Amazon-Aktie auf Erholungskurs?

Das Papier des weltgrößten Online-Einzelhändlers Amazon.com hat den Schock der jüngsten Quartalszahlen offenbar mittlerweile verdaut. Langsam, aber sicher pirscht sich die Aktie wieder an das Niveau vor der Korrektur heran. Was macht die Anleger in Sachen Amazon momentan so zuversichtlich?
Es waren eigentlich ziemlich schlechte Zahlen, die Amazon Ende Oktober meldete. Zwar traf der Online-Einzelhandelsgigant mit einem Umsatz von 10,9 Milliarden Dollar ziemlich genau die Erwartungen der Wall Street. Doch wieder einmal enttäuschte Amazon beim Gewinn. Dabei waren die Erwartungen der Analysten im Vorfeld nicht unverschämt hoch gewesen; sie hatten mit 24 Cent pro Aktie gerechnet und damit mit deutlich weniger als den 51 Cent aus dem Vorjahresquartal. Doch das Ergebnis fiel sogar auf nur noch 14 Cent zurück. Was die Vorlage der Zahlen zusätzlich zum mittelschweren Fiasko machte, war der Ausblick: Amazon konnte für das laufende vierte Quartal einen Verlust nicht mehr ausschließen.
Kindle kostet Geld
Dafür hatte Amazon eine Erklärung. Zu hoch gestalteten sich etwa zuletzt die Kosten für Amazons Engagement in Sachen Tablet-Computer. Um Apple und dessen iPad anzugreifen, hatte Amazon im September einen eigenen Flachrechner namens Kindle Fire vorgestellt, eine Weiterentwicklung der erfolgreichen E-Reader-Baureihe Kindle. Doch dessen Entwicklung kostete offenbar richtig viel Geld.
Trotzdem optimistisch
Nach dem ersten Schock - im Anschluss an die Zahlen gab das Amazon-Papier im zweistelligen Prozentbereich nach - scheint die Aktie mittlerweile aber wieder auf Erholungskurs zu sein. Mehr als die Hälfte der nach unten aufgerissenen Kurslücke (Gap) hat die Notierung seit ihrem Tief vom 26. Oktober wettgemacht. Da stellt sich die Frage, was die Börsianer angesichts eines derart enttäuschenden Quartalsergebnisses und des Damoklesschwerts eines Abrutschens in die schon lange nicht mehr gesehene Verlustzone doch so optimistisch macht.

Anderer Fokus
Das lässt sich vielleicht am besten mit dem besonderen Phänomen Amazon erklären. Das Papier weist etwa seit vielen Jahren ein überdurchschnittlich hohes KGV auf. Und des Öfteren fällt das Unternehmen in Sachen Gewinn hinter die Erwartungen der Analysten zurück. Und dennoch ist die Notierung in den vergangenen Jahren um sagenhafte 400 Prozent gestiegen. Das erweckt den Eindruck, dass die Anleger bei Amazon einfach mehr Wert auf das Umsatzwachstum als auf die Gewinnentwicklung legen.
E-Books für alle
Und möglicherweise sind die Anleger auch überzeugt davon, dass Amazon mittlerweile an der richtigen Schraube zu drehen weiß. Mit dem teuren Forcieren seines Engagements auf dem Tablet-Sektor, etwa durch den Kindle Fire, schafft sich der Konzern nämlich eine perfekte Plattform für das E-Book-Geschäft. Zudem macht er gerade mit dem Start einer neuen E-Bibliothek, in deren Angebot Premium-Kunden sich bestimmte Titel für eine gewisse Zeit kostenlos "ausleihen" können, das Thema E-Books einer breiteren Masse zugänglich. Und Wachstum in diesem Bereich könnte besonders profitabel sein. Denn der Verkauf elektronischer Bücher bietet vor allem eines: die Aussicht auf höhere Margen. Dafür nimmt Amazon offenbar hohe erste Investitionen bewusst in Kauf.
Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zwar wohl erst in einigen Quartalen zeigen. Angesichts ihrer Robustheit ist die Aktie aber für den AKTIONÄR nach wie vor ein Standardinvestment im IT-Bereich. Anleger sollten ein Engagement mit einem Stoppkurs von 140 Euro absichern.
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