.
Allerdings reicht alleine die Ankündigung, um die Investoren zu verunsichern und die Kurse zu drücken. Hinzu kommt die Sorge, dass sich die chinesische Wirtschaft abkühlen könnte.
Monopolist im Heimatmarkt
Eine rückläufige Konjunktur hätte negative Auswirkungen auf den Online-Werbemarkt und damit auf die Geschäftsentwicklung von Baidu, Chinas führender Suchmaschine. Der Marktanteil von Baidu in der Volksrepublik beträgt nach dem Rückzug Googles deutlich über 70 Prozent.
Die Dominanz im Heimatmarkt mit seinen 500 Millionen Internetnutzern bescherte Baidu 2010 Erlöse von 1,2 Milliarden Dollar. Für 2011 rechnen Analysten im Schnitt mit einem Anstieg um 80 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar.
Die hohen Wachstumsraten lassen sich Anleger einiges kosten. Selbst nach dem jüngsten Kursrutsch beträgt das 2011er-KGV 37. Zum Vergleich: Google bringt es auf dieser Basis auf ein Vielfaches von 14.
Fazit: Baidu verfügt über mehrjährige Erfahrung an der US-Börse und hat bislang keine Anzeichen geliefert, dass es bei der Bilanzierung zu Tricksereien gekommen ist. Die Gefahr, dass die US-Behörden hier etwas finden, ist eher gering. Die Investoren sind aber verunsichert und das dürfte sich auch weiter negativ auf Baidu auswirken. Kühlt sich Chinas Konjunktur wie befürchtet ab, könnte sich die hohe Bewertung der Titel als Belastungsfaktor erweisen.