Wilex: Bilanzkorrektur „dank“ IFRS
Das Biotech-Unternehmen muss den Firmenwert der vor knapp einem Jahr übernommenen Heidelberg Pharma korrigieren. Grund ist die Rechnungslegung IFRS. Das operative Geschäft bleibt von diesen Maßnahmen aber unberührt.
Wilex muss Korrekturen an seiner Bilanz vornehmen. Wie das Münchener Biotech-Unternehmen per Ad-hoc-Mitteilung in der Nacht von Freitag auf Samstag bekannt gab, muss der Unternehmenswert der vor knapp einem Jahr übernommenen Heidelberg Pharma reduziert werden. Allerdings nur nach der Rechnungslegungsart IFRS. Demzufolge ist nicht der vertraglich ausgehandelte Kaufpreis - die Transaktion wurde durch eine Sachkapitalerhöhung finanziert - auf Basis einer Wilex-Aktie zu sechs Euro anzusetzen, sondern der Kurs der Wilex-Aktie zum Zeitpunkt der Eintragung der Kapitalerhöhung ins Handelsregister am 17. März 2011 entscheidend. Damals notierte eine Wilex-Aktie zum Handelsschluss bei 3,39 Euro.
Multipliziert mit den 3,2 Millionen Aktien errechnet sich so ein Wert von 10,8 Millionen Euro für Heidelberg Pharma, was gegenüber der ursprünglichen Bilanzierung einer Differenz von 8,4 Millionen Euro entspricht. Nach HGB-Richtlinien ändert sich indes nichts.
Korrektur nur einen Tag nach den 9-Monatszahlen
Etwas unglücklich ist der Zeitpunkt. Die Mitteilung kommt nur einen Tag nach Bekanntgabe des 9-Monats-Finanzberichts. Auf Nachfrage des AKTIONÄR erklärte Unternehmenssprecherin Katja Arnold, dass man zum Zeitpunkt der Erstellung der 9-Monats-Zahlen mit der sogenannten Kaufpreisallokation, die bei Unternehmenszusammenschlüssen nach IFRS 3 immer anzuwenden ist, dieses Ergebnis noch nicht vorliegen hatte. Erst nach Bekanntgabe der Zahlen hätten die Wirtschaftsprüfer Wilex in Kenntnis gesetzt. Daher auch die Ad-Hoc zu so später Stunde.
Operativ ändert sich nichts
Durch die Maßnahme weist Wilex nach IFRS jetzt ein negatives Eigenkapital aus. Nach HGB-Richtlinien ist jedoch alles weiter im Lot. Der Geschäftsverlauf bleibt von diesen bilanziellen Korrekturen so und so unberührt. Hier dürfen Anleger weiterhin mit Spannung Phase-III-Zwischendaten der Krebstherapie Rencarex sowie Updates zum Stand beim Zulassungsantrag für das Diagnostikum Redectane erwarten. Die Aktie bleibt unter Beobachtung.
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