Michael Herrmann
American Express legt die Zahlen für das aktuelle Quartal offen. Der Gewinn wurde verdreifacht und auch die Umsätze stiegen ordentlich. Die Geschäftsprognosen bleiben dennoch vorsichtig.
Um beachtliche 13 Prozent konnte der Plastikgeld-Anbieter seinen Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern. Insgesamt setzte der amerikanische Kreditkartenanbieter in den vergangenen drei Monaten 6,9 Milliarden Dollar um. Das Nettoergebnis verdreifachte sich im gleichen Zeittraum auf 1,02 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Gewinn von 0,84 Dollar je Aktie. Analysten hatten durchschnittlich mit lediglich 0,78 Dollar gerechnet. Damit steht für American Express zum dritten Mal in Folge ein Quartalsgewinn zu Buche. Im Vorjahresquartal war die Bilanz dagegen noch von der Rückzahlung von Staatshilfen in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar belastet worden.
Erholung auf dem Heimatmarkt
Motor für die guten Zahlen war vor allem das Geschäft in der Heimat, das wieder zulegte und einen satten Gewinn abwarf. In der Rezession hatte American Express gerade in den USA hohe Verluste eingefahren, während sich das internationale Geschäft dagegen vergleichsweise positiv entwickelte. Das gute Ergebnis ist zudem vor allem der Entwicklung bei den Geschäftskunden geschuldet. Viele Privatleute hielten sich dagegen weiter zurück.
Weniger Rückstellungen benötigt
Eine weitere positive Nachricht: Der Kreditkartenanbieter musste für ausstehende Kredite nur noch Rückstellungen über 652 Millionen Dollar bilden. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,6 Milliarden Dollar gewesen. Bereits seit dem Jahreswechsel hatte sich die Lage deutlich entspannt. Für American Express ist diese Entspannung besonders wichtig, da man anders als die Wettbewerber Visa und Mastercard nicht nur als Dienstleister auftritt, sondern platzende Rechnungen selbst verkraften muss. Bei den Rivalen liegt das Risiko bei den Partnern, die die Karten ausgeben.
Zurückhaltende Prognosen
Auch wenn das Geschäft bei American Express momentan brummt, wollte Konzernchef Kenneth Chenault nicht in Jubel ausbrechen und blickt vorsichtig in die Zukunft. Neue Gesetze, wie die gerade von US-Präsident Barack Obama maßgeblich durchgesetzte Finanzmarkt-Reform, können laut Chenault weitere Gefahren für das Unternehmen bergen. Die vorsichtige Prognose hat durchaus ihre Berechtigung. Zu instabil ist zum Beispiel nach wie vor die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt. Eine Verschlechterung würde gerade den Kreditkartenanbieter hart treffen, da in diesem Fall wieder vermehrte Zahlungsausfälle zu befürchten sind.

Anzeichen der Besserung
Die vorgelegten Zahlen zeugen von einer deutlich verbesserten Situation bei American Express. Sollten sich die Geschäfte von American Express ähnlich weiterentwickeln wie im vergangenen Quartal, könnte die Aktie für Anleger zukünftig wieder eine Kaufoption werden. Nach den kräftigen Gewinnsprüngen ist sie mit einem geschätzten KGV für 2010 von 13,5 und 12 für 2011 verhältnismäßig moderat bewertet. Aufgrund der beschriebenen Risiken bleibt American Express aber ein Papier, das sich nur für risikobereite Anleger eignet.