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Amazon-Aktie im freien Fall

Sascha Grundmann

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Auf den ersten Blick waren es Traumzahlen, die Amazon.com am gestrigen Donnerstag nach Börsenschluss in den USA meldete. Der Online-Einzelhändler hatte im abgelaufenen Quartal den operativen Gewinn um 70 Prozent steigern können, bei einem Umsatzplus von über 40 Prozent. Warum stürzte die Aktie anschließend trotzdem ab?

Wenn ein Unternehmen seinen Quartalsgewinn und seine Umsätze im Verlauf eines Quartals deutlich in die Höhe schrauben kann, ist das an und für sich ein gutes Zeichen dafür, dass das Geschäft blendend läuft. Dass an der Börse aber auch noch etwas anderes zählt, nämlich unter anderem die Erwartungshaltung der Börsianer, hat man am gestrigen Donnerstagabend gesehen: Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon hatte im abgelaufenen Jahresviertel seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal um 70 Prozent auf 270 Millionen Dollar und seine Erlöse um 41 Prozent auf 6,57 Milliarden Dollar gesteigert - und dennoch stürzte die Amazon-Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen im nachbörslichen Handel um mehr als zehn Prozent ab.

Problem Euro/Dollar

Das Problem waren die hohen Erwartungen, die der Markt im Vorfeld der Zahlen an Amazon hatte: Der Gewinn von 45 Cent je Aktie, den der Einzelhändler vorwies, lag deutlich unter den 54 Cent, mit denen der Markt gerechnet hatte. Zwar hatte Amazon unter anderem mit der Entwicklung des Euro/Dollar-Kurses und deren Wirkung auf das Geschäft in Europa eine plausible Begründung für die Verfehlung. Doch den Markt interessierte das nicht, die Anleger gaben ihre Papiere in Scharen aus den Händen, zeitweise lag das Minus der Aktie am Donnerstagabend bei 15 Prozent.

Wie geht es weiter?

Die Entwicklung des Euro/Dollar-Kurses könnte Amazon auch im dritten Quartal noch Probleme bereiten. Allerdings gibt es auch einige Argumente für die Aktie. So dürfte das Geschäft mit E-Books dank der starken Verkäufe von Amazons eigenem E-Book-Reader Kindle sowie von Apples neuem iPad deutliches Wachstum erzielen. Vor dem Hintergrund der charttechnischen Situation sollten allerdings Anleger, die auf Suche nach möglichen Schnäppchen sind, abwarten: Der Kursverlauf weist nach wie vor eine Kurslücke (Gap) vom vergangenen Oktober auf (siehe Chart unten) - wenn die Notierung sich anschickt, diese zu schließen, könnte es noch etwas weiter abwärts gehen.

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