Wilex-Aktie nach Studienflop im Sturzflug
Es sollte mal wieder nicht sein. Der große Hoffnungsträger von Wilex, das Krebsmedikament Rencarex, scheiterte nach jahrelanger Forschung in der entscheidenden Phase-III-Studie. Die Geduld vieler Anleger wurde damit nicht belohnt.
Nach Sygnis und Agennix muss heute eine weitere deutsche börsennotierte Biotech-Firma einen herben Rückschlag verkraften. Wie Wilex soeben in einer Ad-Hoc mitteilt, scheiterte das Krebsmedikament Rencarex in einer Phase-III-Studie. Der primäre Studienendpunkt wurde nicht erreicht. Die Analyse der Daten ergab, dass Rencarex verglichen zur Placebo-Gruppe keine Verbesserung des medianen krankheitsfreien Überlebens von rund 72 Monaten bewirkte. Daher hat das unabhängige Datenkontrollkomittee (IDMC) die Beendigung der Studie empfohlen.
„Die Erkenntnisse aus dieser Studie sind von allerhöchster Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die überraschende mediane krankheitsfreie Überlebenszeit von sechs Jahren", erläutert Prof. Arie Belldegrun, Vorsitzender des medizinischen Beirats für Rencarex und Professor für Urologie und Leiter des Fachbereichs urologische Onkologie in der Abteilung für Urologie an der David Geffen School of Medicine der Universität von Kalifornien in Los Angeles, USA. „Das stellt alle Unternehmen ganz offensichtlich vor eine Herausforderung, die an der Entwicklung einer adjuvanten Therapie des klarzelligen Nierenzellkrebses arbeiten."
Prof. Olaf G. Wilhelm, Vorstandsvorsitzender von Wilex ergänzt: „Natürlich sind wir sehr enttäuscht, möchten uns aber ausdrücklich bei den Patienten, Ärzten und Prüfern für ihre Teilnahme und das Engagement bei der klinischen Prüfung von Rencarexbedanken. Angesichts der heutigen Nachrichten werden wir unsere Ressourcen auf die Entwicklung unseres diagnostischen Antikörpers Redectane, der sich in Phase III der klinischen Entwicklung für die Diagnose des klarzelligen Nierenzellkarzinoms befindet, sowie weitere klinische Projekte konzentrieren."

Herber Rückschlag ja, Todesurteil nein
Das Fazit der letzten Wilex-Analyse lautete: So positiv die Fortschritte bei Redectane zu werten sind, kurzfristig hängt kurstechnisch bei Wilex alles von den Rencarex-Daten ab. Bei einem Erfolg der Nierenkrebstherapie steht die Aktie vor einer Neubewertung. Im Falle eines Rencarex-Flops wären hingegen herbe Kursverluste zu erwarten, der Fortbestand der Firma aber durch den Großaktionär Dietmar Hopp wie auch der diversifizierten Pipeline mit dem zukünftigen Umsatzträger Redectane und Lizenzeinnahmen aus weiteren Produktkandidaten gesichert.
Leider ist der Worst Case bei Rencarex eingetreten. Der Wirkstoff hat die Erwartungen nicht erfüllt. Bis das Diagnostikum Redectane auf den Markt kommt, dürften nach AKTIONÄR-Schätzungen mindestens zwei Jahre vergehen. Damit fehlt es zunächst an Impulsen für die Aktie. Sie fällt heute sogar auf ein neues Allzeittief. Nach den letzten Zahlen beträgt der Cashbestand von Wilex 28,7 Millionen Euro oder rund 0,92 Euro je Aktie.
Der Stoppkurs der AKTIONÄR-Empfehlung von Anfang Juni 2012 lag bei 2,60 Euro. Somit wurde der Titel, nachdem er in der Folge bereits mehr als 20 Prozent im Gewinn notiert hatte, heute bei 2,58 Euro mit einem Verlust von gut 23 Prozent ausgestoppt.
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