Markus Horntrich
Online-Spiele und insbesondere die Aktien von Firmen wie Zynga sind spätestens seit deren geplanten Börsengang im Fokus. DER AKTIONÄR hat den Chef des deutschen Online-Game-Spezialisten Bob Mobile über die Aussichten der Branche und dessen Aktivitäten in Griechenland befragt.
Obwohl es in Griechenland ganz turbulent auf den Straßen zugeht, ist der Hauptaktionär und CEO von Bob Mobile, Remco Westermann, für die geschäftliche Entwicklung ganz positiv gestimmt. Durch das starke Wachstum ist der Griechenland-Anteil am Gesamtumsatz zurückgegangen, sodass er keine größeren Gefahren für Bob Mobile sieht. Er verspricht seinen Aktionären für 2011 auch wieder eine Dividende.
DER AKTIONÄR: Herr Westermann, Bob Mobile ist mit einem Umsatzplus von 35 Prozent im ersten Quartal erfolgreich ins Geschäftsjahr 2011 gestartet. Hat sich das starke Wachstum auch im zweiten Quartal fortgesetzt?
Remco Westermann: Wir sehen insgesamt eine positive Umsatzentwicklung und auch das zweite Quartal 2011 ist laut vorläufigen Zahlen wesentlich stärker als das Vorjahresquartal. Auf Grund von Saisonalität und Verzögerung beim Launchen einiger neuer Spielen sollte aber vor allem die zweite Jahreshälfte ein ganz starkes Wachstum zeigen.
Wie hat sich die Zahl der registrierten Spieler im Games-Bereich in den einzelnen Ländern entwickelt und welche Erwartungen haben Sie für die einzelnen Regionen ?
Insgesamt haben wir jetzt deutlich über zwei Millionen registrierte Spieler. Hiervon sind ungefähr ein Drittel in Deutschland registriert. Neben Deutsch, ist das bis jetzt größte Spiel War2Glory auch in englischer, griechischer, französischer, italienischer und polnischer Sprache verfügbar.
In welchen Bereichen und Märkten wächst Bob Mobile derzeit am stärksten? Mit welchen Steigerungsraten rechnen Sie im Gesamtjahr?
Neben dem geplanten starken Wachstum im Bereich der Online-Spiele legt auch der Bereich Mobile deutlich zu. Wir sehen im Bereich Spiele vor allem Wachstum durch das Ausweiten des Länderportfolios, sowie auch durch eine Vielzahl an Spielen, die in den kommenden Wochen Live gehen werden. Bei Operation Gamma 41 wurden, basiert auf dem Live-Testing, noch einige Details optimiert, bevor wir stärker in die Vermarktung einsteigen. Auch bei unserem erste Social Game wird noch im Juli der Spielstart erfolgen. Für das Gesamtjahr erwarten wir eine gesunde Steigerung des Umsatzes.
Im Mai haben Sie das diesjährige Umsatzziel für die 2010 gegründete Spieletochter Just A Game von zehn auf zwölf Millionen Euro nach oben geschraubt. Wann wird Just A Game voraussichtlich die Gewinnzone erreichen?
Just A Game wird, aus jetziger Sicht, wie geplant 2011 schon schwarze Zahlen schreiben. Mit der Rendite in diesem Bereich sind wir zufrieden, wobei es uns trotz unserer Investitionen in Wachstum gelingen wird, diese Tochter in ein profitables Unternehmen zu wandeln.
Mit welchen EBIT-Margen rechnen Sie im Spiele-Bereich mittelfristig?
Dies ist eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. In diesem Bereich gibt es inzwischen Anbieter, die mit sehr hohen EBIT-Renditen arbeiten. Mittelfristig sind aus unserer Sicht EBIT-Renditen von deutlich über 20 Prozent möglich, je nach Wachstumsgeschwindigkeit des Unternehmens.
Die Schlagzeilen in den Medien werden derzeit von der Schieflage Griechenlands bestimmt. Der griechische Markt hat auch für Bob Mobile, insbesondere im Mobile Bereich, eine große Bedeutung. Inwiefern belastet die dortige Krise Ihr Geschäft?
Der Griechische Markt ist für uns wichtig, wir sind dort ein bedeutender Anbieter. Auf Grund der Unsicherheit hatten wir unsere Marketingausgaben und damit das Länderrisiko reduziert. Beim Risiko Griechenland handelt es sich für uns aber vor allem um ein potenzielles Währungsrisiko. Solange Griechenland den Euro hat, bleibt dieser Markt trotz Wirtschaftskrise für uns sehr interessant.
