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Lars Hinrichs: "Xing-Erfolgsgeschichte geht weiter"

Leon Müller

Lars Hinrichs hat Xing gegründet und es zu einem der erfolgreichsten Internetunternehmen Deutschlands geführt. Jetzt reicht er die Verantwortung an eBay-Deutschland-Chef Gross-Selbeck weiter. Im Interview mit DER AKTIONÄR sagt er, was ihn geärgert hat und was er von seinem Nachfolger hält.

Lars Hinrichs hat Xing gegründet und es zu einem der erfolgreichsten Internetunternehmen Deutschlands geführt. Jetzt reicht er die Verantwortung an eBay-Deutschland-Chef Gross-Selbeck weiter. Im Interview mit DER AKTIONÄR sagt er, was ihn geärgert hat und was er von seinem Nachfolger hält.

Lars Hinrichs hat Xing vor fünf Jahren gegründet. Heute ist das Hamburger Unternehmen, das Betreiber des gleichnamigen Karrierenetzwerks ist, einer der erfolgreichsten und profitabelsten Internetkonzerne in Deutschland. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres lagen die Erlöse 28 Prozent höher als im gesamten Vorjahr. Zum 15. Januar wird Lars Hinrichs die Verantwortung als Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft abgeben. Dr. Stefan Groß-Selbeck übernimmt dann das Ruder bei Xing. DER AKTIONÄR sprach mit Hinrichs über seine Entscheidung und erfuhr, was Hinrichs über seinen Nachfolger denkt.

DER AKTIONÄR: Herr Hinrichs, die Gerüchte über einen Vorstandswechsel bei Xing haben sich nun bestätigt. Was ist der Grund für Ihren Rücktritt?

Lars Hinrichs glaubt weiterhin an die Xing-Erfolgsgeschichte: "Ich freue mich schon sehr darauf zu sehen, wie die vielen neuen Features, die wir in den letzten Monaten entwickelt haben, jetzt Schritt für Schritt auf der Plattform gelauncht werden."

Lars Hinrichs: Xing ist in den letzten fünf Jahren schnell, nachhaltig und erfolgreich zum führenden Business-Netzwerk in Europa gewachsen und konnte sieben Mal in Folge Rekordzahlen bei der Anzahl der Nutzer, Umsatz und Ergebnis melden. Auf dieser von uns geschaffenen und höchst profitablen Wachstumsstruktur mit absolut skalierbarem Geschäftsmodell kann mein Nachfolger das weitere Wachstum forcieren. Deshalb ist dies der richtige Zeitpunkt, um die Führung des Unternehmens in andere Hände zu legen. Denn ich habe mir bereits vor einiger Zeit überlegt, mir neben meinem Engagement bei Xing wieder auch mehr Freiraum für neue unternehmerische Herausforderungen zu schaffen.

Xing werde ich in der Zukunft als Mitglied des Aufsichtsrates weiter aktiv beratend zur Seite zu stehen. Zudem bin ich größter Einzelaktionär und beachsichtige es auch weiterhin zu bleiben. Denn ich bin ganz sicher, dass die Erfolgsgeschichte von Xing rasant weitergeht und ich freue mich schon sehr darauf zu sehen, wie die vielen neuen Features, die wir in den letzten Monaten entwickelt haben, jetzt Schritt für Schritt auf der Plattform gelauncht werden.

Es heißt, Sie seien „über eine Kontroverse über die Nutzung von Mitgliederdaten gestolpert“. Das zumindest berichtete die dpa. Was sagen Sie dazu?

Gerüchte gibt es natürlich überall und immer. Diese Spekulation hat uns übrigens sehr geärgert und auch überrascht, denn es ist definitiv falsch und entbehrt jeder Grundlage. Auch unsere Reaktion auf dieses Gerücht wurde übrigens von der dpa verbreitet.

Sie haben die Gerüchte über Ihre Twitter-Seite kommentiert. Warum wurde nicht gleich am Freitag per Ad-hoc-Mitteilung reiner Tisch gemacht?

Es wäre natürlich schöner gewesen, meine Entscheidung selbst zuerst zu verkünden, aber dies ging als CEO eines börsennotierten Unternehmens natürlich erst, als sie Montagfrüh auch spruchreif wurde.

Aber natürlich beobachten wir stets sehr genau, was über uns geschrieben wird, um darauf angemessen und schnell zu reagieren. Über meine Twitter-Seite habe ich am Freitag bewusst nur auf falsche Spekulationen über mögliche Gründe für mein Ausscheiden reagiert, weil der Vertrag erst am Montagmorgen unterschrieben wurde.

Wie ist Ihr Verhältnis zum designierten CEO Dr. Stefan Groß-Selbeck?

Ich kenne ihn schon länger und habe ihn gemeinsam mit dem Aufsichtsrat ausgewählt, weil wir ihn aufgrund seiner Erfahrung und seiner Marktkenntnisse für einen idealen Nachfolger halten. Er wird die etablierte Skalierbarkeit des Unternehmens für die weitere Umsetzung der erfolgreichen Wachstumsstrategie von Xing nutzen – so wie es ihm schon als Geschäftsführer von eBay Deutschland gelungen ist, den deutschen Markt zum wichtigsten eBay-Markt außerhalb der USA aufzubauen.

Wie unter meiner Führung wird der Nutzen und die Zufriedenheit der Mitglieder von XING stets auch in Zukunft im Vordergrund bei der Weiterentwicklung der Plattform stehen. Neben der stetigen Verbesserung der gewohnten Features und Funktionen werden kontinuierlich neue innovative Tools und Anwendungsmöglichkeiten in XING integriert, um den Mehrwert der Plattform für die Mitglieder weiter stark auszubauen.

Unsicherheit ist gewichen

Die Gerüchte über einen Führungswechsel bei Xing haben die Aktie des Internetunternehmens Ende vergangener Woche belastet. Jetzt herrscht Klarheit über die zukünftige Entwicklung. Auch die Unsicherheit mit Blick auf das hohe Aktienpaket, das der scheidende Vorstandschef Hinrichs hält – er ist über seine LH Cinco Capital GmbH mit 27,7 Prozent beteiligt – dürfte sich als unbegründet erweisen. Wie Hinrichs im Interview erklärt, sieht er seine Beteiligung als langfristiges Investment. Obendrein bleibt er dem Unternehmen aus Aufsichtsrat erhalten. DER AKTIONÄR geht nicht davon aus, dass Hinrichs auf dem aktuellen Kursniveau zu einem Verkauf neigen könnte und empfiehlt die Xing-Aktie aufgrund der günstigen Bewertung weiterhin zu kaufen.

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