Leon Müller
Die Aktie des Hamburger Social-Network-Betreibers Xing gerät am Dienstag massiv unter Druck, zählt zu den schwächsten Werten auf dem Frankfurter Parkett. Der Grund: Obwohl das Unternehmen den Umsatz im Jahr 2009 deutlich steigern konnte, blieb unterm Strich aufgrund hoher Abschreibungen ein Verlust stehen. Ist die Aktie dennoch ein Kauf?
Mit einem solchen Ergebnis hat wohl kein Marktteilnehmer gerechnet. Der Hamburger Betreiber des Social Networks Xing hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Nettoverlust in Höhe von 1,7 Millionen Euro verbucht. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus in Höhe von 1,01 Euro je Aktie gerechnet. Beim Umsatz hingegen wusste Xing zu überzeugen, erwirtschaftete statt erwarteter 44,9 Millionen Euro ganze 45,1 Millionen Euro und damit 28 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das allein ist allerdings kein Trost, blickt man auf den heutigen Kursverfall. Das Papier verliert sieben Prozent an Wert, notiert bei 28,33 Euro. Bleibt die Frage, ob der Einstieg lohnt?
Abschreibungen verhageln Konzernergebnis
Ursächlich für das negative Konzernergebnis sind außerplanmäßige Abschreibungen in Höhe von 5,4 Millionen Euro. Dabei handelt es sich nach Angaben des Unternehmens insbesondere um Wertberichtigungen für Beteiligungen und Akquisitionen, die der Vorstand auf Basis des aktuellen Marktumfeldes sowie der strategischen Ausrichtung der Xing AG im vierten Quartal vorgenommen hat. CEO Dr. Stefan Groß-Selbeck sieht darin eine Weichenstellung für weiteres Wachstum. Immerhin: Bereinigt um die einmaligen Sondereffekte lag das Ergebnis bei 3,9 Millionen Euro.
Wachstum in allen Segmenten
Unterzieht man die einzelnen Geschäftsbereiche einer näheren Betrachtung, stellt man fest, dass Xing im vergangenen Jahr durchaus Erfolge feiern konnte. So konnte das Segment E-Recruiting ein Umsatzwachstum von elf Prozent erreichen, während der Gesamtmarkt einen Einbruch von rund 30 Prozent hinnehmen musste. Bei den Mitgliederzahlen verbuchte das Unternehmen ebenfalls hohes Wachstum. Insgesamt hatte Xing im Jahr 2009 rund 8,75 Millionen Mitglieder weltweit gegenüber sieben Millionen in 2008. Die Anzahl der zahlenden Premium-Mitglieder erhöhte sich um 25 Prozent auf 687.000 (Vorjahr: 550.000).
Xing-Aktie: Spekulatives Investment
Die Aktie der Hamburger Xing AG bleibt ein spekulatives Investment. Die unerwartet hohen Abschreibungen im Geschäftsjahr 2009 dürften bald verdaut sein. Für 2010 rechnen Analysten mit einem Gewinn je Aktie in Höhe von 1,73 Euro, was in einer Kurs-Gewinn-Vielfachen von 16 mündet. Bis 2011 dürfte das KGV auf unter 11 sinken. Wer das Risiko nicht scheut, greift auf dem nun ermäßigten Niveau zu. Das Kursziel liegt bei 38,00 Euro. Ein enger Stopp bei 25,00 Euro und damit unweit des 52-Wochen-Tiefs bei 26,175 Euro sichert gegen größere Verluste ab.