Sascha Grundmann

Die ersten Reaktionen von Branchenkennern auf die neueste Version des E-Book-Readers Kindle von Amazon waren zwar durchweg positiv. Die Resonanz an der Börse ist bislang jedoch eher verhalten. Irren die Börsianer vielleicht in ihrer Einschätzung, was die Notierung des weltgrößten Online-Einzelhändlers angeht?
Als der Online-Einzelhändler Amazon am Mittwoch den Verkaufsstart einer neuen Version seines E-Book-Readers Kindle ankündigte, waren die Experten gespannt: Wie würde Amazon auf die Konkurrenz, die ihm durch Apples neuen Tablet-Computer iPad heranwächst, reagieren? Die Antwort: mit einem Kindle zum Kampfpreis. Der neue Kindle kostet in den USA 189 Dollar, die Version, die auf 3G-Mobilfunk verzichtet und stattdessen nur per Wi-Fi den Zugang zum Internet ermöglicht, sogar nur 139 Dollar. Beide Varianten können bereits vorbestellt werden, der erste Auslieferungstermin soll der 27. August sein.
Gute Kritiken
Die ersten Experten, die sich den neuen Kindle ansehen durften, waren angetan. Sie lobten unter anderem das hellere Display, den erweiterten Speicher und das niedrigere Gewicht. An der Börse schien man das allerdings anders zu sehen, die Aktie von Amazon bewegte sich am Donnerstag ziemlich marktkonform: Nach anfänglichen leichten Kursgewinnen gab sie im weiteren Verlauf des Handelstages wieder ab und schloss schließlich mit einem leichten Minus von 0,23 Prozent - der Dow ging mit einem Verlust von 0,29 Prozent aus dem Handel. Doch ist diese Gleichgültigkeit gegenüber dem neuen Kindle berechtigt?
Schmalere Marge, aber ...
Klar, die Kritiker des neuen Kindles werden wie auch schon in den vergangenen Monaten auf den harten Preiskampf im E-Book-Reader-Markt verweisen. Der neue Billig-Kindle ist ja auch noch günstiger als zum Beispiel das Konkurrenzgerät des Buchhändlers Barnes & Noble, das den Kindle bisher preislich unterboten hatte und wohl auch deshalb viele Anhänger fand. Und es ist logisch, dass sich die neue Amazon-Kampfansage auch bei den Gewinnmargen des Online-Einzelhandelsprimus bemerkbar machen muss. Allerdings könnten die Börsianer eines bei ihrer Einschätzung der Amazon-Aktie vergessen: Die Margen im Kindle-Geschäft dürften zwar schmaler werden - verkauft der Konzern aber mehr dieser Geräte, steigt auch das Potenzial für die Umsätze mit seinen E-Books.
Reaktion mit Verzögerung?
Der neue Kindle könnte aufgrund seines Preises neuen Schwung in den Markt für E-Book-Reader bringen. Steigende E-Book-Downloads könnten eine Folge sein. Diese Überzeugung könnte sich aber an der Börse erst mit Verzögerung durchsetzen. Vor diesem Hintergrund sollten investierte Anleger ihre Position mit einem Stoppkurs von 70 Euro absichern. Vor einem Neuengagement sollte man neue Impulse für den Kurs abwarten.