Hat sich das Konsumentenverhalten der Griechen in den letzten Monaten verändert? Wenn ja, wie reagieren Sie darauf?
Wir sehen im Konsumentenverhalten auch aufgrund der Wirtschaftskrise keine wesentlichen Veränderungen. Die Griechen sind sehr affin für unsere Produkte und gönnen sich auch in solchen schlechten Zeiten immer noch gerne Ihre Ausgaben für Entertainment Produkte. Als Anbieter haben wir aber durch die Krise den Vorteil, dass sich unsere Werbeeffizienz durch niedrigere Einkaufstarife verbessert.
Welche Optionen hätten Sie, wenn sich die Lage in Griechenland weiter zuspitzen würde? Käme für Sie im Extremfall auch ein Rückzug aus dem griechischen Markt in Betracht?
Auf Grund der Beschlüsse der letzten Tage ist das Länderrisiko Griechenland inzwischen stark reduziert. Wir waren allerdings darauf vorbereitet, unsere Aktivitäten in Griechenland zu reduzieren und dafür andere Länder verstärkt aufzubauen. Der griechische Markt ist und bleibt nach unserer Einschätzung aber so interessant, dass wir einen Rückzug wirtschaftlich für unklug halten. Die Reduktion vom Anteil Griechenlands am Gesamtumsatz ist aber ein klares Ziel, im ersten Quartal 2011 lag der Griechenland Anteil unter 20 Prozent des Gesamtumsatzes.
Sie haben angekündigt, im laufenden Jahr das 2010er-EBIT in Höhe von 3,6 Millionen Euro übertreffen zu wollen. Könnte sich dieses Szenario nicht auch als zu optimistisch erweisen?
Wir sind nach wie vor ein Unternehmen, das stark auf Wachstum setzt und in neue Bereiche investiert, wodurch kontinuierliches Umsatz- und Ertragswachstum auch für die Zukunft ermöglicht werden soll. Damit sind klarerweise auch immer Risiken verbunden, wie zum Beispiel Verzögerungen oder höhere Anlaufkosten. Andererseits sehen wir uns aber gegenüber unseren Aktionären in der Pflicht, das Wachstum nicht zu lasten des mittelfristigen EBITs gehen zu lassen. Auch unser Invest im Bereich Online Spiele war klar geplant und kommuniziert und zeigt inzwischen auch, dass es sich rentiert, solche kalkulierten Risiken einzugehen. Für 2011 liegen wir auf Basis der derzeitigen Geschäftsentwicklung gut im Plan, um das Vorjahres EBIT von Euro 3,6 Millionen zu übertreffen.
Starkes Wachstum ist in der Regel auch sehr kapitalintensiv. Kann Bob Mobile die nächsten Wachstumsschritte aus eigener Kraft stemmen oder besteht in den nächsten Monaten zusätzlicher Kapitalbedarf?
Wir haben unseren Wachstum und damit verbundenen Cashflow so geplant, dass wir den Cash Bedarf mit dem jetzigen Eigenkapital stemmen können und nicht auf weitere Kapitalerhöhungen angewiesen sind.
Abschließend noch eine Frage zum zweiten Halbjahr: Auf welche Highlights dürfen sich Bob-Mobile-Aktionäre in den nächsten Monaten freuen?
Neben einer positiven Gesamtentwicklung des Unternehmens bezüglich Umsatz und Ertrag sind wir an vielen spannenden Themen dran. Dies betrifft sowohl neue vielversprechende Produkte und Lizenzen, sowie auch neue Wachstumschancen. Kurzfristig sind wir sehr gespannt auf die Resultate von Operation Gamma 41 und unserem ersten Social Game. Wir gehen davon aus, kurzfristig neben War2Glory ein zweites starkes Spiel aufzubauen.
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktionäre für 2011 wieder eine Dividende erwarten können ?
Wir haben einmalig auf Grund der riesigen Chance im Bereich Browser Spiele und des damit verbundenen Anfangsinvests die Dividende für 1 Jahr ausgesetzt, eine auch im Nachhinein aus unserer Sicht gute Entscheidung. Wir planen aber, für das Geschäftsjahr 2011 unter Vorbehalt der Zustimmung der relevanten Gremien wieder eine Dividende an die Aktionäre zu Zahlen und auch für die Jahre danach unsere Dividendenpolitik fortzusetzen.
Herr Westermann, vielen Dank für das Interview.
